Die Milchpreise fallen - und die Bauern sprechen von Turbokapitalismus. Verbandspräsident Gerd Sonnleitner hat bereits das Kartellamt eingeschaltet.

"Was die gewissenlosen Banker mit dem Turbokapitalismus in der Gesamtwirtschaft angerichtet haben, das richtet Lebensmitteleinzelhandel gegenüber den Milchbauern und Molkereien an", schimpfte Sonnleitner am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin.

"Wir müssen den Lebensmitteleinzelhandel zur Räson rufen, der die Zersplitterung der Milchbauern und der Molkereien nahtlos mit seinem Turbokapitalismus ausnützt."

Sonnleitner rief Discounter und Supermärkte auf, die Milchbauern nicht "an die Wand zu drücken".

Der Bauernpräsident sprach sich gegen eine Begrenzung der Milchmenge nur in Deutschland aus, was der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter fordert. Der Bundesrat entscheidet darüber am Freitag.

Deutscher Alleingang abgelehnt

Eine Mehrheit der Agrarexperten der Länder hatte sich jedoch dagegen ausgesprochen. "Ein Alleingang Deutschlands würde nur bedeuten, dass wir überflutet würden mit Milchprodukten von anderen Ländern", sagte Sonnleitner. Die Milchmenge müsse in Europa insgesamt sinken, die anderen europäischen Ländern seien aber dagegen, klagte der Verbandspräsident.

Seit Montag haben die Discounter Aldi, Penny und Lidl die Verbraucherpreise für Milch um 20 Prozent gesenkt. Heute zog Edeka nach. Sonnleitner hat bereits das Bundeskartellamt eingeschaltet.