Der Bauernverband-Präsident Sonnleitner sieht den Talboden bei den Lebensmittelpreisen erreicht. In einem Interview macht er abermals die Disounter für den diesjährigen Preisverfall verantwortlich. 

Nach Meinung des Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, sinken die Preise für Lebensmittel nicht mehr weiter: "Da ist der Boden erreicht, sodass wir mit einem leichten Preisanstieg rechnen können", sagt er in der Bild-Zeitung (heutige Ausgabe). "Das wäre mehr als fair."

Sonnleitner macht für den Preisverfall vor allem die Discounter verantwortlich: "Das ist ein Kampf mit Giganten, den es in keinem anderen Land so gibt“, bemängelt er. "340.000 Bauern stehen fünf große Discounter gegenüber, die den Markt so im Griff haben, dass sie alle ausspielen können."

"Verbraucher zahlt den Schaden"

Es sei wie bei der Bankenkrise, so Sonnleitner: "Jetzt trägt der Lebensmitteleinzelhandel seinen Wettbewerb auf dem Rücken der Bauern aus, praktiziert also Marktwirtschaft pur ohne jede gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Bricht das Konstrukt ein, zahlt der Verbraucher den Schaden, nicht die Verursacher."

Denn wenn die landwirtschaftlichen Betriebe hohe Verluste einführen, schade das den Konsumenten: "Langfristig kriegt dann der Verbraucher die Rechnung, wenn die Landwirtschaft stirbt, die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet ist und wir abhängig werden von Import und extremen Preisschwankungen."

Lebensmittel in Deutschland kein Kulturgut

Um die Verbraucher nicht durch die zu erwartenden höheren Preise zu verprellen fordert er, mehr über Lebensmittel und ihren „wahren Wert“ zu reden: „Wie in Italien, da wird über jede Zutat diskutiert, jeder Wein hat eine Geschichte. Nahrungsmittel werden in Deutschland nicht mehr als Kulturgut gesehen“, beklagt Sonnleitner. „Sie brauchen eine neue Wertigkeit.“

Essen solle billig sein und nicht dick machen: „Aber dass es Lebensqualität ist, Genuss, kommt zu kurz“, so der Bauernverband-Präsident. „So etwas wie Liebe geht durch den Magen hört man nicht mehr. Deshalb müssen wir schon im Vorschulalter Kindern die Bedeutung von Essen und Trinken näherbringen. Dann gibt es auch wieder eine echte Esskultur in Deutschland."

In einer Pressemitteilung rechnet der Bauernverband heute vor, dass der Verbraucher immer wohlhabender werde: Vor 100 Jahren habe der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel am gesamten Konsum noch etwa 50 Prozent betragen. Heute liege dieser Anteil nur 15 Prozent. Dabei sei noch zu berücksichtigen, dass sich Qualität und Verarbeitung der Nahrungsmittel enorm verbessert haben.