Verdi hat Neckermann aufgegeben, von den Investorengesprächen erwartet die Gewerkschaft nicht mehr viel. Stattdessen gehe es nur noch um ein geordnetes Ende des Versenders.

Beim insolventen Versandhändler Neckermann schwinden die letzten Hoffnungen auf eine Teilrettung. "Ich habe null Hoffnung, das Ding ist gelaufen", sagte der Frankfurter Verdi-Sekretär Wolfgang Thurner der Nachrichtenagentur dpa. Zu den Gesprächen mit einem letzten, erst kurzfristig eingestiegenen Interessenten machte die Insolvenzverwaltung am Donnerstag zunächst keine Angaben.

Falls nicht noch ein Wunder geschieht, verlieren zum 1. Oktober rund 2.000 Beschäftigte des Traditionsunternehmens in Frankfurt am Main und Sachsen-Anhalt ihre Jobs.

Später Einstieg des Investors erhöht die Kosten

Thurner sieht das Engagement des möglichen Investors skeptisch, weil durch den späten Einstieg kurz vor dem Abwicklungstermin zusätzliche Kosten entstehen würden. Diese hätte man vor einigen Wochen noch vermeiden können, sagte der Gewerkschafter.

Nach seinen Worten müsste eine Transfergesellschaft für sämtliche Beschäftigte gegründet werden, wofür zudem eine Vorlaufzeit von etwa zwei Wochen notwendig wäre. In dieser Zeit bis zum Einsetzen eines möglichen Transfer-Kurzarbeitergelds müssten die Leute weiter bezahlt werden.

100 Mitarbeiter, um das Unternehmen abzuwickeln

Nach Thurners Einschätzung werden ab der kommenden Woche nur noch knapp über 100 Menschen bei Neckermann arbeiten, um das Unternehmen sauber abzuwickeln. Ein Ausverkauf sei nicht geplant, die restlichen Waren gingen an Großabnehmer. Die Insolvenzverwaltung sieht auch Möglichkeiten zur Verwertung einzelner Anlagen.

Die übrigen Beschäftigten müssen sich neue Arbeit suchen. Die Arbeitsagentur hatte die Daten bereits in der vergangenen Woche aufgenommen. Genaue Zahlen liegen nach Angaben einer Sprecherin der Regionaldirektion Hessen noch nicht vor.

Bildergalerie: "Neckermann - Ein Traditionsversender baut ab"

Problematisch ist der Umstand, dass viele Neckermann-Beschäftigte aus dem nahen Frankfurter Umland kommen. Die Agenturen haben zwar rund 2.500 sozialversicherungspflichtige Jobs in Logistik- und Verkehrsberufen in ihrer Datei und auch im Handel sind über 3.000 Stellen unbesetzt. "Diese Zahlen sind aber hessenweit. Es kommt jetzt auch auf die Flexibilität der Leute an", sagte die Sprecherin der Arbeitsagentur.

Amazon wirbt um Mitarbeiter

Große Logistikzentren mit Personalbedarf lägen beispielsweise in Ost- und Nordhessen. Der Onlinehändler Amazon etwa residiert vor den Toren von Bad Hersfeld. Nur wenige Kilometer weiter, in Friedewald, ebenfalls direkt an der Autobahn 4, betreibt die Otto-Tochter Hermes einen sogenannten HUB.

Bereits auf der ersten Jobbörse bei Neckermann hatten Amazon und weitere Logistiker wie die Deutsche Post um Fachkräfte geworben. Chancen könne auch der erhöhte Personalbedarf der Logistiker in der Vorweihnachtszeit eröffnen, ergänzte die Sprecherin. Die Chancen auf eine Übernahme in einen unbefristeten Job seien immer gegeben.


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