Ein Onlinekunde soll einen kostspieligen Cognac entkorkt und dann zurückgeschickt haben. Da es sich nicht um schnell verderbliche Ware handelte, durfte er das.

Online bestellte Ware kann zurückgeschickt werden, wenn es sich nicht um schnell verderbliche Ware handelt, hat das Landgericht Potsdam entschieden. Im konkreten Fall ging es um eine Flasche des Cognacs "Societé d’Agriculture Petite Champagne Concour" für 695 Euro, die ein Kunde in einem Ebay-Shop bestellt hatte. Als sie ankam, soll er sie entkorkt und - ohne etwas von dem edlen Brand zu trinken - zurückgeschickt haben. Der Verkäufer wollte sich damit nicht abfinden und berief sich darauf, dass es sich in diesem Fall um leicht verderbliche Ware handelt, berichtet die Kanzlei PWB Rechtsanwälte aus Jena. 

"Ob dem Kunden der Cognac dann doch zu alt oder gar verdorben war, entzieht sich meiner Kenntnis", erläutert Rechtsanwalt Sascha Giller von PWB Rechtsanwälte. "Sicher ist, dass er den Widerruf des Kaufvertrages gemäß dem Fernabsatzgesetz erklärte, ohne die gesetzliche Frist zu überschreiten und ohne von der Flasche gekostet zu haben."

Argumentation über Volumenprozent

Der Onlinehändler wollte den bereits gezahlten Kaufpreis allerdings nicht zurückerstatten. Seiner Meinung nach war das Widerrufsrecht in diesem Fall ausgeschlossen, da es sich um schnell verderbliche Ware handelt. Er argumentierte, dass der Cognac nach dem Öffnen Alkohol verliert. Cognac muss aber mindestens 40 Volumenprozent aufweisen, sonst wäre es "nur" noch Branntwein. Der 695 Euro teuere Cognac sei durch das Öffnen also verdorben.

Das Landgericht Potsdam konnte die schnelle Verderblichkeit des Cognacs nicht nachvollziehen (Az.: 13 S 33/10). Diese gebe es nur bei relativ frischen Lebensmitteln und schnell verderblichen Waren. Der Cognac sei jedoch schon im Jahr 1919 abgefüllt worden, habe 60 Jahre in einem Fass und 35 Jahre in einer Flasche verbracht. DerOnlinekunde habe im Übrigen "eine Beschädigung der Ware bei Rücksendung stets bestritten", schreibt das Gericht.

Mit der Entfernung des Korkens mag der Käufer vielleicht sein Recht auf Prüfung der Ware überschritten haben, kommentiert Rechtsanwalt Giller. Dieser Fauxpas des Käufers habe dem Landgericht Potsdam jedoch nicht für eine Änderung der Entscheidung gereicht.