Die Geldkarte sollte die EC-Karte auch bei der Bezahlung von Kleinbeträgen interessant machen. Doch die Zahl der Bezahlvorgänge mit dem kleinen Chip sank im vergangenen Jahr erneut.

Mit der Geldkartenfunktion der deutschen Girocard (früher EC-Karte) wurden im vergangenen Jahr 45 Millionen Bezahltransaktionen durchgeführt, das sind acht Prozent weniger als im Jahr 2008. Damit sank die Zahl der Transaktionen zum zweiten Mal in Folge.

Zugleich wurden in 2009 auch seltener Guthaben auf den Chip geladen als im Vorjahr. Lediglich 5,7 Millionen Ladevorgänge zählte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) im vergangenen Jahr; fünf Prozent weniger als 2008.

Laut ZKA-Statistik lag der durchschnittliche Transaktionsbetrag bei 2,90 Euro, insgesamt wurde damit im Jahr 2009 ein Umsatzvolumen von 131 Millionen Euro durch Geldkarten-Transaktionen realisiert. Der durchschnittliche Ladebetrag für den Prepaid-Chip, der sich auf rund 81 Millionen Girocards befindet, betrug rund 27 Euro.

Keine Bedeutung im Einzelhandel erlangt

Die Geldkartenfunktion wurde 1996 von der deutschen Kreditwirtschaft auf der Girocard eingeführt, um Kartentransaktionen auch bei kleineren Zahlbeträgen zu etablieren. Beim Bäcker, Metzger oder am Zeitungskiosk sollte die EC-Karte eingesetzt werden, so die Hoffnung der Banken.

Doch über den Kreis von Automatenzahlungen im Nahverkehr oder in Parkhäusern kam die Geldkarte kaum hinaus. Im Einzelhandel erreichte sie nie eine relevante Verbreitung. Auf 0,0 Prozent beziffert das EHI Retail Institute den Anteil der Geldkartenzahlungen im deutschen Einzelhandel in seiner alljährlichen Branchenerhebung immer wieder.

Quelle: ZKA
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Mangels Akzeptanz bei den Verbrauchern und aufgrund der Gebührenstrukturen (0,3 Prozent vom Umsatz, mindestens ein Cent) scheuten Handelsunternehmen die Investition in die notwendigen Terminals. Lediglich die Fast-Food-Kette McDonalds startete einen flächendeckenden Roll-Out. Die Geräte mussten jedoch alsbald wieder abgebaut werden, da sie die fettige Luft in den Schnellrestaurants nicht verkrafteten.

Schub durch Zigarettenautomaten

Im Jahr 2007 erlebte die Prepaid-Funktion auf der Girocard einen kleinen Schub, da Zigarettenautomaten nur noch mit einem Altersnachweis bedient werden durften. Die Zahl der Transaktionen stieg aufgrund des Jugendschutzmerkmals, mit dem die Karten ausgerüstet sind, auf ein Rekordniveau von 6,5 Millionen, seither geht es jedoch wieder bergab.

Große Hoffnung verbinden die Protegés der Geldkarte nun mit dem kontaktlosen Bezahlen. Beim Fußballbundesligisten Bayer 04 Leverkusen wurde in der aktuellen Spielsaison als Pilotprojekt die BayArena-Card eingeführt, die auf Basis der "Geldkarte kontaktlos"-Technologie arbeitet. Die Besucher können ihr Bier im Stadion kontaktlos mit der BayArena-Card, aber auch ganz normal mit dem Geldkarte-Chip ihrer Girocard  bezahlen.

Hoffnungsträger kontaktloses Bezahlen

Das kontaktlose Bezahlen gilt als Schlüsseltechnologie, um Kartenzahlungen auch im Kleinbetragsbereich für Verbraucher und Händler interessant zu machen. Auch Mastercard und Visa bieten Karten mit der so genannten NFC-Technik (Near Field Communication), die das Zahlen im Vorbeigehen ermöglichen.

Quelle: ZKA
Quelle: ZKA
Ohne nennenswerte Akzeptanzpartner im Handel wird die innovative Technologie jedoch vergeblich auf einen Durchbruch warten und die Geldkarte weiterhin in ihrem Nischendasein verharren. "Bei der Geldkarte wurde versäumt, den Handel mit ins Boot zu holen, deshalb blieb sie an den Ladenkassen immer bedeutlungslos", bilanziert ein Kartenexperte.

Der kleine Chip auf der Girocard über den auch die Geldkartenfunktion abgewickelt wird, erlangte zu Jahresbeginn Berühmtheit, weil er auf rund 30 Millionen Debit- und Kreditkarten den Dienst verweigerte. Bis zu acht verschiedene Applikationen wie lokale Bonusprogramme, individualisierte PINs oder kontaktloses Bezahlen können auf dem kleinen Prozessor gleichzeitig untergebracht werden. Nach Angaben des Kreditkartenanbieters Mastercard gibt es in Europa insgesamt 149 unterschiedliche Features für den Chip.