Die Baumärkte haben im vergangenen Jahr abermals an Umsatz verloren. Ganz schlimm hat es Praktiker erwischt. Doch das erste warme Wochenende macht der Branche etwas Mut.

Bereinigt um neu eröffnete oder geschlossene Märkte sank der Erlös der Baumärkte im Jahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent auf 17,55 Milliarden Euro. Vor allem das Frühjahrsgeschäft sei wegen des schlechten Wetters enttäuschend verlaufen.

Auch die hohe Inflationsrate habe die Konsumlust geschmälert. Insgesamt sei er dennoch zufrieden mit den Umsätzen, sagte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB), Georg Rothacher, am Dienstag in Köln.

Verbraucher sind "heiß auf draußen"

Um eine Vorhersage für 2009 abzugeben, sei es zu früh, sagte Rothacher. Der gute Start ins neue Jahr mache ihn aber zuversichtlich. So seien bereits am vergangenen Wochenende, als die Temperaturen frühlingshaft waren, Gartenprodukte gut verkauft worden. "Wir sehen jetzt schon, dass die Kunden heiß darauf sind, nach draußen zu kommen", hat der BHB-Präsident festgestellt.

In der Vergangenheit habe sich zudem gezeigt, dass Menschen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten öfter zu Hause blieben und darum mehr ins eigene Heim investierten ("Cocooning"). "Großanschaffungen wie komplette Bäder werden zwar zurückgestellt, aber dafür werden viele Kleinreparaturen und Renovierungen in Angriff genommen", sagte Rothacher.

Auch für Dekorationsartikel geben die Verbraucher offenbar Geld aus. Dies habe sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt: Bad- und Gartenmöbel, Garten-Deko und Heimtextilien seien gut gelaufen. Die meisten anderen Segmente verzeichneten jedoch teils starke Rückgänge.

Praktiker mit Gewinneinbruch

Den Abschwung in der Baumarktbranche bekommt besonders Praktiker zu spüren.
Wie das Unternehmen am Montag in Kirkel mitteilte, sank der Jahresüberschuss (Gewinn) 2008 von 23,7 Millionen auf 7,1 Millionen Euro.

In Anbetracht der "aktuellen gesamtwirtschaftlichen Krisensituation" will Praktiker den überwiegenden Teil des Gewinns einbehalten und für das Geschäftsjahr 2008 eine deutlich geringere Dividende in Höhe von Euro 0,10 je Aktie ausschütten, teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahr wurden 0,45 Euro gezahlt. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITA) stieg um 11,3 Prozent auf 129,1 Millionen Euro.

Prognose? Schwierig!

Zur Geschäftsentwicklung des Konzerns in den ersten zwei Monaten 2009 wollte sich ein Unternehmenssprecher nicht äußern. "Wir wissen nicht, was im derzeitig schwierigen konjunkturellen Umfeld noch alles auf uns zukommt. Alle unsere Maßnahmen zielen darauf ab, dass wir auch Ende 2009 über eine komfortable Liquiditätsausstattung verfügen. Wir sind zudem der Meinung, dass wir auf diese Weise die Vorsorgelasten gleichmäßiger auf die Schultern aller am wirtschaftlichen Erfolg des Praktiker Konzerns Interessierten verteilen", hieß es.

Vergangene Woche teilte Praktiker mit, dass im Unternehmen die Bedingungen für Kurzarbeit geprüft würden.

dpa/Dow Jones