Es war zwar zu wenig, um das Unternehmen zu retten - ein paar Millionen sind aber bei Anton Schlecker schon noch zu holen gewesen. Doch trotz Kompromiss mit dem Insolvenzverwalter ist der Staatsanwalt aktiv geworden.

"Es ist nichts mehr da." Nur fünf Wörter brauchte die Tochter des einstigen Drogeriekönigs Anton Schlecker vor gut einem Jahr, um das Ende seines Lebenswerks zu beschreiben - und gleichzeitig seine desolate Finanzlage. Denn Anton Schlecker haftete als eingetragener Kaufmann mit seinem privaten Vermögen für die Drogeriemarktkette.

 "Es ist nichts mehr da" - dieser Satz, fast klagend vorgetragen von einer sichtlich angeschlagenen Meike Schlecker, bleibt auch nach der Schlecker-Pleite hängen. Mittlerweile weiß aber die Öffentlichkeit: Ein bisschen war schon noch da gewesen: 10,1 Millionen Euro - mindestens.

So viel zumindest zahlt die Familie jetzt an den Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.
Es geht um Immobilien, teure Geschenke und nicht zuletzt jede Menge Bargeld, das Anton Schlecker vor der Pleite an seine Frau Christa und seine Kinder Lars und Meike übertragen haben soll. Die Familie hatte dies stets bestritten.

Verdacht der Untreue

Nachzahlung hin oder her: Ein juristisches Nachspiel könnte die Pleite für Anton Schlecker trotzdem haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat in dem Zusammenhang ein Ermittlungsverfahren gegen ihn und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es geht dabei um den Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts.

Auf diese Ermittlungen habe die erzielte Einigung keinen Einfluss, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Dienstag. Sollte es allerdings zu einem Prozess kommen, könnte sich das Einlenken bei den Vermögensübertragungen strafmildernd für Anton Schlecker auswirken, erklärte die Sprecherin.

Das laufende Ermittlungsverfahren könnte nach Einschätzung von Experten auch Gläubigern helfen, ihre Ansprüche durchzusetzen, denn es erleichtert das Vorgehen. Neben Lieferanten gehören dazu beispielsweise auch ehemalige Mitarbeiter.

Geldgeber hatten nach der Schlecker-Pleite Forderungen von mehr als einer Milliarde Euro geltend gemacht. Die Gefahr, fast leer auszugehen, wird sich zumindest durch die nun erzielte Summe aber nicht groß mindern: Das übertragene Privatvermögen deckt nur einen Bruchteil der Forderungen der tausenden Gläubiger - ein Tropfen auf den heißen Stein.

Lob vom Insolvenzverwalter

"Die Familie hat sich in dieser Sache sehr kooperativ verhalten", lobt Insolvenzverwalter den Schritt der Schleckers immerhin ein paar Millionen zu zahlen. Ob es mehr hätte sein können? Es ist weiterhin unklar, ob und wieviel der frühere Drogeriekönig beiseite geschafft hat. Der Insolvenzverwalter hatte daher darauf gepocht, dass dieses Vermögen zurückgezahlt werden müsse. Die aktuelle Millionensumme setzt sich nun aus Bargeld sowie dem Marktwert übertragener Immobilien und Sachgüter zusammen.

In den Monaten nach der Pleite war bekanntgeworden, dass Firmengründer Anton Schlecker unter anderem sein zwei Millionen Euro teures Privathaus vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hatte.
Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

Schlecker führte das einstige Drogerieimperium als sogenannter eingetragener Kaufmann, weswegen er mit seinem gesamten Privatvermögen haftet. Insolvenzverwalter Geiwitz durfte daher auf Jahre zurück auch private Finanzströme prüfen.

Die 10,1 Millionen waren letztlich ein Kompromiss zwischen Geiwitz und der Familie. "Es gibt bei derartigen Prüfungen und Anfechtungen sowohl eindeutige als auch fragliche Fälle", erklärte der Sprecher der Insolvenzverwaltung. "Bei den eindeutigen Punkten gab es gar keine Diskussion, bei den anderen Vorfällen mussten die Rechtsauffassungen sehr offen diskutiert werden." Durch die Anerkennung der Insolvenzanfechtungen durch die Schlecker-Familie werde ein langes und kostspieliges Gerichtsverfahren vermieden, was für alle Seiten gut sei.

Es war zwar noch was da, aber zu wenig, um das Imperium zu retten

"Es ist nichts mehr da." Was hat Meike Schlecker im Januar 2012 damit gemeint? Die Insolvenzverwaltung nimmt sie in Schutz: "Sie hat zum Ausdruck gebracht, dass nicht das nötige Vermögen da sei, das eine Insolvenz des Unternehmens hätte verhindern können", betont ein Sprecher. Damit zumindest sollte sie Recht behalten.

Schlecker hatte am 23. Januar 2012 einen Insolvenzantrag gestellt. Mittlerweile ist Europas ehemals größte Drogeriemarktkette weitgehend abgewickelt. Von den einst 25.000 Beschäftigten in Deutschland ist knapp die Hälfte noch auf Jobsuche. 2006 rühmte sich Schlecker noch als "Alleininhaber des größten Drogeriemarktunternehmens der Welt". Ende Juni 2012 klingelten dann die Schlecker-Kassen ein letztes Mal.

Mittlerweile wurden nach Angaben der Insolvenzverwaltung auch die ersten Lager verkauft. Für Grundstücke und Immobilien im baden-württembergischen Empfingen sowie im niedersächsischen Melle wurde demnach jeweils ein regionales Unternehmen als Käufer gefunden. Bundesweit stehen noch zwölf weitere Regionallager sowie das Gebäude der Konzernzentrale und das Logistikzentrum im schwäbischen Ehingen zum Verkauf.