Schlechte Nachrichten von Arcandor: Der Konzern benötigt zur Sanierung neue Kredite. Pläne zur Umstrukturierung des Unternehmens gibt es schon - auch zu Lasten der Mitarbeiter. 

Der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) braucht für die Sanierung des Konzerns in den kommenden fünf Jahren weitere Kredite in Höhe von 900 Millionen Euro.

Für die Maßnahmen des Konsolidierungsprogramms seien zusätzlich zur anstehenden Refinanzierung im Sommer 2009 im Fünf-Jahres-Zeitraum finanzielle Mittel in dieser Höhe notwendig, teilte das Unternehmen heute in Essen mit. Der Konzern wolle künftig in allen drei Kerngeschäftsbereichen - Warenhausgeschäft, Versandhandel und Touristik - positive Ergebnisse erzielen.

Die Quelle-Shops mit 115 Technikcentern sowie rund 1.500 Läden gehörten nicht mehr zum Kerngeschäft des Konzerns, hieß es weiter. Sie sollten in einer neuen Einheit mit dem Namen ATRYS weiterentwickelt werden. Dies beinhaltet den Worten des neuen Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Karl-Gerhard Eick auch die Möglichkeit des Verkaufs. Schon bei seinem Dienstantritt vor einigen Wochen hatte Eick eine besorgniserregende Analyse des Unternehmens geliefert.

Bekenntnis zum Touristikgeschäft

Eick bekannte sich nun zum Touristikgeschäft und will den Bereich trotz weiteren Finanzbedarfs für die Sanierung des Konzerns nicht verkaufen. "Der Touristikbereich Thomas Cook ist und bleibt Kerngeschäft von Arcandor", erklärte er.

Zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte und Spekulationen gegeben, dass sich Arcandor von der Beteiligung an Thomas Cook, an dem Arcandor derzeit rund 52 Prozent hält, trennen könnte, um die Sanierung im Versandhandel und Warenhausgeschäft zu finanzieren.

Einkauf bündeln

Arcandor will den Einkauf bündeln und dadurch bis zu 350 Millionen Euro sparen. Innerhalb von zwei bis drei Jahren sollen Synergien von bis zu fünf Prozent des Arcandor-Einkaufsvolumens (ohne Thomas Cook) in Höhe von mehr als sieben Milliarden Euro erzielt werden. Weitere Maßnahmen sind laut Arcandor: -
Am Wochenende hatte Eick davon gesprochen, dass sich das Unternehmen in einer "sehr schweren Lage" befinde. "Es geht nicht nur um die bisherigen Kredite, wir brauchen auch zusätzliche Finanzmittel", sagte er der "Bild am Sonntag".

Ziel: Die profilierte Mitte der Gesellschaft

Eick machte deutlich, dass auch die Häuser der Premiumgruppe - das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und der Oberpollinger in München - zur Disposition stehen. "Unser Konzept zielt auf die profilierte Mitte der Gesellschaft. In dem Zusammenhang ist natürlich zu entscheiden, wie die Premiumhäuser in Berlin, Hamburg und München zur neuen Struktur passen.

In der "Bild am Sonntag" schilderte Eick die Grundzüge seines Sanierungsprogramms: "Gerade bei Quelle und Karstadt müssen wir prüfen, wo wir Geld verdienen und wo nicht. In Einzelfällen werden wir Standorte abgeben, zum Beispiel für eine Center-Entwicklung. Strategisch machen wir uns Gedanken darüber, welche Kunden wir mit welchem Sortiment ansprechen wollen."

Keine Jobgarantien

Eine Bestandsgarantie für die 52.000 Arbeitsplätze von Karstadt und Quelle wollte Eick nicht abgeben. "Ich kann auch nicht ausschließen, dass wir Mitarbeiter verlieren werden - so wenig wie möglich." Die Schwierigkeiten von Arcandor führte er auf folgende Kernprobleme zurück: "Mitte Juni müssen Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro refinanziert werden. Wir müssen die Kernprobleme des Unternehmens angehen: die mangelnde Profitabilität und den negativen Cash-Flow. Zu Deutsch: Es kommt weniger Geld rein, als rausgeht."

Ferner räumte Eick ein, dass Arcandor auf staatliche Hilfe angewiesen sein könnte. "Arcandor befindet sich in einer Dreifach-Krise: Wir haben Probleme aus der Vergangenheit - über die habe ich gesprochen -, wir haben die Wirtschaftskrise, die auf die Umsätze drückt, und wir haben die Finanzkrise, die die Begeisterung aller Kapitalgeber für zusätzliche Engagements dämpft. Deshalb wäre es fahrlässig, für unseren Konzern Unterstützung durch die öffentliche Hand von vorneweg auszuschließen."

Kapitalerhöhung geplant

Die Restrukturierungspläne seien diese Woche mit den wichtigsten Kreditgebern besprochen worden, schreibt die Zeitung "Euro am Sonntag". Um die Banken zum Mitmachen zu bewegen, würden Hauptaktionäre wie das Bankhaus Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz eine namhafte Kapitalerhöhung zeichnen. Zu den in der "Euro am Sonntag" genannten Maßnahmen wollte sich ein Konzernsprecher nicht äußern.