Der Arcandor-Konzern hat bei der Bundesregierung einen Antrag auf einen Kredit über 437 Millionen Euro gestellt. Die Kanzlerin kritisierte dessen Bemühungen um Staatshilfen scharf.

"Nach den Regularien der Rettungsbeihilfe kann dieser Kredit von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sehr kurzfristig genehmigt und auch ausgezahlt werden", teilte das Unternehmen mit. Der Kredit soll die notwendige Liquidität für die nächsten sechs Monate sichern.

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick betonte, Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hätten dem Unternehmen "in persönlichen Gesprächen die Hand gereicht und uns diese Lösung empfohlen".

Fusionsverhandlungen werden weitergeführt

Parallel will Arcandor weiterhin mit dem Metro-Konzern über eine mögliche Fusion der Kaufhausbetreiber Kaufhof und Karstadt verhandeln. „Die finanzielle Stabilisierung des Konzerns ist Voraussetzung dafür, in gemeinsamen Gesprächen mit der Metro AG ein betriebswirtschaftlich sinnvolles Konzept zu erarbeiten und konstruktiv zu gestalten."

Unabhängig vom aktuellen Kreditantrag bemüht sich Arcandor beim Bund um eine Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Millionen Euro. Dieser Antrag bleibe unberührt. Die Chancen schwinden jedoch, seitdem die EU der Arcandor-Bitte eine Absage erteilte.

Scharfe Kritik von der Kanzlerin

Zudem äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisch zum Thema. Sie hat indirekt staatliche Finanzhilfen für den angeschlagenen Handelskonzern Arcandor ausgeschlossen.

Auf der Europa-Wahlkampfabschlusskundgebung der Berliner CDU am Donnerstagabend sagte Merkel: „Wenn man anders als bei Opel reiche Eigentümer und gute Gläubiger hat, dann kann man nicht einfach zum Staat rennen und sagen, nun soll mal der Staat helfen, sondern dann müssen die erstmal versuchen, sich selber zu helfen."

Zeitung: Arcandor "ist noch zu retten"

Einem Zeitungsbericht zufolge ist Arcandor nach Einschätzung von Wirtschaftsprüfern zu retten. "Nach unserer Auffassung ist das uns vorgelegte Konzept schlüssig und nachvollziehbar. Das Unternehmen ist unter den im Konzept genannten Bedingungen sanierungsfähig", zitiert die Tageszeitung "Die Welt" (Freitagausgabe) aus einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Mit dem Gutachten solle überprüft werden, ob das von der Beratungsgesellschaft Roland Berger ausgearbeitete und von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick vorgestellte Sanierungskonzept erfolgversprechend ist.

dpa