Mal unter-, mal überfordert. Azubis im Einzelhandel fühlen sich eher unwohl. Im aktuellen DGB-Ausbildungsreport schneidet die Branche abermals schlecht ab.

Eigentlich ist das eine gute Nachricht, die der Einzelhandelsverbands Deutschland (HDE) am Mittwoch verschickte. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat die Branche im August mehr als 28.000 Stellen für Kaufleute im Einzelhandel und gut 20.000 Plätze für Verkäufer gemeldet. Das sind 7,4 Prozent beziehungsweise 3,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Laut HDE berichten Unternehmen allerdings von großen Problemen ihre offenen Ausbildungsstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. So stieg nach Angaben der BA die Zahl noch nicht vergebener Ausbildungsstellen in den Einzelhandelsberufen von August 2013 bis August 2014 um insgesamt 25,5 Prozent auf 17.722.

Schlechte Bewerber oder unattraktive Arbeitgeber?

Doch warum? In einer HDE-Umfrage beklagte 48 Prozent der Händler unzureichende schulische Voraussetzungen der Bewerber als das zentrale Hemmnis. Außerdem stellen fast 40 Prozent der Händler fest, dass Jugendliche, Eltern, Berater und Multiplikatoren falsche Vorstellungen vom Einzelhandelsberuf haben.

Vielleicht werden die jungen Leute aber auch von ihren Arbeitgebern enttäuscht? Denn im aktuellen Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) schneidet der Einzelhandel wie schon in den Vorjahren nicht gut ab. In der traditionellen Befragung von rund 18.300 Azubis aus 25 Branchen gehören die Lehrlinge aus dem Handel zu denen, die die Qualität des Ausbildungsangebots beklagen.

Nie in der besten Kategorie

Drei Gesamtbewertungskategorien für die Zufriedenheit in der Ausbildung gibt es im Report. Die Einzelhandelskaufleute schaffen es dabei immerhin noch in die mittlere, rangieren aber dort im unteren Bereich. Die Verkäufer im Lebensmittelhandel fallen in die Kategorie drei, und dort finden sich die Berufe mit den schlechtesten Bewertungen. Wie Koch, Maler oder Hotelfachmann. Ein ähnliches Bild bietet sich auch bei den Unterkategorien, wie etwa "Fachliche Qualität der Ausbildung im Betrieb". In der Gesamtkategorie eins, also der besten, finden sich Berufe wie Mechatroniker und Bankkaufmann.

Der DGB beklagt, dass nach wie vor nicht alle Azubis im Einzelhandel ihre Berufsschulzeiten auf die Wochenarbeitszeit anrechnen können. Zudem haben die Gewerkschafter bei Verkäufern eine hohe Überforderung ausgemacht. Einzelhandelskaufleute hingegen fühlen sich oft unterfordert.

Vom Hotelier lernen

Für den DGB-Jugendsekretär Florian Haggenmiller ist es unbegreiflich, "dass Branchen wie dem Handel Jahr für Jahr die Auszubildenden weglaufen und trotzdem nichts passiert". Auf Beschwerden von Auszubildenden müsse generell reagiert werden, sagte Haggenmiller.

Vielleicht können auch Handelsunternehmer, die noch händeringend nach Lehrlingen suchen, vom hessischen Hotelier Volker Thiele lernen. Denn der suchte ebenfalls lange vergeblich beruflichen Nachwuchs. Also hat er im jetzt einfach die monatliche Vergütung für seine Azubis von bisher 500 auf 1.000 Euro angehoben. Zudem bekommt jeder einen Smart als Dienstwagen. Über Mangel an guten Bewerbern muss sich Thiele seitdem nicht mehr beklagen.