Nasskalter Winter, kühler Frühsommer, Praktiker-Pleite: Die deutschen Baumarktbetreiber haken das Jahr 2013 ab und ändern die Berechnungsgrundlage.

Für die deutschen Baumärkte lief das Geschäftsjahr 2013 nicht gut: Der Gesamtbruttoumsatz lag bei 18,06 Milliarden Euro und sank somit im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent, meldet der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB). Verantwortlich für die Umsatzrückgänge macht der Verband das zu kalte Wetter und die Auswirkungen der Insolvenz von Praktiker und Max Bahr.

Für 2014 zeigen sich Verband und Branche immerhin zurückhaltend optimistisch, auch wenn die Branche "angesichts der abwandernden Umsätze der Praktiker-Gruppe in 2014 kein Wachstum erzielen" werde, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auf Grundlage der neuen Marktanalysen des neuen "Total-Store-Reports" 2013 der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) konnten die deutschen Bau- und Heimwerkermärkte im Vorjahr jedoch einen Gesamtbruttoumsatz von 18,78 Milliarden Euro erzielen, das ist im Vergleich zu 2012 ein Umsatzplus von 0,1 Prozent.

Auf bereinigter Verkaufsfläche ging der Umsatz der Bau- und Heimwerkermarktbranche aber auch mit den neuen Berechnungen um 0,6 Prozent zurück. Der neue GfK-Report basiert nun auf monatlichen Verkaufszahlen, die direkt aus den Warenwirtschaftssystemen an die Konsumforscher gemeldet werden.

Kalter Winter, kühler Frühsommer

Konkret machten den Baumarktbetreibern wetterbedingte Umsatzeinbußen in den Monaten Januar bis März sowie ein zu kühler und verregneter Frühsommer zu schaffen, weil die Konsumenten beim Kauf von Gartenartikeln zurückhaltend waren. Die im ersten Quartal 2013 "deutlich zu niedrigen Temperaturen und zu hohe Regenmengen" führten demnach zu spürbaren Umsatzrückgängen in den Monaten Januar (minus 1,9 Prozent), Februar (minus 1,6 Prozent) und insbesondere März (minus 23,1 Prozent).

Von April bis einschließlich November konnten die deutschen Bau- und Heimwerkermärkte die Umsatzentwicklung offenbar stabilisieren und in manchem Monat sogar zulegen: Im April betrug das Plus 6,9 Prozent, im Juli 10,3 Prozent und im November 5,7 Prozent. Die höchsten absoluten Umsätze erzielten die Bau- und Heimwerkermärkte der Studie zufolge in den Monaten April mit knapp 2 Milliarden Euro und im Mai mit gut 2 Milliarden Euro.

Gute Umsätze mit Sanitär & Heizung

Die Bau- und Heimwerkermärkte erzielten im vergangenen Jahr 2013 die höchsten Umsätze im Segment Sanitär/Heizung (1,86 Milliarden Euro), gefolgt von Bauchemie/Baumaterial mit 1,78 Milliarden Euro, Anstrichmittel/Malerzubehör mit 1,36 Milliarden Euro und Elektro mit 1,29 Milliarden Euro.

Im Vorjahresvergleich sind Umsatzrückgänge demnach besonders in den Gartensortimenten zu verzeichnen. So verloren die Warengruppen Lebendes Grün im Vergleich zum Vorjahr 10,3 Prozent und Gartenmöbel 3,3 Prozent an Umsatz. Weitere Umsatzrückgänge gab es bei Möbeln mit einem Minus von 8,3 Prozent, Automotive (minus 7,6 Prozent), Freizeit/Saisonwaren (minus 6,8 Prozent) und Wohnen/Dekoration (minus 5,9 Prozent). Positiv entwickelten sich hingegen die Bereiche Haushaltswaren, die um 6,7 Prozent zulegten, wie auch Eisenwaren/Sicherheitstechnik mit einem Plus von 3,6 Prozent, Holz (pus 3,4 Prozent) und Elektro (plus 3,3 Prozent).

Auswirkungen der Praktikerpleite

Die Entwicklung von Standortzahl und bundesweiter Gesamtverkaufsfläche stand dem Verband zufolge 2013 ganz im Zeichen der Insolvenz von Praktiker und Max Bahr. Insgesamt rund 320 Märkte der Marken Praktiker, Max Bahr und Extra Bau & Hobby waren und sind von den Insolvenzen betroffen.

Die Handelsgruppe Hagebau übernimmt möglicherweise weitere Filialen von Max Bahr und Praktiker. In den vergangenen Monaten hatte die Kooperation aus Baumarktbetreibern und Baustoff-Fachhändlern mit Sitz der Zentrale im niedersächsischen Soltau bereits insgesamt 16 Filialen übernommen. "Zu weiteren Standorten laufen aktuell Gespräche", sagte eine Firmensprecherin am Montag.

Standortrückgang um 170 Märkte

Der aktuellen Baumarktstrukturuntersuchung 2014 der Gesellschaft für Markt- und Betriebsanalyse (Gemaba) zufolge sorgten die Insolvenzen zwischen dem 1. September 2013 und dem 1. Januar 2014 für einen Standortrückgang um gut 170 Märkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 100.000 Quadratmetern.

Zum 1. Januar 2014 zählte die Gemaba 2.198 Baumärkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 13,310 Millionen Quadratmetern, wobei von Wettbewerbern bereits übernommene Praktikermärkte sowie Max Bahr-Altstandorte und "umgeflaggte" Max Bahr-Märkte eingerechnet sind. Damit ging die Gesamtzahl der Standorte von Bau- und Heimwerkermärkten gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent zurück, ebenso wie die bundesweite Gesamtverkaufsfläche, die um 7 Prozent zurückging. Als mittelfristige Folge der Praktiker-Insolvenz schätzt der BHB, dass sich die Zahl der Baumärkte auf einem Niveau um 2.250 Einheiten einpendeln wird.