Ein Edeka-Händler bietet ab diesem Sommer Bankdienstleistungen an der Supermarktkasse an. Geldabheben, Kontostandabfragen und andere Geldgeschäfte können am POS erledigt werden. Das Beispiel könnte Schule machen.

"Edeka Grümmi" in Neumünster wird seinen Kunden als erstes Einzelhandelsunternehmen in Deutschland grundlegende Bankdienstleistungen wie Geldaus- und -einzahlungen sowie Kontostandabfragen am POS anbieten. In vier Märkten des selbstständigen Edeka-Kaufmanns Gerd Grümmer wird der Banking-Service voraussichtlich ab Juli dieses Jahres für die Kunden zur Verfügung stehen.

"Mit der neuen Banking-Lösung können wir unseren Kunden einen ganz neuartigen Service anbieten und uns damit als innovativer Trendsetter im Einzelhandel positionieren", erklärt Grümmer, Geschäftsführer von Edeka Grümmi.

Um Geld abzuheben, müssen die Supermarktkunden weder einen Einkauf tätigen noch einen bestimmten Einkaufsbetrag überschreiten. Damit unterscheidet sich die Lösung von Edeka Grümmi vom so genannten "Cash back"-Service, den die Rewe seit 2003 bundesweit anbietet.

Gespräche mit Postbank, Direktbanken und weiteren Instituten

Die Lösung des Kassensystemherstellers Torex soll zunächst an mehr als 30 Kassen der Marktkette in Neumünster installiert werden. "Wir wären gerne schon im Frühjahr gestartet, aber die Banken sind noch nicht so weit", erläutert Marktleiter Marc Dittberner im Gespräch mit derhandel.de

Mit der Postbank, der örtlichen Volks- und Raiffeisenbank sowie verschiedenen Direktbanken führe man Gespräch, um den Service für die jeweiligen Bankkunden freischalten zu können. Die Postbank AG wollte eine Beteiligung am Projekt auf Anfrage von derhandel.de zunächst nicht bestätigen, das Institut betreibt jedoch zusammen mit Shell eine vergleichbare Bargeldlogistik-Kooperation.

Damit an den Supermarktkasse keine Warteschlangen entstehen, richtet Edeka Grümmi in jedem Markt zusätzliche "Info-Kassen" ein, an denen über das Geldabheben hinaus weitere Bankdienstleistungen wie zum Beispiel die Annahme von Zahlscheinen oder Sparbuchabhebungen möglich sind.

Geschlossener Bargeldkreislauf minimiert Risiken

Alle Kassen werden durch einen "Cash-Recycler" für Münzen und Scheine ergänzt, der die Funktion eines Geldautomaten und eines Tresors übernimmt. Damit wird die Bargeldverarbeitung für das Kassenpersonal wesentlich vereinfacht.

"Kassendifferenzen gehören dann der Vergangenheit an - und wir hoffen, auch weniger Rollengelder anfordern zu müssen, da der Wechselgeldbestand von den Geräten automatisch optimiert wird", erläutert Marc Dittberner. "Das Personal hat keinen direkten Kontakt mehr mit dem Bargeld und gewinnt Zeit für die Kunden".

Nach Angaben von Torex kooperieren beide Unternehmen für die Tresorlösungen mit einer großen deutschen Retailbank, womit die gesetzliche Vorschrift erfüllt werde, dass Geldautomaten grundsätzlich nur von Kreditinstituten betrieben werden dürfen.

Da sich die Ver- und Entsorgung mit Bargeld für Handelsunternehmen durch den Rückzug der Bundesbank aus der Bargeldbearbeitung tendenziell verteuert, wird Tresor- und Automatisierungslösungen im Handel noch erhebliches Potenzial eingeräumt.

Die Edeka-Gruppe wird laut einem Bericht der Lebensmittel-Zeitung noch in diesem Jahr mit der Kreditkartenorganisation Visa ein für Kunden und Händler kostenfreies Bargeldabheben per Kreditkarte an den Supermarktkassen anbieten.

Zusätzlich zur neuen Kassenlösung führt Edeka Grümmi auch die Softwarelösung "Workforce Management NG" von Torex für eine bedarfsorientierte Personalplanung ein. Damit soll die Einsatzplanung der 140 Mitarbeiter des Edeka-Händlers optimiert werden.