Die Informationspolitik der deutschen Kreditwirtschaft zum Kartendesaster gerät in die Kritik. Der ZKA prüft derweil die Möglichkeit, den defekten Chip neu zu programmieren.

"Karten auf den Tisch", fordert Harald Freiberger in einem Kommentar zum 2010-Kartendebakel in der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom heutigen Donnerstag. Die Forderung richtet sich gegen die Banken, denen Freiberger eine "desaströse Informationspolitik" bescheinigt. Kein Kunde wisse derzeit, ob seine Karte betroffen sei. "Sollen die Kunden nun ein paar Tausend Euro Bargeld mit ins Ausland nehmen?", fragt der Redakteur erbost.

Nur scheibchenweise kam das ganze Ausmaß der durch den 2010-Bug verursachten Zahlungsstörungen ans Licht. Die Salamitaktik in der Öffentlichkeitsarbeit erinnert an die Rückrufaktion von abertausenden Kreditkarten im November 2009. Auch damals rückte nur langsam ein Institut nach dem anderen mit der ganzen Wahrheit raus. Bis zum heutigen Tag ist die Ursache für das spanische Datenleck nicht bekannt.

Informationen nur scheibchenweise

Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA), der als Dachorganisation der deutschen Banken zugleich Herr über das nationale EC-Cash-System ist, übt sich im Kartendebakel 2010 in Beschwichtigungen. In einer teilte die Branchenvertretung zunächst nur mit, dass es zum Jahreswechsel "stellenweise" zu Akzeptanzproblemen gekommen sei, die aber zwischenzeitlich weitgehend behoben seien. Erst am des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) die ungefähre Anzahl der betroffenen Karten erkennen.

Auch die von den Störungen betroffenen Zahlungsdienstleister und Handelsunternehmen in Deutschland tappten bis zu diesem Zeitpunkt relativ im Dunklen, da der Hersteller der Chips auf den Karten nicht erkennbar ist. Die Federführung für die Öffentlichkeitsarbeit des ZKA wechselte - nebenbei bemerkt - turnusmäßig zum 1. Januar 2010 auf den DSGV.

Umprogrammierung oder Austausch als Königsweg

Am heutigen Donnerstag , dass man Möglichkeiten suche, die fehlerhaften Seccos5-Chips umzuprogrammieren. Die Banken wollen damit eine kostspieligen Austausch der rund 30 Millionen betroffenen Karten vermeiden. Im Inland sei die Akzeptanz der Problem-Karten an Geldautomaten inzwischen "wieder weitgehend hergestellt".

An den rund 200.000 betroffenen Kartenterminals im Einzelhandel sollen die Störung bei EC-Karten bis zum Montag kommender Woche flächendeckend behoben sein. Eine Lösung für Akzeptanzstellen im Ausland sind diese Maßnahmen freilich nicht. Endgültig aus der Welt wäre der Defekt nur durch eine Neuprogrammierung der Chips oder durch den Austausch der Karten.

Bereits am Dienstag dieser Woche wies derhandel.de darauf  hin, dass sich das Akzeptanzproblem an den Kassenterminals oftmals durch das Überkleben des Chips beheben lässt. Im Einzelhandel ist dieser Trick schon seit längerem bekannt, weil die EMV-Chips häufiger Probleme verursachen. Die inzwischen weit verbreiteten Hyprid-Kartenleser greifen auf den funktionstüchtigen Magnetstreifen zurück, wenn das Gerät keinen Chip findet. Der ZKA warnt freilich in seiner heutigen Presseerklärung vor der Verwendung von Tesafilm auf den Karten: "Dies kann Karte und Lesegerät des Geldautomaten beschädigen", fürchten die Banker.