Toyotas frisch geliftetes Mittelklasse-Angebot zeigt im Praxis-Check Licht und Schatten.

Zunächst schien der im September ruchbar gewordene Abgasskandal dem europäischen Marktführer Volkswagen nichts anhaben zu können. Doch nach einer aktuellen Erhebung des Nürnberger Marktforschungsinstitutes Puls flacht das Interesse der Neuwagenkäufer an den Wolfsburger Modellen derzeit spürbar ab. Eine günstige Gelegenheit also für die Wettbewerber, Boden gutzumachen?

Toyota hat jedenfalls, rechtzeitig vor der Krise des Konkurrenten, im vergangenen Sommer neben dem Auris auch den Avensis aufgefrischt, um sich in der von gewerblichen Flotten geprägten Mittelklasse ein größeres Stück vom Umsatzkuchen abschneiden zu können.

Ordentliches Plus im November

Erste Erfolge sind dabei sichtbar: Der Japaner liegt, nach den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes, mit 28 Prozent im Plus. Im November brachten die deutschen Toyota-Händler immerhin 645 Fahrzeuge auf die Straße – satte 134,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Überhaupt bescherte ausgerechnet der gemeinhin trübe November Lichtblicke für den Deutschland-Importeur mit Sitz in Köln: Die Zulassungen aller Modelle stiegen um 23,5 Prozent auf 7.041 Einheiten – und gestalten das Gesamtjahresergebnis mit minus 6,6 Prozent nun etwas erträglicher.

Unternehmer und Fuhrparkverantwortliche stellen jetzt natürlich die Frage: Taugt der nun zum zweiten Mal geliftete Avensis als Passat-Alternative? „Bedingt“, lautet das Fazit nach dem Alltagstest von Der Handel. Unbestreitbaren Stärken wie dem guten Raumgefühl, dem elastischen und laufruhigen neuen 2,0-Liter-Dieselmotor oder der ebenen, gut nutzbaren Ladefläche stehen auch einige Detailschwächen entgegen.

So wirkt das eigentlich lobenswerte Verstausystem im Gepäckraum mit Fächern aus schwarzem Hartplastik allzu billig, die Innenraumheizung kommt nur schwerfällig in Gang und die Hinterachse quittiert Bodenunebenheiten mit vernehmbaren Trommelgeräuschen.

Ablenkung vom Verkehrsgeschehen

Schade ist auch, dass im hinreichend großen Navigationsdisplay ständig eine neue Bestätigung für irgendetwas abgefordert wird. So verdunkelt sich das Display bei jeder Verkehrsdurchsage mit dem Hinweis „Verkehrsdurchsagen“. Um zur Kartenansicht zurückzukehren, muss der Fahrer entweder auf „Abbrechen“ oder auf „Weiter“ drücken. Der Sinn erschließt sich nicht – und man wird jedes Mal vom Verkehrsgeschehen abgelenkt.

„Gut gedacht, schlecht gemacht“, gilt auch für das kamerabasierte Abstandswarnsystem, das im Testwagen allzu häufig mit dem Hinweis auf eine verschmutzte Frontscheibe den Dienst quittiert – allein die Scheibe war bei trockenem, klaren Wetter blitzblank!

Neu gestaltetes Cockpit

Dagegen lässt sich der 4,82-Meter-Wagen markentypisch mühelos handhaben. Vor allem das neu entwickelte Sechsgang-Getriebe ist ausgewiesen angenehm schaltbar. Die Anzahl der Knöpfe und Tasten bleibt auch im neu gestalteten Cockpit überschaubar. Positiv ausgedrückt, könnte man sagen, Toyota hält am bewährten Bedienungskonzept der vergangenen Jahre fest. Mit kritischerem Blick fällt die Bewertung des Armaturenbretts mit den Attributen „bieder“ und betulich“ aus.

Der empfehlenswerte 105 kW/143 PS-Diesel, der stärke der beiden angebotenen Selbstzünder, ist erst ab der zweiten Ausstattungsstufe „Comfort“ zu haben. Zum Preis von 31.090 Euro sollten Dienstwagenberechtigte auf jeden Fall noch das „Comfort Plus“-Paket für 1.290 Euro kalkulieren. Dann sind Sicherheitsfeatures wie Abstandsüberwachung und Verkehrszeichenerkennung ebenso mit an Bord wie Navigation und Sitzheizung.

Vielfahrer werden gleich zur „Business Edition“ für 32.900 Euro greifen. Dann sind unter anderem auch Voll-LED-Scheinwerfer verbaut.

Bernd Nusser