Nach und nach entscheiden sich auch die letzten Städte, für den Erhalt von Karstadt auf die Gewerbesteuer zu verzichten. Nun votierte der Leipziger Stadtrat dafür.

Der Leipziger Stadtrat hat mit großer Mehrheit den entsprechenden Beschluss als einmalige Ausnahmeregelung verabschiedet, teilte die Stadtverwaltung mit. Für die Entscheidung sei bedeutsam gewesen, dass nur damit der aktuelle Insolvenzplan von Karstadt rechtsverbindlich wird.

"Mit unserer Entscheidung leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt vieler Arbeitsplätze bei Karstadt und zur Sicherung der Karstadt-Kaufhäuser in den Innenstädten", sagte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). 

Thomas Fox, Geschäftsführer der Karstadt Warenhandels GmbH, bedankte sich "im Namen von 26.000 Karstadt-Mitarbeitern". "Durch diese Entscheidung wirken Sie aktiv am Zustandekommen des Insolvenzplans von Karstadt mit und unterstützen damit ein Weiterleben der Kaufhäuser und die Sicherheit der Arbeitsplätze", sagte Fox. 

Auf den Insolvenzplan kommt es an

Hintergrund der Entscheidung ist, dass bei Zustandekommen eines Insolvenzplanes die Gläubiger des Unternehmens auf bis zu 97 Prozent ihrer Ansprüche gegen die Kette verzichten würden. Der Forderungsverzicht der Gläubiger ließe für das laufende Geschäftsjahr einen sogenannten Sanierungsgewinn entstehen, der formell der Körperschafts- und Gewerbesteuer unterliegen würde.

Bis zum 25. Mai müssen sich die betroffenen Städte für einen Verzicht auf die Gewerbesteuer entscheiden haben. Sollte das nicht passieren, platzt der Insolvenzplan - und der potenzielle Käufer Triton zieht sich zurück.

Dresden debattiert noch

In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden debattieren die Stadtratsfraktionen über den Steuerverzicht. Der Finanzausschuss der Stadt befasst sich am Freitag mit der Angelegenheit.

Gestern protestierten in Dresden etwa 250 Menschen für den Erhalt von Karstadt. Betriebsratschef Steffen Kalisch sagte, die Arbeitnehmer kämpften um die 900 Arbeitsplätze am Standort.

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.