Trotz des Rückzugs der Bundesbank aus der Bargeldbearbeitung wird es zum Jahreswechsel keine Engpässe in der Münzgeldversorgung geben, versichert der Verband der Geld- und Wertlogistiker. Doch für den Handel werden sich die Kosten deutlich erhöhen.

"In operativer Hinsicht wird es keine Probleme geben, die Verbraucher werden von der Umstellung auf die Normcontainer nichts mitbekommen", versichert Michael Mewes, Vorsitzender der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienstleister (BDGW) in einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag in Frankfurt am Main.

Ab dem 1. Januar 2011 gibt die Bundesbank Münzen nur noch in so genannten sortenreinen Normcontainern heraus. Geld- und Werttransporteure (WTUs), die alle acht Stückelungen von der 1 Cent-Münze bis zum 2-Euro-Stück verfügbar haben wollen, müssen ab diesem Zeitpunkt acht Container im Gesamtwert von 314.000 Euro und Gesamtgewicht von fünf Tonnen bevorraten.

Erhebliche Verteuerung der Bargeldversorgung

Auch die Anlieferung des Bargeldes darf ab dem Jahreswechsel nur noch in diesen Container erfolgen. Nur für eine Übergangszeit stellt die Zentralbank auch noch kleinere Mischcontainer zur Verfügung, für die allerdings erheblich höhere Gebühren anfallen (25 Euro pro "Denotation"). Kosten, die ab dem kommenden Monat auf die rund 380.000 Einzelhandelsunternehmen in Deutschland abgewälzt werden.

"Die Umstellung auf die Normcontainer ist die erste unmittelbare Auswirkung der neuen Bargeldstrategie der Bundesbank", erläutert Mewes. "Bei der Bargeldversorgung will die Bundesbank künftig nur noch die Rolle eines Großhändlers einnehmen". Die Schließungen weiterer Bundesbankfilialen seien die nächsten Schritte auf diesem Wege, an dessen Ende die Notenbank aus Kostengründen nur noch 50 Prozent der Bargeldbearbeitung durch eigene Kapazitäten bewerkstelligen wolle. Derzeit erfolgt die Wiederaufbereitung der Münzen und Noten im Bargeldkreislauf zu 70 Prozent durch die Bundesbank.

Kosten von 25 Cent pro Rolle

Bislang zahlt der Handel für die Versorgung mit Wechselgeld zwischen sieben und acht Cent pro Münzrolle. "Diese Kosten können sich in den kommenden Wochen um vier bis sechs Cent verteuern", räumte Mewes ein. Nach Informationen des Wirtschaftsmagazins Der Handel verlangen einzelne Banken bereits allerdings 25 Cent pro Rollen, was bei der 1-Cent-Münze 50 Prozent des Gesamtwertes entspricht.

Solche Preise werden sich laut Mewes jedoch nicht am Markt durchsetzen. Der Verbandschef verwies auf Kooperationsmodelle von Banken und Geld- und Werttransporter, die bereits seit einigen Jahren die Versorgung des Handels sicherstellten und dies auch künftig tun werden. Solche Kooperationen werden laut Mewes auch künftig die Bargeldver- und entsorgung des Einzelhandels sicherstellen.

Bislang wickeln die großen Handelsunternehmen ihren Bargeldverkehr mit Hilfe von Geld- und Wertlogistikern ab, die ein Münz- und Treuhandkonto bei der Bundesbank haben. Rund 30 Prozent des gesamten Bargeldumsatzes des Einzelhandels erfolgen laut Bundesbank heute über diese Konten. Ab dem 1. Mai 2011 werden diese Konten geschlossen, damit sich ein privatwirtschaftlicher Markt für das Bargeld-Recycling entwickelt. Das prüfen, zählen, sortieren und konfektionieren von Bargeld in Cashcentern soll verstärkt in Regie von Banken und WTUs erfolgen.

Warten auf die Lizenz zum Bargeldrecycling

Den WTUs bleibt hierzu bisher nur die Kooperation mit einer Bank, da das private Bargeld-Recycling nur mit einer Banklizenz oder einer besonderen Zulassung nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZGA) erlaubt ist. Mit Kötter, Brink´s und Ziemann haben zwar drei Geldtransporteure in den vergangenen Monaten eine ZAG-Lizenz bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragt, eine Entscheidung der Behörde ist jedoch nicht in Sicht.

Michael Mewes kritisierte die Bearbeitungspraxis der Bafin in diesem Zusammenhang heute scharf: "Der politische Wille des ZAG wird nicht umgesetzt. Die BaFin interpretiert jeden Buchstaben des Gesetzes", beklagte Mewes die zögerliche Handhabung. Mit einer Entscheidung der Behörde in nächster Zeit sei nicht zu rechnen, so Mewes. Den WTUs bliebe der Einstieg in das private Cashrecycling daher verbaut.

Auch aus diesem Grunde gibt es für den Einzelhandel aktuell nur drei Anbieter, die in der Lage sind, eine bundesweite Lösung für die Bargeldversorgung bereitzustellen: Die Commerzbanktochter Soltrx Transaction Services GmbH (STS), die DZ Bank in Kooperation mit der Cash Logistik Security AG und das WTU SecurLog in Zusammenarbeit mit der biw Bank. Daneben gibt es nur eine Reihe von regionalen Lösungen. "Das reicht aber auch aus", meint Verbandschef Michael Mewes.

Hanno Bender


Lesen Sie in der Januar-Ausgabe von Der Handel mehr über die drei Kooperationsmodelle und die Folgen des Rückzugs der Bundesbank aus der Bargeldbearbeitung für die Handelsbranche.

In einem Pro&Contra-Beitrag nehmen dort zudem Carl-Ludwig Thiele, Mitglied im Vorstand der Bundesbank und Josef Sanktjohanser, Vorstandsmitglied der Rewe Group und Präsident im Handelsverband Deutschland (HDE) zu den Plänen der Bundesbank Stellung. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie auch in unserem Online-Dossier "Bargeldlogistik".