Die Verlegerfamilie Herder steigt bei Thalia ein. Streng genommen kehren die Herders damit nur zu ihren Wurzeln zurück. Und sie haben eine Mission bei ihrem Engagement bei Thalia. 

Deutschlands größte Buchhandelskette Thalia bekommt neue Mehrheitsgesellschafter. Die Führungsrolle bei dem Buchhandelsriesen, der mehr als 280 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreibt und auch im E-Commerce mit Literatur eine große Rolle spielt, übernimmt künftig die traditionsreiche Verlegerfamilie Herder. Das teilten die beteiligten Unternehmen am Montag mit.

Thalia hatte in den vergangenen Jahren turbulente Zeiten durchgemacht. Durch den Siegeszug des Onlinehandels rutsche das Unternehmen in die roten Zahlen und musste von den bisherigen Eigentümern - dem Finanzinvestor Advent und der Unternehmerfamilie Kreke - neu ausgerichtet werden. Das führte auch zur Schließung etlicher Filialen. 

Erst Neuausrichtung, jetzt Erfolgskurs#/ZT
Doch nun sieht sich das Unternehmen nach dem erfolgreichen Abschluss der Neuausrichtung wieder auf Erfolgskurs und glänzt nach eigenen Angaben inzwischen mit Umsatzzuwächsen über dem Branchentrend. Ein guter Zeitpunkt also für einen Verkauf. 

Ein Eigentümerkonsortium um die Verlegerfamilie Herder übernimmt vom Finanzinvestors Advent International insgesamt 65 Prozent der Anteile an dem Buchhändler. Neben der Familie Herder gehören dazu auch der Digital-Unternehmer Leif Erik Göritz und der Thalia-Chef Michael Busch. Die Unternehmerfamilie Kreke bleibt auch künftig als Minderheitsaktionär an Thalia beteiligt und stockt ihren Anteil von bislang 16 auf rund 35 Prozent auf. 

Die Krekes sind noch mit 20 Prozent am Douglas-Konzern beteiligt, Douglas wiederum gehört mehrheitlich Advent. Thalia war einst Teil der Unternehmensgruppe. 

Verzahnung von stationärem Handel mit dem Internetgeschäft

Die Familie Herder ist eine der ältesten Verlegerfamilien im deutschsprachigen Raum. Für sie ist die Übernahme in gewisser Hinsicht eine Rückkehr zu den Wurzeln. Denn schon 1789 beteiligte sich ihr Vorfahr Bartholomä Herder an einer Buchhandlung. Erst vor 20 Jahren verkaufte die Familie ihre Buchläden an die Familie Kreke, die sie später in die heutige Thalia integrierte.

Manuel Herder betonte, seine Familie wolle sich langfristig bei der Buchhandelskette engagieren. Thalia stehe heute "für die Erhaltung der innerstädtischen Lesekultur" und sei Vorreiter bei der Verzahnung von stationärem Buchhandel mit E-Commerce und digitalen Angeboten wie etwa E-Books. Diese Strategie soll auch unter den neuen Eigentümern fortgesetzt werden.

Neue Läden geplant, "aber mit Augenmaß"

Dabei will Thalia nach der Schrumpfkur der vergangenen Jahre künftig auch wieder neue Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eröffnen - allerdings "mit Augenmaß", wie Thalia-Chef Busch betonte.

Insgesamt beschäftigt Thalia zurzeit rund 4.000 Mitarbeiter. Im stationären Buchhandel hat das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 15 bis 16 Prozent. Im digitalen Bereich liege er noch etwas höher: zwischen 19 und 20 Prozent.

Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.