Arcandor nutzt die Medien, um die Bundesregierung unter Druck zu setzen. Die wird sich in dieser Woche mit dem Antrag des Konzerns auf Staatshilfen beschäftigen. Die CDU lehnt eine Bürgschaft ab.

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick verkündet seine Forderungen gegenüber der Bundesregierung gerne über Massenmedien. Bereits die Entscheidung, eine Staatsbürgschaft zu beantragen, wurde in der Boulevardzeitung "Bild am Sonntag" bekanntgegeben - noch bevor das zuständige Ministerium formell davon in Kenntnis gesetzt worden war.

Am vergangenen Wochenende hat die Medienschlacht des Konzernchefs nochmals eine neue Dramatik erlangt: "Ohne Bürgschaft ist für Karstadt am 12. Juni Schluss", betitelte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ein Interview mit dem Konzernlenker.

Paralell sorgte Karstadt-Chef Stefan Herzberg mit dramatischen Worten in der "Bild am Sonntag" für Schlagzeilen und malte ein Horrorszenario nach dem anderen. Bei einer Pleite würden "zusammen mit den Familien unserer Beschäftigten weit mehr als 100.000 Menschen in eine ungewisse Zukunft entlassen".

Entscheidung „zum gegebenen Zeitpunkt"

Eick macht Druck - denn Arcandor braucht für die Kaufhaustochter Karstadt bis zum 12. Juni eine Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Millionen Euro. Außerdem möchte der Konzern einen 200-Millionen-Euro-Kredit von der staatlichen KfW Bankengruppe.

Nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm vom Montag in Berlin befasst sich diese Woche zunächst der interministerielle Bürgschaftsausschuss mit dem Thema. Danach werde zu "gegebenem Zeitpunkt" der Lenkungsausschuss des Wirtschaftsfonds Deutschland entscheiden.

CDU-Politiker gegen Staatshilfe

Zudem gibt es in der Politik große Vorbehalte gegen die Staatshilfe. Unions-Fraktionschef Volker Kauder hat sich bereits ablehnend geäußert, weil nach seiner Ansicht Arcandor vor der aktuellen Finanzkrise in Schwierigkeiten war.

Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Laurenz Meyer, sagte der "Berliner Zeitung": "Managementfehler sind keine Dinge, die man auf die Steuerzahler abwälzen kann." CDU/CSU- Mittelstandsexperte Michael Fuchs sagte gegenüber "Spiegel online": "Ich bin gegen jeden Cent für Karstadt".

Mitbewerber im Handel sehen den Arcandor-Hilferuf nach Staatshilfe ebenfalls kritisch. Wenn Arcandor und seine Kaufhaustochter Karstadt mit Steuergeld gerettet würden, sei dies ein Schlag ins Gesicht aller Unternehmer, die ordentlich gewirtschaftet haben, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub der "Wirtschaftswoche".

Fusion "frühestens ab 2010"

Auch zur möglichen Verschmelzung der Kaufhaustochter Karstadt mit dem Konkurrenten Kaufhof äußerte sich Vorstandschef Eick in der Presse: Er halte einen Zusammenschluss frühestens ab 2010 für möglich, verkündete er über "Bild". Kurzfristig gehe es darum, "Geld für eine nötige Anschlussfinanzierung des Gesamtkonzerns zu bekommen."

Eick betonte, er lehne eine Fusion "nicht grundsätzlich ab". Aber es gebe noch nicht einmal "durchdachte Konzepte für einen solchen Zusammenschluss - nicht einmal von der Kaufhof-Mutter Metro".