Es gibt kleine und große Player, denen man immer ein bisschen mehr die Daumen drückt. Hier stellen wir fünf große und kleine Namen vor, von denen wir uns im kommenden Jahr ganz besonders tofte Schlagzeilen erhoffen und sagen, wer außerdem auf diese Händler setzt.

 

Amaze

Fashion mobil shoppen per Swipe nach dem Tinder-Prinzip. Das ist nur ein überzeugender Aspekt der Shopping-App Amaze. Die zeigt der weiblichen Zielgruppe Outfit-Kombinationen, lernt dabei per Swipe, was der Nutzerin gefällt und schafft so ein ganz individuelles Angebot. Eine weitere Säule sind 300 Modeblogger, die auch eigene Outfits in das System hochladen können. Shopping-Option inklusive.

Was erst recht für Aufmerksamkeit sorgt: Amaze ist mit Zalando als Exklusiv-Partner gestartet. Das kann man als eine Art Ritterschlag für das junge Startup aus Kreativen und Entwicklern aus Berlin und München und die Amaze-Gründer Ann-Kathrin Grebner und Michael Ardelt sehen. Die Macher haben gerade eine erste Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Von etwas mehr als einer halben Million Euro ist die Rede. Neben den Altgesellschaftern beteiligten sich unter anderem der Business Angel und kaufDa Gründer Tim Marbach sowie Jeannette zu Fürstenberg am Unternehmen. Bereits seit Gründung im letzten Jahr sind United Domains Gründer Florian Huber sowie weitere Angel Investoren dabei.

Rebelle

2014 übernahm der Second-Hand-Shop Rebelle den Konkurrenten Glamloop. Rebelle-Gründerin Cécile Gaulke hat seitdem etliche weitere Investoren von dem Hamburger Fashion-Startup überzeugt. Zuletzt gab es im März 2015 in einer Serie-B-Finanzierungsrunde mehrere Millionen Euro, darunter der High-Tech Gründerfonds und Hanse Ventures. Rebelle ist in 28 europäischen Ländern aktiv und bietet mehr als 20.000 Artikel von über 600 Designermarken auf der Plattform.

Mit entscheidend für den Erfolg: Rebelle kümmert sich um professionelle Texte und Bilder, sorgt für den Versand. Experten beurteilen die Qualität der Ware. Das schafft Vertrauen beim Kunden und sorgt für eine extrem hohe Wiederkaufsrate. Rebelle hat gute Chancen, in Europa zur ersten Adresse für Vintage-Online-Mode zu werden.

Lesara

Erst im September hat Lesara-Gründer Roman Kirsch 15 Millionen Euro von einem internationalen Investorenkonsortium, angeführt von der Beteiligungsgesellschaft Northzone, eingesammelt. Der Casacanda-Gründer und spätere Fab-Europa-Chef will mit seinem Online-Discounter nicht nur Kik zeigen, wie Online funktioniert. Es gibt auch Schmuck, Haushaltswaren und Möbel aus dem No-Brand-Bereich. Hinzu kommen Eigenmarken. Der Gemischtwaren-Laden ist seit dem Start 2013 mittlerweile in sechs europäischen Ländern aktiv und hat über 20 Millionen Euro eingesammelt. Lesara profitiert unter anderem davon, per Datenanalyse frühzeitig neue Trends aufzuspüren und ist durch die Niederlassungen in Asien in der Lage, diese in nur wenigen Tagen an seine Kunden auszuliefern. 

Rewe online

Fast schon zum Erfolg verdammt ist Jean-Jacques van Oosten, Chief Digital Officer Rewe Group. Mit gewaltigem Aufwand pusht er die Expansion von Rewe im Web, den möglichen Marktstart von Amazon fresh im Hinterkopf. Folge: Rewe liefert inzwischen Lebensmittel in 70 Städten aus. Mit einem Zeithorizont von sieben Jahren kalkuliert der Digital-Chef allerdings auf dem Weg zum digitalen Einzelhändler. Trotzdem legt der Rewe-Manager seit dem Tag 1 bei der Kölner Handelskette ziemlich Speed in die Weiterentwicklung. Kein Monat vergeht mittlerweile ohne neue oder verbesserte Feature. Womöglich spürt man da inzwischen auch schon Effekte der Übernahme von Commercetools im Herbst 2014, dass mit seiner "commercetools Plattform"-Technologie Rewe spannende Optionen eröffnet. Nicht nur für das Kerngeschäft.

Wie gut Rewe vorbereitet ist und welche Asse der Ex-Tesco-Mann noch im Ärmel hat, wird sich zeigen, wenn Amazon auch hierzulande den Salat in die Tüte packt.

Navabi

Große Größen? Da geht noch was in Sachen Styling und Sortiment. Der Markt hat modisch noch ordentlich Nachholbedarf. Und reichlich Potenzial. Denn fast jede dritte Frau ist auf eine Übergröße angewiesen. Da geht also noch einiges für den  Aachener Versandhändler Navabi. Das finden auch Investoren und versorgten die Gründer und Geschäftsführer Bahman Nedaei und Zahir Dehnadi zum Jahresanfang mit 25 Millionen Euro. Darunter so namhafte Geldgeber wie Index Ventures, Seventure Partners und DuMont Venture. Mit dabei auch der Venture Capital Fond des Medienhauses Bauer. Dabei werkelt Navabi eher im Stillen. Große Schlagzeilen sind seit der Gründung des Shops für Designerkleidung im Jahr 2009 eher selten. Gründe wären genug da: Eine durchschnittliche Wachstumsrate von 120 Prozent konnte der Marktführer für Premium Plus-Size-Mode seit dem Launch im Jahr 2009 jährlich verbuchen. Mit Miriam Lahage hat Navabi sich zudem eine renommierte E-Commerce-Expertin (Net-A-Porter, eBay, Peek & Cloppenburg) an Bord geholt.

Und - Hoffnung für Offliner - Navabi startete als Mode-Boutique in Aachen. Heute schielt man nach den USA, Asien und in die Vereinigten Arabischen Emirate.