Der neue A 4 Avant legt einen glänzenden Start hin und ist in Flotten besonders gefragt.

Der von Volkswagen ausgelöste Dieselskandal ist für die Automobilindustrie längst zum Flächenbrand geworden. Aktuell steht Opel im Fadenkreuz. Doch auch zahlreiche andere Hersteller fielen bei der Prüfung des Kraftfahrt-Bundesamtes negativ auf.

Es scheint mittlerweile erwiesen, dass die Autobauer fast flächendeckend selbst bei gängigen mitteleuropäischen Temperaturen die Abgasreinigung abschalten. Auch im fernen Japan wird offensichtlich mit allerlei Tricks gearbeitet, wie aktuelle Beichten von Mitsubishi und Suzuki belegen. Keine Frage, die Branche steckt in einer tiefen Vertrauenskrise.

Absatzmärkte von Abgasmanipulationen unbeeindruckt

Nur am Markt wird dies nicht spürbar. Deutschland, Europa, weltweit – wohin man auch schaut, steigende die Absatzzahlen. Hierzulande legten die Produzenten in den ersten vier Monaten des Jahres um 5,6 Prozent zu. Im April fiel das Plus mit 8,4 Prozent sogar besonders üppig aus.

Und als hätte man in Ingolstadt mit dem Dieseldebakel der Konzernmutter VW so gar nichts zu tun, fährt Audi mit noch höherem Tempo als die Konkurrenz in der Erfolgsspur. Mit 105.023 Zulassungen (plus 13,5 Prozent) lassen die Bayern auf dem Heimatmarkt nicht nur BMW (86.355) längst hinter sich, sondern verdrängen in der Verkaufsstatistik auch noch Mercedes-Benz (100.029) vom angestammten zweiten Platz.

A 4 in der relevanten Flotte auf Platz drei

Ein maßgeblicher Faktor ist dabei, dass die im November eingeführte, aktuelle  Generation des A 4 jetzt die Fuhrparks erobert. Nach den Zahlen der Marktbeobachter von Dataforce belegt das Mittelklassemodell im Ranking der relevanten Flotte (ohne Hersteller- und Händlereigenzulassungen und Vermietgeschäft) nach dem ersten Quartal mit 6.568 Anmeldungen (plus 17,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum) hinter VW Passat und Golf Platz drei.

Im Blickpunkt der Flottenmanager steht natürlich der gegenüber der Limousine um 1.850 Euro teurere Avant. In Deutschland entfallen 90 Prozent der gewerblichen Zulassungen auf die Kombiversion, die 505 bis 1.510 Liter Laderaumvolumen, eine serienmäßig elektrische Gepäckraumabdeckung, eine dreigeteilte Rücksitzlehne und gegen Aufpreis eine elektrisch zu betätigende Heckklappe mit Öffnung per Fußschwenk bietet. Der Stauraum zwischen den Radkästen misst exakt einen Meter und die Anhängelast beträgt bis zu 2.100 Kilogramm. Im Laufe der Produktzyklen ist der Avant somit also zum veritablen Alltagsfrachter aufgestiegen – ohne seine elegante Attitüde zu verlieren.

Stattliches Dienstwagenbudget erforderlich

Das Innenraumdesign wird in der Businessklasse allenfalls noch von der Mercedes-Benz C-Klasse übertroffen. Welches Modell hier die Nase vorn hat, liegt im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall mangelt es dem Audi-Piloten an nichts – wenn er über ein ausreichendes Dienstwagenbudget verfügt und die Zusatzausstattungsposten fleißig markiert. Der zum Probelauf angerollte A4 mit 2,0 Liter-Dieselantrieb, Sechsgang-Handschaltung und empfehlenswerten 110 kW/150 PS hatte „Extras“ im Wert von knapp 20.000 Euro an Bord. So wurde aus dem ohnehin üppig bemessenen Grundpreis von 39.250 für die Ausstattungsstufe „Sport“ ein Gesamtpreis von 57.940 Euro…

Wenigstens kann sich der Fuhrparkmanager über moderate Kraftstoffkosten freuen. Bei gemäßigter Fahrweise vermeldet der Bordcomputer für 100 Kilometer sogar Werte im Vier-Liter-Bereich. Im hektischen Arbeitsalltag sollte man aber wenigstens einen Liter mehr einkalkulieren.

110 kW/150 PS sind ausreichend,
200 kW/272 PS möglich

Angesichts der Verlockungen der Optionsliste bietet der 110 kW/150 PS-Antrieb eine gute Möglichkeit zur Zurückhaltung, denn der Diesel der zweiten Leistungsstufe (das Basismodell verfügt über 90 kW/122 PS) bringt den 4,73 Meter langen Wagen stets flott und darüber hinaus angenehm leise in Fahrt. Mehr ist nicht nötig, bei Audi aber natürlich möglich – bis hin zum prestigeträchtigen Sechszylinder mit 200 kW/272 PS.

Der Flottenerfolg ist kein Zufall. Der A 4 Avant ist optimal auf die Bedürfnisse von beruflichen Vielfahrern abgestimmt. So bleibt allein die selbstbewusste Preisgestaltung zu beklagen – und ein wenig mehr Mut zur Veränderung hätte man sich von den Designern auch gewünscht. Gegenüber dem Vorgängermodell wird der technische Fortschritt mit zahlreichen Assistenzsystemen kaum sichtbar.

Bernd Nusser