Das Modeunternehmen Marc O’Polo setzt flächendeckend Funktechnologien ein, um die Verkaufsprozesse zu optimieren und kundenfreundlich zu sein.

Mit nur einem Knopfdruck erfasst der Filial-Mitarbeiter bei Marc O’Polo mit dem Handscanner mehrere Hemden, ohne diese aus ihren Fächern zu nehmen und Sichtkontakt zu den Etiketten zu haben. Drahtlos werden die Daten direkt mit dem RFID-System abgeglichen und verkürzen beispielsweise die Inventur wesentlich. Zeitgleich verbindet sich eine Kundin, die die Filiale soeben betreten hat, über den WLAN-Hotspot mit dem Internet und informiert sich über aktuelle Aktionen und Rabatte. Im Beratungsgespräch nutzt ein weiterer Mitarbeiter ein Tablet, um direkt interessante Artikel in die Filiale zu bestellen – schnell und einfach über das Drahtlosnetzwerk.

RFID hieß das Schlagwort, mit dem das drahtlose Zeitalter in den Filialen eingeläutet wurde. "Ein Ziel mit der Einführung der Radio-Frequency Identification war es, die Prozesseffizienz in den Filialen zu erhöhen", erläutert Richard Bürger, Head of IT Retail bei Marc O’Polo. "Damit die erfassten Daten von mobilen Clients direkt in das RFID-System fließen, stand bei uns relativ schnell auch das Thema WLAN auf dem Zettel." Für die Implementierung der Funktechnologie-Lösung und des Drahtlosnetzwerks in den 111 Filialen in insgesamt sechs Ländern fiel die Wahl auf den IT-Dienstleister Meco IT AG aus Weingarten, die WLAN-Produkte kommen von dem deutschen Hersteller Lancom Systems.

Abhängig von der Größe der Filiale versorgen zwischen ein bis dreizehn sogenannte Access Points die Räumlichkeiten flächendeckend mit WLAN. Bei diesen Basisstationen wurden Modelle gewählt, die gleichzeitig im 2,4 und 5 GHz-Frequenzbereich funken. Damit sei gewährleistet, dass neben neueren Smartphones, Tablets und Laptops, die den leistungsstärkeren 5 GHz-Frequenzbereich bevorzugen, gleichzeitig auch ältere Computerprogramme ("Clients"), die nur die 2,4 GHz-Frequenz unterstützen, in das WLAN eingebunden werden. Pro Filiale ist jeweils ein WLAN Controller, der für das zentrale Management und die Konfiguration des Drahtlosnetzwerks zuständig ist, im Einsatz.

Weitere Nutzungsideen

"Bald kamen weitere Ideen auf, wie wir das WLAN nutzen konnten", sagt Bürger. "Schnell wurde dann über ein WLAN für unsere Kunden nachgedacht." Neben dem Netz für RFID wurden dann zusätzlich sowohl ein Kunden- als auch ein internes WLAN in ausgewählten Filialen integriert. Der Vorteil: Die neuen Anwendungen nutzen die bestehende Infrastruktur, so musste nicht in neue Hardware investiert werden.

Die Netze werden in unterschiedlichen Service Set Identifier( SSIDs), dem Namen des Drahtlosnetzwerks oder der Anwendung, ausgegeben und die Daten über VLANs (virtuelle Teilnetze) logisch voneinander getrennt. "Beim Gäste-WLAN gehen wir noch weiter, wir greifen den gesamten Datenverkehr am WLAN-Controller ab und routen diesen über eine separate Leitung ins Web", erläutert Norbert Hofmann, Vorstand der Meco IT AG. "So kommt der Kunden-Hotspot garantiert nicht mit der restlichen Netzwerkinfrastruktur in Kontakt."

Um das Kunden-WLAN zu nutzen, wird im Web auf einer Anmeldeseite ein Haken gesetzt, mit dem der Kunde den AGB der Marc O’Polo zustimmt. Danach ist der Weg ins Internet frei. "Die Authentifizierung für den Kunden ist so einfach wie möglich gehalten, damit er schnell ins Internet gelangt", sagt Richard Bürger.

Offenes Kunden-WLAN

Das Kunden-WLAN ist offen, beim RFID-Netz wird eine WPA2-Verschlüsselung eingesetzt, das interne Drahtlosnetzwerk wird über eine LEPS (LANCOM Enhanced Passphrase Security) gesichert. "So lässt sich für jede MAC-Adresse ein eigenes Kennwort vergeben und wir stellen sicher, dass nur ausgewählte Clients Zugang zum Netz erhalten", so Kai Scholz, Projektverantwortlicher bei Meco IT.

Das WLAN in den Filialen hat sich nach Meinung von Marc O’Polo-IT-Chef Bürger bewährt: "Wir nutzen das WLAN mittlerweile auch erfolgreich für eine ganze Reihe weiterer Anwendungen." Mit der Synthese aus der RFID und einem stabilen WLAN als Anschlusspunkt sei eine Mobilität in die Filialen gebracht worden, die den Verkaufsprozess unterstützt und Aufgaben, wie Inventuren, erleichtere. So bleibe den Mitarbeitern mehr Zeit, um sich der Kunden-Beratung zu widmen. 

Der Kunden-Hotspot kommt dem Wunsch der Filial-Besucher nach, immer und überall einfachen und schnellen Zugriff auf das Internet zu haben. "Wir steigern so auch das Einkaufserlebnis für den Kunden, damit bleiben wir in positiver Erinnerung", ist Bürger überzeugt. Das interne Drahtlosnetzwerk sei die Basis, um das Omnichannel-Angebot des Filialisten abzurunden. Mitarbeiter in den Filialen könnten beispielsweise über Tablets Ware ordern, die in der Filiale vergriffen und im Onlineshop noch verfügbar ist.

Für die Zukunft plant Marc O’Polo bereits neue Anwendungen wie beispielsweise die drahtlose Anbindung von Zahlungsterminals.