Vor dem Weihnachtsfest verblüffen die Deutschen. Real haben sie weniger im Geldbeutel, doch ihre Kauflust ist deutlich größer als im Vorjahr. Das zwingt zu einem veränderten Konsumverhalten.

Die deutschen Konsumenten wollen zum diesjährigen Weihnachtsfest mehr für Geschenke ausgeben als im Vorjahr - obwohl sie ihre Kaufkraft geringer einschätzen als 2012. Also setzen die Verbraucher vor allem auf Sonderangebote. Dies ergab eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte, für die insgesamt über 17.000 Menschen in 18 Ländern befragt wurden.

"Im europäischen Vergleich geht es den Deutschen nicht schlecht. So schätzt die Mehrheit der Befragten die aktuelle Wirtschaftslage zum ersten Mal seit fünf Jahren positiv ein - damit steht Deutschland in Europa fast alleine da", sagt Karsten Hollasch, Leiter der Abteilung Consumer Business bei Deloitte.

Dennoch habe  fast ein Drittel der Befragten aufgrund geringerer Einkommen weniger Geld für das Fest zur Verfügung. Die Zahl derer, die an eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage glauben, sei gegenüber 2012 nur geringfügig gesunken - liege aber deutlich unter dem Schnitt in Europa.

Bargeld steht auf dem Wunschzettel oben

Trotzdem steigen die Pro-Kopf-Ausgaben zum Weihnachtsfest. Europaweit zwar nur um 0,7 Prozent auf durchschnittlich 450 Euro. Die Deutschen wollen hingegen wollen tiefer in die Taschen greifen: Laut Deloitte-Studie plant jeder etwa 399 Euro für Geschenke ein - das sind 6,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Angesichts der finanziell schlechteren Lage wollen die Deutschen mehr als im Vorjahr auf Sonderangebote setzen. Zumindest gilt das für 12 Prozent der von Deloitte befragten Männer und 20 Prozent der befragten Frauen. Kredite oder Finanzierung von Geschenken spielen hingegen kaum eine Rolle.

Laut Studie wünschen sich die meisten deutschen Verbraucher - wie auch in 15 anderen europäischen Ländern auch - Bargeld (44 Prozent). Es folgen Bücher (41 Prozent) und Kosmetika (26 Prozent). 22 Prozent der Konsumenten sehnen sich nach einem Smartphone, vor allem die 18- bis 24-Jährigen. Selber verschenken wollen die Befragten vor allem Bücher und Kosmetika, bei Jugendlichen stehen ebenfalls Bücher an der Spitze - Videospiele folgen erst an dritter Stelle. Für Kinder sollen es vor allem pädagogisch wertvolle Präsente sein.

Seit November in Weihnachtsstimmung

Auf pädagogisch wertvolle Präsente setzt man auch bei "Wirth - Der Kinderladen" in Mainz. "Der konservative Kunde kauft jetzt ein. Und zwar die gleichen Artikel wie im Jahr zuvor: Puppenhäuser oder Schaukelpferde. Das richtige Weihnachtsgeschäft geht dann erst in zwei bis drei Wochen los", sagt Geschäftsführer Friedrich Demmler zu derhandel.de. Dann würden vor allem beworbene Trendartikel gekauft.

Laut Deloitte beginnt das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr früher als 2012. Die Verbraucher erledigen erste Einkäufe bereits im November. Das kann auch Frank Schipper bestätigten. "Am vergangenen Wochenende hatten wir einen verkaufsoffenen Sonntag. Und der lief sehr gut", sagt der Eletronikhändler aus Lüdinghausen. "Die Leute waren in Kauflaune, das ist für uns eine neue Tendenz."

Käufe werden immer mehr online vorbereitet

Großes Interesse zeigten die Kunden vor allem Smartphones und Tablet-PCs. "Das werden in diesem Jahr die Renner", prognostiziert der Euronics-Händler. Der Tabletcomputer sei dabei ein klassischer Geschenkartikel, der vor allem im letzten Quartal gekauft werde. Auch für den Münsterländer Händler ist das Weihnachtsgeschäft eminent wichtig. "Wir machen hier rund 30 Prozent unseres Jahresumsatzes", so Schipper.

In der Runners Point-Filiale in Darmstadt wurde die Weihnachtssaison noch nicht gestartet. Aber welche Schuhe sich am besten verkaufen werden, davon hat Filialleiter Christian Lelke bereits eine Ahnung: "Die Winbterboots von Timberland und die Nike Frees sind die Hauptumsatzbringer für uns im Winter."

Auch wenn immer mehr Kunden ihre Weihnachtseinkäufe im Internet erledigen wollen, bleibt der stationäre Handel der Favorit beim Einkauf, heißt es in der Deloitte-Studie. Die Kaufvorbereitung findet allerdings verstärkt online statt. Für die Suche werden verstärkt auch die sozialen Netzwerke herangezogen (77 Prozent) - in Deutschland wie europaweit. Lebensmittel planen die Verbraucher verstärkt beim Discounter einzukaufen.