Das Ende von Karstadt würde auch einen Tochterbetrieb der Rewe treffen, sagt deren Vorstandschef Caparros. Zudem warnt der Franzose vor weiteren Preiskämpfen im Lebensmittelhandel.

Auch die Rewe wäre von einem Aus von Karstadt betroffen. Der Lebensmittelhändler ist zu 25 Prozent an der Karstadt Feinkost GmbH & Co.KG beteiligt, die die Perfetto-Märkte in den Warenhäusern betriebt.

"Wenn Karstadt liquidiert wird, müssten wir auch Perfetto liquidieren. Das wäre bitter vor allem für die mehr als 2.600 Mitarbeiter", sagt der Rewe-Vorstandsvorsitzende Alain Caparros der "Süddeutschen Zeitung". Er sei aber sicher, dass eine Lösung für Karstadt gefunden wird und Rewe weiter mit dem Warenhaus zusammenarbeiten kann.

Sollte aber der Handelskonzern Metro mehrere Karstadt-Standorte übernehmen und in das Filialnetz seiner Tochter Kaufhof integrieren, "sind wir raus. Denn Metro managt die Lebensmittelabteilungen im Kaufhof selbst", stellte Caparros klar. Der Metro-Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes hatte bisher Interesse an 60 Filialen von Karstadt bekundet.

Caparros ist aber nicht nur wegen Karstadt in Sorge. Der Franzose beklagt auch die harten Preiskämpfe im Lebensmittelhandel. "Das ist ein reiner Verdrängungswettbewerb. Der Letzte der atmet, überlebt die anderen. Aber am Ende könnte es auch zu einem kollektiven Selbstmord kommen".

Ein Qualitätswettbewerb

Caparros befürchtet noch weitere Preiskämpfe - aufgrund der Stagnation bei den Discountern. "Einige Wettbewerber werden versuchen, mit niedrigeren Preisen Marktanteile zu gewinnen."

Für den Rewe-Chef sind die Discounter trotzdem an ihre Grenzen gestoßen. Trotz Wirtschaftskrise hätten die Billigläden keine neuen Kunden gewonnen, "das gibt zu denken", sagte er. "Auch regional ist das Konzept ausgereizt. Jeder Deutsche kann innerhalb von fünf Minuten einen Discount-Markt erreichen. Die spannende Frage ist nun, wie die Discounter auf diese Situation reagieren."

Capaross sagt einen qualitativen Wettbewerb auf dem Discountermarkt voraus. Zur Rewe gehört der Discounter Penny, der in diesem Jahr 110 neue Läden öffen, aber auch viele Märkte schließen will.

Für den Rewe-Chef ist die Anzahl der Neueröffnungen nicht mehr entscheidend. "In Deutschland scheint mir die Zeit der großen Zukäufe vorbei zu sein. Schon allein, weil das Kartellamt in vielen Fällen kritisch hinschaut." Freilich ist Caparros nicht abgeneigt, weiter Läden der Tengelmanngruppe zu übernehmen. "Das würden wir uns sehr genau ansehen, wenn das Kartellamt keine Einwände hätte."

Trikotsponsoring als Türöffner

In den nächsten Wochen wolle die Rewe stärker die Eigenmarke Ja! sowie das Nacharschaftskonzept der kleinen Märkte bewerben.

Ein Erfolg sei das Rewe-Engagement als Trikotsponsor beim Fußball-Bundesligaverein 1. FC Köln, betonte Caparros. Sein Konzern investiere hier einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. "Das lohnt sich. Wir wollen das Thema Sport und Ernährung in die Schulen tragen, da ist Fußball ein wunderbarer Türöffner." Allerdings betonte der Franzose, dass er kein großes Interesse an Fußball habe.