Flottenverantwortliche blicken natürlich besonders gespannt auf die Entwicklungen und Enthüllungen rund um den Automobilkonzern. Der aktuelle Passat sei von den Abgasmanipulationen nicht betroffen, versichert Markenvorstand Herbert Diess.

Erst der Abgasskandal, jetzt das Eingeständnis, auch noch bei den Verbrauchs- und Emissionswerten getrickst zu haben. Rund um den Volkswagen-Konzern überschlagen sich die Ereignisse. Während der Gesamtschaden der Machenschaften in Wolfsburg gar nicht abzusehen ist, scheinen die Kunden die täglichen Schreckensmeldungen von und über Europas größtem Autobauer (noch) gelassen hinzunehmen.

Nach den aktuellen Zahlen des Flensburger Kraftfahrbundesamtes (KBA) lagen die Zulassungen der Kernmarke VW im Oktober praktisch auf Vorjahresniveau (minus 0,7 Prozent) und angeblich seien auch die Auftragseingänge stabil, so das Unternehmen. Gleiches gilt in der Oktober-Bilanz für Audi (plus 0,9 Prozent), während die weiteren VW-Töchter Skoda (minus 13,3 Prozent) und Seat (minus 15,7 Prozent) indes ungewöhnliche Rückgänge zu verzeichnen hatten. Allerdings lassen die Zulasungszahlen aufgrund der zumeist mehrmonatigen Lieferzeiten derzeit noch keine Rückschlüsse auf das Käuferverhalten zu.

Aktueller Passat bleibt gefragt

Aufgrund der Übermacht der Konzernfahrzeuge in den Unternehmensflotten, blicken Fuhrparkverantwortliche derzeit natürlich besonders gespannt auf die Entwicklungen und Enthüllungen. Schließlich ist der VW Passat seit Jahr und Tag Deutschlands Dienstwagen Nummer eins. Markenchef Herbert Diess versucht zu beruhigen und schwört: „Alle Neuwagen der aktuellen Modelle des Golf, Passat und Touran, die über die gültige EU6-Norm verfügen, sind von den Manipulationen um die Test-Software nicht betroffen“. Im Klartext: Der Passat der achten Generation, der vor knapp einem Jahr auf den Markt kam und in den ersten zehn Monaten des Jahres ein Zulassungsplus von 34,1 Prozent auf 81.479 Einheiten verbuchte, muss im nächsten Jahr nicht zur Revision in die Werkstatt. Wenn nicht noch weitere Überraschungen ans Tageslicht kommen...

Einst gab es den Passat sogar mit acht Zylindern. Der damalige und streng genommenen noch heutige Patriarch des Imperiums, Ferdinand Piech, der sich in der größten Krise des Konzerns derzeit auffällig still verhält, obwohl er mit Sicherheit eine Menge zur Aufklärung beitragen könnte, wollte mit dem eher braven Wagen schon zu Beginn des Jahrtausends hoch hinaus. Heutzutage hat der Bestseller solcherlei Imponiergabe gar nicht nötig, um selbst in der Chefetage als adäquates Arbeitsgerät wahrgenommen zu werden. Mehr noch: Passat Nummer acht ist aktuell fraglos der bessere Phaeton – dessen Zukunft in der Oberklasse nun angesichts des notwendigen Sparkurses ohnehin ungewiss ist.

5,9 Liter Durchschnittsverbrauch

Jedenfalls lässt sich der Mittelklassekombi derart luxuriös aufrüsten, dass es vielfahrenden Unternehmern und Geschäftsführern nun wirklich an nichts fehlt. Das beginnt schon unter der Motorhaube, wo statt dem damals durstigen W 8 nun ein aktueller 2,0-Liter-Diesel mit Harnstoffeinspritzung zur Abgasreinigung 140 kW/190 PS entfaltet und damit mindestens ebenso seidenweich über den Asphalt schwebt – bei lediglich 5,9 Litern Durchschnittsverbrauch, was für ein Fahrzeug mit diesem Leistungspotenzial beachtlich, allerdings meilenweit vom angegebenen Normwert von 4,2 Litern entfernt ist.

Diese Untugend teilt der Branchenprimus freilich mit den meisten Wettbewerbern, weshalb Behörden und Automobilindustrie dringend aufgerufen sind, endlich ein realitätsnäheres Testverfahren umzusetzen, das auch noch eine Kontrollinstanz beinhaltet. Erst Ende 2017 soll es soweit sein.

Kofferraum des Variant setzt Maßstäbe

Auf der anderen Seite des 4,77-Meter-Wagens spielt der Passat seine praktischen Trümpfe aus: Die 650 Liter Kofferraumvolumen setzen nicht nur in dieser Fahrzeugklasse Maßstäbe und werden lediglich vom Konzernbruder Octavia Combi leicht überboten.

Alles ist vornehm ausgeschlagen und orientiert sich an den süddeutschen Premium-Konkurrenten. Für den Fahrersitz steht eine Massagefunktion zur Verfügung und mit Blick auf den Kalender freut sich der Außendienstmitarbeiter alsbald bei kühlen Temperaturen über warme Hände durch die Lenkradheizung.

Bernd Nusser

Mehr zu den Auswirkungen der Abgasmanipulationen im Volkswagen-Konzern auf den Automobilhandel und die Fuhrparkverwaltung lesen Sie in der aktuellen November-Ausgabe von Der Handel, die am 10. November erscheint. Zum Probeabo geht es hier.