Auch die deutsche Kreditwirtschaft kritisiert nun die Pläne der Bundesbank, Filialen zu schließen. Bundesbank-Mitarbeiter protestieren in Frankfurt gegen die Sparpläne.

Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin steht nicht nur wegen seiner despektierlichen Äußerungen zu Ausländern in der öffentlichen Kritik. Auch die Sparpläne des bis zum heutigen Dienstag für den Bargeldverkehr zuständigen Vorstandsmitglied stoßen auf breite Kritik.

Nachdem der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) die angekündigten Filialschließungen bereits am Mittwoch vergangener Woche kritisiert hatte, verdeutlicht nun auch die deutsche Kreditwirtschaft ihre ablehnende Haltung gegenüber den geplanten Einsparungen bei der Bundesbank.

Die im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) organisierten deutschen Banken und Sparkassen sehen die Streichpläne "mit Besorgnis". Sie verdeutlichten nach Auffassung des Bankengremiums, "dass sich die Bundesbank aus ihrer hoheitlichen Verantwortungen für die Versorgung der Wirtschaft mit Bargeld sukzessive zurückziehe", heißt es in einer am heutigen Dienstag verbreiteten Pressemitteilung des ZKA.

Negative Folgen für alle Marktteilnehmer

Die im ZKA zusammengeschlossenen Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft befürchten "negative Folgen für alle Marktteilnehmer". Eine schlechtere Bargeldversorgung und -entsorgung sei "zwangsläufig", warnen die Banken.

Die Deutsche Bundesbank hatte im September bestätigt, bis zum Jahr 2012 insgesamt 14 ihrer derzeit 47 Filialen schließen zu wollen. Die Bundesbankfilialen versorgen in so genannten "Cash-Centern" Banken und Einzelhändler mit Bargeld, nehmen Münzen und Scheine entgegen und überprüfen sie auf Echtheit und Schäden. Künftig will die Bundesbank diese Tätigkeiten vermehrt in die Hände von privaten Dienstleistern übergeben.

Der Einzelhandel kritisierte die Sparpläne scharf: "Schon heute werden zum Beispiel bei der Filiale in Berlin Geldtransporter bereits am Nachmittag häufig wegen Überlastung abgewiesen und an die Filiale nach Cottbus verwiesen, die nun gestrichen werden soll", kritisiert ein Handelsmanager. "Die Cash-Center der Bundesbank arbeiten schon heute am Rand ihrer Kapazitäten, Schließungen von Filialen sind völlig inakzeptabel."

"Unzumutbare Zustände"

Auch die Pläne, das Bargeld-Recycling in die Hände von privaten Dienstleistern zu übergeben, stoßen im Handel auf Ablehnung. Dies seien klassische "hoheitliche Aufgaben", die aus Sicherheitsgründen nicht durch Private erfüllt werden sollten.

Auch der ZKA spricht aufgrund der zahlriechen Schließungen der ehemals 118 Filialstandorte in den vergangenen Jahren von "unzumutbaren Zuständen in der Abwicklung". Eine weitere Ausdünnung des Filialnetzes werde diese Zustände weiter verschlimmern, so die Banken.

Proteste der Bundesbankmitarbeiter

Erstmals in der Geschichte der Bundesbank protestierten am heutigen Dienstag Mitarbeiter öffentlich gegen Sparpläne des Vorstandes. Mehr als 1.500 Teilnehmer sollen laut Gewerkschaft Verdi und der VdB Bundesbankgewerkschaft vor dem Hauptsitz in Frankfurt an den Protesten teilnehmen.

Thilo Sarrazin wurde die Zuständigkeit für den Bargeldverkehr heute entzogen. Er bleibt jedoch weiterhin für die Bereiche Informationstechnologie und Risiko-Controlling im Vorstand der Bundesbank tätig und bleibt damit für mehr als 1.000 Beschäftigte verantwortlich.
 
Hanno Bender mit Material von dpa