Nach den Jubeltagen der Abwrackprämie herrscht im Autohandel Katzenjammer. Laut einer Studie leidet die Branche immer mehr unter dem Druck der Hersteller, besonders bei Mazda.

Der Autohandel steht vor schwierigen Zeiten. Die Unternehmer sehen die Zusammenarbeit mit ihren Herstellern immer skeptischer, wie die Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) in ihrer 16. Marktuntersuchung festgestellt hat.  

Das Forscherteam um Professor Wolfgang Meinig vermutete zunächst, dass die hohen Absatzzahlen des Abwrackbooms in 2009 positiv auf die Händlerzufriedenheit ausgewirkt hätten. Dies ist jedoch nicht der Fall: "Die Händler sind realistisch. Sie fürchten um ihre Existenz, die nach dem Abflauen der Sonderkonjunktur gefährdet sein kann", sagt Meinig. Sein Kollege Professor Ferdinand Dudenhöffer hatte bereits beklagt, dass die Preisstrukturen auf dem Automarkt durch die Abwrackprämie nachhaltig zerstört sei.

"Massiv unter Druck

Das FAW sagt vorher, dass die Hersteller versuchen werden, Marktanteile künftig noch mehr auf Kosten der Händler zu steigern. Denn trotz Nachfragerückgang bei den Endverbrauchern gebe es auch künftig hohe Überkapazitäten in der Produktion.

"Die Händler können die Neufahrzeuge, wenn überhaupt, nur über hohe Nachlässe verkaufen. Das setzt die Händler nicht nur finanziell, sondern auch psychisch massiv unter Druck. Eine solche Situation provoziert geradezu einen negativen Strukturwandel im Handel", betont Meinig.

Subaru-Händler am meisten zufrieden

Die laut FAW-Studie zufriedensten Autohändler in Deutschland verkaufen Subaru. Dabei beträgt der Marktanteil des japanischen Autobauers gerade einmal 0,24 Prozent. Besonders beliebt sind bei den Händlern die Außendienstmitarbeiter von Subaru sowie die Erreichbarkeit der Bestellabwicklung beim Importeur.

Gerade bei diesen beiden Punkten herrscht bei den Mazda der größte Nachholbedarf. Die Händler dieser Marke sind unter 19 untersuchten Marken die unzufriedensten in Deutschland. Miserabel schneidet Mazda zum Beispiel bei der Kommunikationsatmosphäre in Konflikten ab.

Trotz Krise: Opel macht guten Job

Für Meinig ist es erstaunlich, dass die Händler von Opel trotz der existenzbedrohenden Lage des Herstellers wie schon im Vorjahr relativ zufrieden sind. Der Rüsselsheimer Autobauer schafft es in der FAW-Tabelle auf Platz fünf - noch vor Mercedes-Benz.

"Ich glaube, dass neben den 2009 eingetretenen Marktanteilszuwächsen auch ein psychologischer Effekt des Wir-Gefühls zum Tragen kommt", analysiert der Bamberger Professor. "Es ist außerordentlich erfreulich, dass es dem Hersteller trotz der Krise gelingt, für ein menschliches Miteinander im Händlernetz zu sorgen." 

Für Opel spreche vor allem eine gute alltägliche Kommunikationsatmosphäre, die sich im Vergleich zur Studie von 2008 leicht verbessert hat und noch vor Volkswagen liegt. Allerdings ist bei den Opelhändlern im Vergleich zum Vorjahr die Zufriedenheit über die Qualität der Neuwagen gesunken. Audi, Skoda, Subaru und Volkswagen schneiden in diesem Punkt deutlich besser ab.

Renault stürzt ab

Einen regelrechten Zufriedenheitsabsturz gab es bei den Renault-Händlern, die nur noch auf Platz 15 der FAW-Skala liegen. Auf welchem Platz die Franzosen in der Studie aus dem Vorjahr liegen, teilt das FAW aber nicht mit.

Auf dem vorletzten Platz rangiert Saab. Meinig begründet dieses schlechte Votum der Händler mit der Unsicherheit über die Zukunft der Marke. Der schwedische Autobauer wurde kürzlich von General Motors an den niederländischen Sportwagenhersteller Spyker verkauft.

525 Fragebögen

Die Zufriedenheitsuntersuchung bei Autohändlern führt das FAW seit 1995 durch. Für die Studie des Jahres 2010 werteten die Bamberger Forscher 525 Fragebögen von Händlern aus, das entspricht einer Rücklaufquote von 40 Prozent (Vorjahr 41,5 Prozent).

Befragt wurden Händlernetze von 19 Fabrikaten, die einen Marktanteil von rund 80 Prozent repräsentieren. Pro Fabrikat wurden 70 per Zufall ausgesuchte Handelsbetriebe befragt. Nur bei Smart wurden lediglich 60 Händler befragt. Gefragt wurde unter anderem nach Verhältnis Hersteller/Importeur zum Händler, Neuwagen und Neuwagenabsatz, Kommunikation und Gewährleistung und Kulanz.