Im März mussten die Einzelhändler einen überraschend deutlichen Rückgang ihrer Erlöse hinnehmen. Es gab das erste Minus seit zwölf Monaten. Doch der Handelsverband HDE sieht die Branche weiterhin optimistisch.

Der Aufwärtstrend im deutschen Einzelhandel ist vorerst gestoppt: Die Branchenumsätze sanken gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt (real) um 3,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Nominal gingen die Umsätze ebenfalls deutlich um 2 Prozent zurück. Das war das erste Minus im Jahresvergleich seit April 2010.

Im Monatsvergleich ebenfalls im Minus

Auch gegenüber dem Vormonat Februar schrumpften die Umsätze der Einzelhändler. Die Statistiker errechneten preisbereinigt ein Minus von 2,1 Prozent. Volkswirte hatten mit einem kleinen Zuwachs um 0,2 Prozent gerechnet. Nominal sanken die Umsätze auf Monatssicht um 1,8 Prozent.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) nahm die Zahlen gelassen zur Kenntnis:
"Die Händler sind weiterhin überwiegend positiv eingestellt", sagte HDE-Sprecherin Ulrike Hörchens. Commerzbank-Analystin Ulrike Rondorf erklärte, ein saisonbereinigter Rückgang im März sei nicht ungewöhnlich, wenn Ostern im April liegt.

Insgesamt lägen die Umsätze im Einzelhandel im ersten Quartal dieses Jahres immer noch 0,2 Prozent über dem Durchschnitt des Schlussquartals 2010. Der Handel werde im ersten Vierteljahr erneut einen Beitrag zum deutschen Wachstum leisten.

Der HDE sieht die Branche weiter im Aufwind. Der Verband erwartet unverändert ein Umsatzplus von 1,5 Prozent für den deutschen Einzelhandel im Gesamtjahr 2011. Preisbereinigt wird mit einem Branchenumsatz auf Vorjahresniveau gerechnet.

Prognose erweist sich als richtig

Die ungebremste Erholung am Arbeitsmarkt dürfte den deutschen Einzelhandel zunächst weiter stützen. Andreas Koch von der UniCredit erwartet, dass der private Konsum im laufenden Jahr um 2 Prozent zulegen wird.

Allerdings seien die Risiken zuletzt deutlich gestiegen: "Vor allem der steile Aufwärtstrend bei den Rohstoffpreisen, der von den Unruhen in der arabischen Welt noch verstärkt wird, erhöht den Inflationsdruck", sagt Hörchens. Dieser Trend belaste zunehmend die Kaufkraft der Verbraucher.

Der Umsatzrückgang bestätigt die vorsichtige Jahresprognose von Stefan Genth. Der HDE-Hauptgeschäftsführer hatte für 2011 einen Anstieg der Erlöse um lediglich 1,5 Prozent vorhergesagt. Nominal, wohlgemerkt. Real könne es gar ein leichtes Minus geben.

Vor allem die zu erwartenden Preiserhöhungen könnten laut Genth die Konsumstimmung der Verbraucher negativ beeinflussen.