Die Bundesbank zieht sich ab 2011 stückweise aus der Bargeldbearbeitung zurück. Wer an ihre Stelle treten wird, ist noch offen. Für den Handel werden sich die Kosten des Cash-Handlings erhöhen.

Die Bundesbank will Großhändler werden: "Wir wollen unseren Anteil an der Bargeldbearbeitung Stück für Stück reduzieren und in eine reine Großhändlerfunktion hineinwachsen", erklärt Vorstandsmitglied Dr. Hans Georg Fabritius.

Rund 543 Millionen Euro kostet das Ein- und Auszahlen sowie die Echtheits- und Qualitätsprüfung von Münzen und Banknoten in den bundesweit 47 Cash-Centern der Bundesbank. Ein Kostenblock, der abgeschmolzen werden soll.

In anderen Euro-Ländern liegt der Anteil des privaten Bargeld-Recyclings wesentlich höher und daran wird die Bundesbank von der Europäischen Zentralbank gemessen. Ihr Anteil an der Bargeldbearbeitung soll bis 2015 von derzeit 70 auf 50 Prozent sinken.

Für den Einzelhandel hat diese Vorgabe spätestens ab dem 1. Januar 2011 ganz konkrete Auswirkungen. Denn ab diesem Datum gibt die Bundesbank Münzgeld nur noch in sogenannten sortenreinen Normcontainern aus. Die Münzgeldkonten der Geld- und Wertlogistiker, über die bislang eine bedarfsgerechte Versorgung von Handelsunternehmen sichergestellt wurde, werden geschlossen.

Lizenz zum Zählen und Sortieren

Die Verteilung von Bargeld kann ab dem kommenden Jahr nur noch von Unternehmen geleistet werden, die entweder mit einer Bank kooperieren oder eine eigene Lizenz der Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) besitzen.
 
Das Problem: Die Banken haben sich vor rund zehn Jahren aus der Bargeldversorgung zurückgezogen, ihre Hauptkassen geschlossen und diese Dienstleistungen ausgegliedert. Von den Wertlogistikern hingegen hat noch kein Unternehmen die notwendige Lizenz nach dem neuen Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) beantragt, wie das BaFin auf Anfrage von Der Handel bestätigt.

Aktuell weiß daher niemand, wer künftig die 600 Kilogramm schweren Container bei den Cash-Centern der Bundesbank abholen soll, um sie in privaten Verteilzentren in han­dels­taugliche Gebinde zu sortieren. Die Grundausstattung mit acht ­Containern, einer für jede Münzsorte, besitzt einen Gegenwert von 314.000 Euro.

Eine Zulassung zum privaten Cash-Recycling für Münzen und Banknoten durch die BaFin stellt strenge Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung des jeweiligen Anbieters sowie an die Prozessqualität und -dokumentation. Darüber hinaus muss in Zählmaschinen und Räumlichkeiten investiert werden - hohe Einstiegshürden für die mittelständisch geprägten Unternehmen.

Geschäftsfeld für private Dienstleister

Die Branche wird sich daher konsolidieren und aufspalten in reine Geldtransporteure und Full-Service-Dienstleister mit ZAG-Lizenz. In einer Umfrage von Der Handel gaben die fünf größten Geld- und Wertlogistiker unisono an, in das neue ­Geschäftsfeld einsteigen zu wollen: "Wir werden in jedem Fall einen entsprechenden Antrag bei der BaFin stellen", erklärt etwa Friedrich P. Kötter, Geschäftsführer von Kötter Geld- & Wertdienste.

"Mit den Qualitätsanforderungen werden auch die Preise für die Dienstleistungen der Geldlogistiker steigen und sich stärker an das internationale Preisniveau annähern, das sehr viel höher ist als in Deutschland", prognostiziert Kötter. Der Marktführer Securlog will bis zum Ende des zweiten Quartals eine entsprechende Lizenz beantragen, teilt Geschäftsführer Dr. Lothar Thoma mit. Das Unternehmen Brink's plant eine Antragsstellung im Spätsommer.

Und auch die Firma Unicorn, mit einem Marktanteil von rund 12 Prozent die Nummer zwei der Branche, sieht das Bargeldrecycling als eines der strategisch wichtigen Geschäftsfelder an. "Die Pilotierung für das Münzgeldrecycling erfolgt noch im laufenden Jahr. Das Recycling im Notengeldbereich ist für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen", berichtet Andreas C. Kujawski, Leiter Gesamtvertrieb bei Unicorn, im Gespräch mit Der Handel.

Der Antrag zur Lizenz sei in Vorbereitung, das Bargeldrecycling könne aber auch im Wege der Kooperation mit Kreditinstituten stattfinden. Und auch Hans-Jörg Hisam, Geschäftsführer beim Geldlogistiker Ziemann, bekräftigt, dass ein ZAG-Antrag geplant sei, zusätzlich arbeite man Kooperationsmodelle mit einem Kreditinstitut aus.

Handelsverband will Frist verschieben

 
Der Handelsverband Deutschland kämpft vehement für eine Verschiebung der Frist vom 1. Januar 2011 und pocht darauf, dass die Bargeldversorgung eine "hoheitliche Aufgabe" sei, die durch die Bundesbank erfüllt werden müsse. Im europäischen Ausland ist das Cash-Recycling durch private Dienstleister freilich auch für die großen deutschen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit - allerdings mit anderen Kostenstrukturen.

Hans Georg Fabritius, der im Bundesbank-Vorstand für das Thema "Bargeld" verantwortlich war, wechselte Anfang Mai in den Ruhestand. Befürchtungen, der Rückzug der Zentralbank aus der Bargeldbearbeitung führe zu untragbaren Zuständen, hält er für abwegig: "Der Markt wird schon Ideen entwickeln und einen Weg finden", versicherte der promovierte Volkswirt auf seiner letzten Pressekonferenz Mitte April. 

Hanno Bender

Dieser Artikel ist in der Mai-Ausgabe von Der Handel erschienen. Klicken Sie hier um ein kostenloses Probeexemplar anzufordern.