2009 ist das Jahr der Arcandor-Insolvenz. Noch im Februar war laut des damaligen Chefs Middelhoff noch alles in Ordnung, kurz darauf wurde der Konzern im Eiltempo zerschlagen. 

Im Eiltempo in die Insolvenz: Nach jahrelangem Überlebenskampf kam das Aus für die Karstadt-Mutter Arcandor in diesem Jahr innerhalb von Monaten. Sechs Monate nach dem Insolvenzantrag, mit dem das Unternehmen am 9. Juni dieses 2009 das ganze Ausmaß der finanziellen Schieflage erstmals öffentlich machte, sind von dem Konzern mit 20 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 70.000 Beschäftigten nur noch Bruchstücke übrig.

Die Arcandor-Warenhaustochter Karstadt kämpft derzeit ums Überleben, während es für den Fürther Versandhändler Quelle keine Rettung mehr gibt. Die traditionsreiche Warenhauskette soll durch ein hartes Sanierungsprogramm fit gemacht werden - mit ungewissem Ausgang.

Die an Gläubiger verpfändete Tourismustochter Thomas Cook war dagegen bereits kurz nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens verkauft worden. Für die Holdinggesellschaft mit dem erst 2007 vom ehemaligen Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff effektvoll aus der Taufe gehobenen Kunstnamen Arcandor steht nur noch die endgültige Abwicklung auf dem Programm.

Beschäftigte tragen Last der Sanierung mit

Bundesweit dreizehn Karstadt-Standorte sollen bis zum Frühjahr 2010 geschlossen werden, rund 1.200 Beschäftigte verlieren ihre Jobs. Mit Einbußen von 150 Millionen Euro sollen die Beschäftigten in den kommenden drei Jahren zusätzlich die Last der Sanierung mittragen. Ob die verbleibenden 25.000 Jobs an 120 Karstadt-Standorten langfristig gesichert sind, ist dabei noch völlig unklar.

Alle Hoffnungen bei Karstadt ruhen nun auf dem Einstieg eines noch unbekannten Investors. Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei der Erhalt des Warenhausunternehmens als Ganzes. Insgesamt sollen sich bislang etwa zwei Dutzend Interessenten gemeldet haben. Öffentlich bekundet hat sein Interesse bislang nur der Chef der Kaufhof-Mutter Metro, Eckhard Cordes. Der Manager hatte jedoch nur Interesse an maximal der Hälfte der künftig noch 120 Häuser.

Quelle: Schock und Chaos

Was die Abwicklung eines Unternehmens bedeutet, das mussten unterdessen die Quelle-Mitarbeiter in Nürnberg und Fürth schmerzhaft erfahren. Monatelang durchlebten sie ein Wechselbad der Gefühle - immer wieder flackerte neue Hoffnung auf, etwa als mit einem Massekredit in letzter Sekunde doch noch der neue Katalog gedruckt werden konnte.

Aber am Abend des 19. Oktober kam der Schock:
Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg verkündete, dass kein Investor gefunden worden sei und Quelle abgewickelt werde.

Kritik am Insolvenzverwalter

Was folgte, erlebten viele Beschäftigte als das reine Chaos: Nach vielen Jahren Betriebszugehörigkeit wurden sie meist von heute auf morgen "freigestellt". Informationen fehlten ebenso wie nötige Unterlagen für das Arbeitsamt. Wochenlang stand Görg deswegen im Zentrum massiver Kritik von Politik, Gewerkschaft und Kirchen.

Um die schlimmsten Folgen für die Betroffenen zu mildern, richtete die Bundesagentur für Arbeit zeitweise sogar ein eigenes Quelle-Arbeitsamt im Nürnberger Quelle-Versandzentrum ein.


Tausende Menschen haben bei Quelle binnen Wochen ihre Arbeitsplätze verloren. Die Zwischenbilanz des Insolvenzverwalters sieht mager aus. Von rund 10.500 Beschäftigten der Versandsparte konnten nach Angaben eines Sprechers nur für gut ein Zehntel Jobs gesichert werden. Je 500 beim von einer Beteiligungsgesellschaft übernommenen Verkaufssender HSE24 sowie bei verkauften Call Centern in Cottbus und Emden. 150 weitere gibt es bei Küchen Quelle, übernommen von mittelständischen Investoren, und 200 bei Quelle Russland, das ebenso an die Otto-Gruppe ging wie die Markenrechte.

Verschmelzung mit Karstadt Anfang vom Ende

Viele Betroffene bezeichnen heute die Verschmelzung von Quelle mit Karstadt vor zehn Jahren als den Anfang vom Ende. Damals war die KarstadtQuelle AG aus der Taufe gehoben worden - doch es habe sich von Anfang an um einen Zusammenschluss von Problemfällen gehandelt, bescheinigten Beobachter später. Fünf Konzernchefs versuchten vergeblich ihr Glück.

Mit einer Amtszeit von knapp vier Jahren zählte der im Februar 2009 abgetretene Middelhoff in der Riege zu den Kandidaten mit einem besonders großen Beharrungsvermögen. Noch wenige Monate vor seinem Ausscheiden hatte Middelhoff im Dezember 2008 den Aktionären ein glanzvolles Milliarden-Ergebnis im operativen Geschäft in Aussicht gestellt. Noch bei seiner letzten Pressekonferenz als Konzernchef im Februar 2009 beschrieb Middelhoff den Konzern vollmundig als "wohlgeordnet und aufgeräumt".

Übergabe von Middelhoff an Eick "nicht besenrein"

Die Übergabe des Unternehmens an seinen Nachfolger Karl-Gerhard Eick sei "sicher nicht besenrein", räumte er vorsichtig ein. Knapp vier Monate später meldete das Unternehmen Insolvenz an. Im November bezifferte Insolvenzverwalter Görg den Schuldenberg auf rund 19 Milliarden Euro.

Uta Knapp und Stephan Maurer, dpa

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