Der Einzelhandel rechnet für 2011 mit steigenden Umsätzen, die Händler wollen mehr investieren und die Beschäftigtenzahl stabil halten. Der HDE sieht aber auch Risiken für die Branche.

So viel Optimismus regierte lange nicht mehr im deutschen Einzelhandel. "Die Händler sind außerordentlich guter Stimmung. Ihre Einschätzungen zur Geschäftslage sind so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr", sagte Stefan Genth in Düsseldorf.

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) stellte heute die Ergebnisse der traditionellen Konjunkturumfrage des Verbandes vor. So erwarten 45 Prozent der befragten 3.000 Handelsbetriebe im ersten Halbjahr 2011 eine Steigerung ihrer Umsätze. Im vergangenen Jahr waren das noch 27 Prozent, im Finanzkrisenjahr 2009 gar nur 19 Prozent.

Ähnlich sind die Ergebnisse des neuen HDE-Handelskonjunkturindex, aufgestellt vom Institut für Handelsforschung, bei dem rund 57 Prozent der befragten Unternehmen für das Gesamtjahr 2011 eine "leichte Verbesserung“ ihrer Geschäftsentwicklung rechnen. "Die Stimmung ist besser als im Vorjahr", fasste Genth die Ergebnisse der Befragungen zusammen. "Wir sind optimistisch für die Zukunft."

Frohe Weihnachten

In der Gegenwart wird der Optimismus durch die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigt, wonach die Handelsbranche im Februar nominal 2,5 Prozent und real 1,1 Prozent mehr umsetzte als im Vorjahresmonat.

Die Händler sind mit guten Vorgaben ins neue Jahr gestartet. Die HDE-Umfrage hat ergeben, dass im zweiten Halbjahr 2010 rund 39 Prozent der Unternehmen gestiegene Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnen konnten, 30 Prozent gaben immerhin noch konstante Gewinne an. Im zweiten Halbjahr 2009 lagen diese Werte noch bei 37 beziehungsweise 28 Prozent.

Das vergangene Weihnachtsgeschäft brachte trotz unterschiedlichem Verlauf (starker Start im November, verhaltenes Ende bei Schnee und Eis im Dezember) eine fulminante Steigerung zum Jahr davor: Insgesamt wurden 2010 rund 3 Prozent, sprich 76,8 Milliarden Euro mehr umgesetzt als 2009.

Investitionen in die Mitarbeiter

Und wer als Unternehmer eine verbesserte wirtschaftliche Lage hat, der wird auch mutiger: "Die Investitionsbereitschaft ist so hoch wie vor der Finanzkrise", betonte Genth.

So wollen 26 Prozent der befragten Unternehmen in diesem Jahr mehr investieren. Im Vorjahr waren es noch 21 Prozent, im Krisenjahr 2009 gar nur 19 Prozent.

Hauptaugenmerk werden die Betriebe dabei auf Mitarbeiterqualifizierung legen, hat der HDE festgestellt. Schließlich betrifft der Fachkräftemangel längst nicht nur Ingenieur-Berufe, sondern auch den kaufmännischen Bereich, wie Genth betont. Angesichts dieser schwierigen Arbeitsmarktlage wundert es nicht, dass die Handelsbranche laut HDE-Chef ihre Mitarbeiterzahlen konstant halten will.

Trotz überraschend guten Starts ins neue Jahr hält Genth aber an der moderaten Wachstumsprognose fest. Schon im Januar hatte er der Branche für 2011 ein bescheidenes nominales Umsatzplus von 1,5 Prozent vorhergesagt - real könne es gar ein leichtes Minus geben, fügte er heute an.

Risiken für die Kauflaune

Genths Vorsicht hat gute Gründe. Die Kauflaune der Verbraucher könnte durch viele Faktoren getrübt werden. In steigenden Ölpreisen (auch ausgelöst durch die Libyen-Krise) sieht Genth die größten Risiken.

Die atomare Katastrophe in Japan sei für den deutschen Einzelhandel indes kein Problem, betonte der HDE-Chef. Nur 0,1 Prozent betrage der Anteil von japanischen Lebensmitteln am gesamten deutschen Lebensmittelmarkt. Von den 2010 insgesamt 900.000 Tonnen nach Deutschland importierten Fischen waren laut Genth gerade einmal 60 Tonnen aus Japan.

Auch der Elektronikhandel sei noch nicht von der Katastrophe in Japan betroffen, die Unternehmen hätten genüg Ware vorrätig, so dass es derzeit keine Lieferengpässe gäbe. Sollte die Lage in Japan allerdings dauerhaft angespannt bleiben oder sich gar noch verschlechtern, "dann müssen wir sehen, welche alternativen Beschaffungswege es gibt", sagte Genth.

Schon vor einigen Tagen hatten einige japanische Betriebe aus der Elektronik- und Fotobranche ihre Produktion vorübergehend ausgesetzt.

Risiken durch Preiserhöhungen

Viel eher als mit Folgen der Japan-Krise rechnet Genth damit, dass die zu erwartenden Preiserhöhungen sich negativ auf die Kauflaune der Deutschen auswirken. Der HDE geht davon aus, dass die Verbraucherpreise in diesem Jahr um 2 Prozent steigen werden (Vorjahr plus 1,1 Prozent). Auch die Einzelhandelspreise würden etwa auf diesem Niveau angehoben werden (Vorjahr plus 1,3 Prozent).

Non-Food-Artikel dürften um dabei um 1 Prozent teurer werden, "bei Lebensmitteln gehen wir allerdings von deutlichen Preissteigerungen aus", warnte Genth. Im Vorjahr verteuerten sich Nahrungsmittel um 1,4 Prozent.

Der große Gewinner im Einzelhandel wird aller Voraussicht nach auch 2011 wieder der Bereich E-Commerce sein. Der HDE erwartet hier einen Umsatzanstieg um etwa 10 Prozent auf 26,1 Milliarden Euro.

Angesichts dieser Wachstumsraten sieht Genth trotzdem keine Gefahr, dass der Internethandel das stationäre Geschäft bedroht. Nur 15 Prozent der Händler würden neben ihrem Laden auch einen Webshop betreiben. Und der Anteil des Onlinehandels am gesamten Umsatz in der Handelsbranche beträgt laut HDE nur 5 Prozent.

Steffen Gerth, Düsseldorf