Opels neues Kompaktmodell legt einen perfekten Start hin, heimst die wichtigsten Branchenpreise ein und lässt das Markenlogo in neuem Glanz erstrahlen.

Wer hätte das gedacht? Opel ist wieder wer! Als der damalige Vorstand 2009 mittellos nach Berlin eilte, um staatliche Unterstützung anzufragen und das amerikanische Mutterhaus General Motors den deutschen Ableger bereits abgeschrieben und zum Verkauf feil geboten hatte, ehe man sich in der Konzernzentrale doch noch anders besann, gab kaum ein Brancheninsider noch einen Pfifferling auf die Rüsselsheimer. Jetzt erstrahlt der Opel-Blitz im neuen Glanz.

Schritt für Schritt haben sich die Hessen selbst aus dem Sumpf gezogen – und für dieses Jahr plant Vorstandschef Karl-Thomas Neumann erstmals wieder einen Unternehmensgewinn nach Detroit zu melden. Dann sollen die roten Zahlen in den Bilanzbüchern endgültig der Geschichte angehören. Die Einstellung neuer Mitarbeiter ist ebenso im Gespräch wie die Wiedereinführung des Drei-Schicht-Betriebes am Stammsitz in Rüsselsheim.

Auf dem europäischen, wie auf dem deutschen Markt steigen die Zulassungszahlen beständig an. Nach dem ersten Quartal 2016 steht hierzulande ein Plus von 14,4 Prozent zu Buche: knapp 60.000 Kaufverträge in drei Monaten.

Neue Produkte bringen die Marke in die Erfolgsspur zurück

Natürlich hat die aufwendige und schrille „Umparken“-Marketingkampagne ihr Ziel nicht verfehlt. Und selbstverständlich hat die unaufgeregte Arbeitsweise der Führungscrew um Marathonläufer Neumann ihren Anteil an der Wiederauferstehung des Traditionsunternehmens. Doch in erster Linie zeichnen die neuen Produkte selbst für die Rückkehr in die Erfolgsspur verantwortlich.

Dafür steht der aktuelle Astra wie kein zweites Modell. Der Kompaktwagen, der im vergangenen Oktober debütierte, kommt bei der Kundschaft und den Fachleuten ganz offensichtlich glänzend an. Davon zeugt zum einen die Steigerung der Absatzzahlen in den ersten drei Monaten um 45,9 Prozent auf 15.857 Einheiten – und das noch ohne den Kombi („Sports Tourer“), der normalerweise 60 Prozent der Verkäufe ausmacht. Und davon zeugt zum anderen die Trophäensammlung: Mit dem „Goldenen Lenkrad“ und dem Titel „Auto des Jahres“ heimste der Astra K die wertvollsten Auszeichnung ein, die die PS-Branche zu vergeben hat.

Astra bestätigt die Lorbeeren im Testalltag

Die Lorbeeren bestätigte die viertürige Fließhecklimousine nun auch prompt im Praxistest von Der Handel. Dank der kompakten Abmessungen und akustischen wie optischen Rangierhilfen eignet sich der Wagen im Stadt- und Kurzstreckenverkehr ebenso wie auf der Langstrecke, wo der sehr angenehme und elastisch drehende 1,6-Liter-Diesel mit 100 kW/136 PS seine Stärken ausspielt und die gut konturierten Sitze vor Rückenschmerzen bewahren.

Der Motor passt mit seiner Leistungscharakteristik besonders gut zu der agilen Karosse, die sich leicht und dynamisch um die Kurven zirkeln lässt. Ein bisschen Fahrspaß darf bei der Arbeit schließlich auch sein. Und forsche Fahrweise wird nicht einmal an der Tankstelle bestraft. Zumeist zeigt der Bordcomputer Verbrauchswerte unter fünf Litern an. Im Testdurchschnitt kam der Astra mit 5,4 Litern auf 100 Kilometern aus.

Komfort über Klassenstandard

Zum positiven Eindruck trägt natürlich auch das neue Bedienkonzept mit großem, berührungsempfindlichem Bildschirm im Armaturenbrett bei. Vorbei sind gottlob die Zeiten der ungezählten Tasten, jetzt findet sich der Fahrer mühelos zurecht – und unter der überschaubaren Zahl an Bedienknöpfen auch die Aktivierung der Lenkradheizung. Solcherlei Komfort ist, wie auch die Massagefunktion im Fahrersitz, in dieser Klasse längst nicht üblich.

Beim eingeschränkten Blick nach hinten wird hingegen schnell die Sinnhaftigkeit der Rückfahrkamera gegenwärtig. Und auch der zweite und gleichzeitig letzte Kritikpunkt hat mit dem Fahrzeugheck zu tun: Bei der Gestaltung des Kofferraumbodens folgten die Ingenieure ganz offensichtlich allen Ecken und Kanten der Blechkarosse um kein Volumen zu verschenken. Dadurch ist allerdings die Ladefläche des Gepäckabteils nicht eben.

Transporteure sollten ohnehin die 1.100 Euro Aufpreis nicht scheuen und zum Kombi greifen, der in diesen Tagen in die Verkaufsräume rollt. Die wesentlichen Informationen zum neuen Sports Tourer finden Sie in der Mai-Ausgabe von Der Handel, die am 9. Mai erscheint. Zum Probeabo geht es hier.

Bernd Nusser