Überraschend ist diese Nachricht nicht mehr: Arcandor stellt Insolvenzantrag. Medien berichten gar von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Vorstandschef Karl-Gerhard Eick.

Arcandor stellte am Dienstag Insolvenzantrag für die Arcandor AG sowie die Töchter Karstadt Warenhaus GmbH, die Primondo GmbH und die Quelle GmbH.

"Spiegel Online" schreibt sogar, dass die Staatsanwaltschaft Essen gegen Eick wegen Insolvenzverschleppung ermitteln würde. Laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft sei bereits vorige Woche die Anzeige eines Privatmannes eingegangen. Aufgrund dieser Anzeige seien die Ermittler aktiv geworden.

Das Essener Unternehmen verzichtete am Dienstag auf einen nachgebesserten Antrag für staatliche Rettungshilfen. Wie das Unternehmen an diesem Dienstag in Essen mitteilte, sind beim Amtsgericht Essen Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit für die Arcandor AG sowie drei Tochterunternehmen gestellt worden.

"Vom Insolvenzverfahren werden die Thomas Cook Group plc, die Primondo-Specialty Group GmbH mit ihren Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie der Homeshopping-Sender HSE24 unberührt bleiben", heißt es in einer Mitteilung.

Per Insolvenz sanieren

Arcandor will sich über das Insolvenzverfahren sanieren und den Fortbestand sichern. Das sagte Unternehmenssprecher Gerd Koslowski. Die Haupteigentümer würden sich unverändert zum Fortbestand des Unternehmens bekennen.

Für Kunden soll es keine Einschränkungen geben. "Alle Geschäfte laufen ungehindert weiter", sagte Koslowski. Garantien, Anzahlungen oder Rückgaberechte würden nicht angetastet. Für die Beschäftigten seien die Gehaltszahlungen bis August gesichert. Betroffen seien von den Insolvenzanträgen 43.000 Beschäftigte.

Görg zum Insolvenzverwalter bestellt

Unterdessen gibt es Klarheit darüber, wer vorläufiger Insolvenzverwalter ist. Der Kölner Anwalt Klaus Hubert Görg sei dazu bestimmt worden. Er sei für alle vier Insolvenzverfahren der Arcandor AG sowie der Tochterunternehmen Primondo, Karstadt Warenhaus und Quelle zuständig, teilte das Amtsgericht Essen mit. Zuerst war noch die Rede davon, dass der Düsseldorfer Anwalt Horst Piepenburg Insolvenzverwalter werden soll.

Arcandor-Chef Eick hatte nach dpa-Angaben vor, heute gegen 17 Uhr vor der Essener Firmenzentrale in einem Statement weitere Informationen zum Insolvenzantrag des Unternehmens geben.

Metro will verhandeln

Die Hoffnung richtet sich nun auf eine Lösung aus dem Insolvenzverfahren heraus. Unter anderem wird über eine Fusion der Arcandor-Warenhäuser Karstadt mit den Kaufhof-Filialen des Handelskonkurrenten Metro weiter verhandelt.

Der Düsseldorfer Konzern will sich weiterhin für die Gründung einer Deutschen Warenhaus AG engagieren. Mit allen Beteiligten sollten die Gespräche über eine Zusammenführung der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof geführt werden, erklärte das Metro am Dienstag in Düsseldorf.

"An unserem Konzept zur Übernahme von etwa 60 Karstadt-Standorten und damit zur Rettung der großen Mehrheit der Arbeitsplätze halten wir unverändert fest. Die Tür für Gespräche und Verhandlungen steht offen", sagte der Metro-Konzernsprecher Michael Inacker. Dabei sollten die Verhandlungen, die am Montag ausgesetzt worden waren, "zeitnah" wieder aufgenommen werden. Hierzu gehörten auch Gespräche mit Eigentümern und Vermietern.

Metro habe ein großes Interesse daran, schnell mit Karstadt zu einer Lösung zu kommen, damit die Rettung der Warenhäuser nicht durch die Insolvenz bei Arcandor verzögert werde.

An der Börse brachen Arcandor-Aktien erneut ein. Sie lagen am Dienstagmittag mit fast 35 Prozent im Minus und kosteten nur noch 69 Cent.

Keine Überraschung

Das vorläufige Scheitern der Rettungsbemühungen kommt nicht überraschend. Die Bundesregierung hatte mehrfach ein stärkeres Engagement der Arcandor-Eigentümer, der Gläubigerbanken sowie der Vermieter der Karstadt-Immobilien gefordert.

Es galt als unwahrscheinlich, dass Arcandor eine letzte Frist nutzen und in nur wenigen Stunden ein substanziell verbessertes Rettungskonzept vorlegen kann. Voraussetzung für eine Staatshilfe waren deutlich höhere Beiträge der Arcandor-Eigentümer, der Banken und Vermieter.

Die Nacht durchverhandelt

Am Montag hatte der Bund die beantragte Rettungsbeihilfe über 437 Millionen Euro zunächst abgelehnt. Daraufhin hatte die Arcandor-Spitze die Nacht durch mit allen Beteiligten verhandelt. Arcandor sollte sich dann noch am Dienstag entscheiden, ob das Unternehmen erneut Hilfe beantragt.

Ohne Staatshilfe sei der Insolvenzantrag spätestens an diesem Mittwoch unausweichlich, hieß es. An diesem Freitag läuft eine Kreditlinie von 650 Millionen Euro aus.

Angst bei Quelle

Das Versandhaus Quelle droht nach Befürchtung des Fürther Oberbürgermeisters Thomas Jung (SPD) der große Verlierer zu werden. "Ein Partner für Quelle ist nicht in Sicht", sagte Jung am Dienstag der dpa in Fürth.

Sollte die Versandsparte mit 4.500 Beschäftigten allein in Fürth und Nürnberg nicht überleben, hätte dies für die Region schlimme wirtschaftliche Auswirkungen.

Rewe will helfen

Der Rewe-Konzern erklärte unterdessen ebenfalls seine Bereitschaft, zur Rettung der Karstadt-Warenhäuser beizutragen. Das Unternehmen betreibe in 50 Karstadt-Warenhäusern die Perfetto-Märkte und es sei schade, wenn diese Feinkostgeschäfte geschlossen würden, sagte Rewe-Chef Alain Caparros an diesem Dienstag in Köln.

Er bedauerte, dass bei den gesamten Rettungsbemühungen um Arcandor niemand auf Rewe zugekommen sei. Bei einem möglichen Verkauf der profitablen Arcandor- Tourismustochter Thomas Cook würde auch Rewe eine Übernahme prüfen.

Merkel sagt Unterstützung zu

Auch die Bundesregierung will nach Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Insolvenzantrag des Handelsunternehmens Arcandor den Beschäftigten helfen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werde sich schnell mit den Personalvertretungen an einen Tisch setzen, kündigte Merkel in Berlin an. Sie sah in dem Antrag von Arcandor auch eine Chance, dass in dem Unternehmen durch ein Zusammengehen mit dem Metro-Konzern Beschäftigung erhalten werden könne.