Händler können Kartenkunden künftig leichter Bargeld auszahlen. Bislang war für diese Dienstleistung eine Banklizenz erforderlich, was den Durchbruch von "Cash Back" verhinderte.

Einkaufen und auch noch Bargeld mit nach Hause bringen - dieser Traum lässt sich künftig auch bei deutschen Handelsunternehmen realisieren.

Bislang bietet hierzulande nur die Rewe-Gruppe die als "Cash Back" bezeichnete Dienstleistung. Kunden, die ihren Einkauf mit der EC-Karte zahlen, können sich in Rewe-Filialen bis zu 100 Euro Bargeld auszahlen lassen.

Für solche Transaktionen war bisher eine Banklizenz erforderlich, da die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) der Ausfassung war, dass es sich dabei um eine Kreditvergabe durch den Händler handele.

Die Rewe-Gruppe besitzt eine Banklizenz und konnte Cash Back daher in den zur Zentrale gehörenden Niederlassungen  anbieten. Für die selbstständigen Rewe-Kaufleute galt dies jedoch bereits nicht mehr, jeder hätte eine eigene Lizenz beantragen müssen.

Der Weg für Cash Back-Transaktionen ist frei

Wie BaFin-Sprecher Sven Gebauer gegenüber Der Handel bestätigt, erlaubt die Behörde jedoch künftig Bargeldauszahlungen durch Handelsunternehmen ohne Banklizenz. "Die Transaktion muss allerdings so konzipiert sei, dass sie kein Kreditgeschäft des Händlers darstellt", erläutert Gebauer.

Die Kreditkartenorganisation Mastercard bietet für sein Debitverfahren Maestro eine solche Lösung an. "Wir konnten die Aufsichtsbehörde in Gesprächen überzeugen, dass nicht der Händler, sondern die Bank des Karteninhabers den Kredit einräumt", erläutert Peter Ehmke, Deutschland-Chef von Mastercard gegenüber Der Handel. "Damit kann Cash Back nun ohne bürokratischen Aufwand von jedem Händler der Kartenzahlungen akzeptiert angeboten werden."

Ehmke rechnet für das 1. Quartal 2009 mit der Einführung  der Cash Back-Dienstleistungen bei mehreren großen Händlern. "Wir führen Gespräche, dass Interesse seitens des Handels ist groß", so der Mastercard-Chef. "Es sind interessante Lösungen denkbar, wie etwa Bargeld in Dose, die man bei Aldi über den Scanner zieht".

Der Kunde spare sich den Weg zum Geldautomat und der Händler habe weniger Bargeld in der Kasse, was für beide Seiten auch unter Sicherheitsaspekten von Vorteil sei.

Wettstreit um das dominierende Kartensystem in Europa

Für die Kreditkartenorganisation ist die Cash Back-Dienstleistung Teil der "Best in class"-Offensive, die das Maestro-Debitkartenverfahren von Mastercard für Banken, Handel und Karteninhaber attraktiv machen soll. Seit dem Start der Single Euro Payments Area (SEPA) Anfang dieses Jahres konkurriert das deutsche EC-Cash-Verfahren (Girocard) mit den Debit-Lösungen von Maestro und V-Pay (Visa).

Weitere "Best in class"-Applikationen, die Maestro ermöglicht, sind beispielsweise das kontaktlose Zahlen (Paypass), der Wechsel auf eine individuelle PIN oder die Festlegung von persönlichen Nutzungsparametern durch den Karteninhaber, der per Internet definieren kann, wo und wie seine Karte eingesetzt werden darf (InControl). 

Insgesamt existieren laut Mastercard 149 solcher Zusatzleistungen die neben der Zahlfunktion und dem Geldabheben am Automaten mit Karten möglich sind. Die kartenausgebende Bank und die Akzeptanzstellen im Handel entscheiden, ob sie ihren Kunden den jeweiligen Service anbieten.     

Für deutsche Handelsunternehmen brisante Entwicklung

Mastercard strebt mit dem "Best in class"-Programm einen Leistungswettbewerb bei Debitkarten an. Vom Verbraucher unbemerkt herrscht derzeit ein Kampf der Kartensysteme über die Vorrherschaft im einheitlichen europäischen Zahlungsraum (SEPA), den die Europäische Kommission bis Ende 2010 verwirklicht haben will. Besonders brisant ist der Wettstreit in Deutschland, das über zwei für Händler günstige Kartenzahlungssysteme verfügt (EC-Cash und ELV-Verfahren).

Ein entscheidender Startvorteil für Mastercard: Auf fast allen rund 90 Millionen deutschen Debitkarten ist Maestro bereits neben dem deutschen EC-Cash-Verfahren implementiert ("co-branded"). Bislang diente Maestro vor allem zum Einsatz der Karten im Ausland. Doch rund 85 Prozent aller Akzeptanzstellen im deutschen Handel können neben EC-Cash auch Maestro-Transaktionen abwickeln.

Anteil der Maestro-Transaktionen wächst in Deutschland

Kommt eine EC-Cash-Maestro-Karte an der Ladenkasse zum Einsatz, kann sich der Händler für ein Verfahren entscheiden. Die Bankgebühren für die Kartentransaktion fließen dann entweder dem Maestro- oder dem EC-Cash-System zu.

"Wir konnten die Anzahl der Maestro-Zahlungen an deutschen Kassen von September 2007 bis August 2008 um 27 Prozent steigern", betont Peter Ehmke. Absolute Zahlen nennt das Unternehmen allerdings nicht. Die meisten Maestro-Transaktionen finden bislang im grenznahen Bereich statt.

Seit Anfang November 2008 haben die Sparda-Banken begonnen, so genante "Maestro only"-Karten herauszugeben. Diese Karten führen nur noch Maestro-Transaktion durch und verzichten vollständig auf das EC-Cash-System der deutschen Kreditwirtschaft.

Der Bundesverband der Volk- und Raiffeisenbanken (BVR) empfiehlt seinen Mitgliedsinstituten dagegen, Maestro von den ausgegebenen Karten zu verbannen. Der Streit um die richtige SEPA-Kartenstrategien entzweit derzeit die Banken in Deutschland und in Europa.  

Der Handel zahlt rund 200 Millionen im Jahr für das EC-Kartensystem

Von den 355 Milliarden Euro, die der deutsche Einzelhandel 2007 erlöste, wurden nach einer repräsentativen Erhebnung des EHI Retail Institue 16,4 Prozent per EC-Cash-Zahlung mit PIN-Autorisierung umgesetzt (inklusive 0,2 Prozent über Maestro, was rund 710 Millionen Euro entspricht). Der Handel zahlt für die EC-Cash-Transaktionen jährlich rund 200 Millionen Euro Gebühren an die deutschen Banken.

Weitere 12,7 Prozent aller Zahlungen im Handel wurden über das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) - mit Karte und Unterschrift - abgewickelt. Bei diesem Verfahren fallen für den Handel keine Gebühren an, dafür erhält er auch keine Zahlungsgarantie von den Banken. Die Zunkunft des ELV-Verfahrens im SEPA-Zeitalter gilt als unsicher.