Wirklich überraschend ist es nicht mehr, endgültig aber auch noch nicht: René Benko könnte der neue Besitzer von Karstadt werden. Verdi gibt sich gelassen - und erneuert alte Forderungen.

Als vor einigen Wochen die Aufsichtsratssitzung von Karstadt auf den 21. August verschoben wurde, wurde als Begründung genannt, dass man sich Zeit nehmen wolle für ein neues Konzept. Das klang gut. War aber möglicherweise nicht ganz richtig.

Denn es geht derzeit mehr um als ein Konzept für das angeschlagene Warenhaus. Möglicherweise steht Karstadt vor einem Besitzerwechsel. So meldet die Onlineausgabe "Bild" unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass Karstadt in den nächsten Tagen vollständig von der österreichischen Signa-Gruppe von René Benko übernommen werde. Die Übernahmemodalitäten seien bereits vollständig ausgehandelt, schreibt das Blatt weiter.

"Wir wurden zu Hilfe gerufen"

Noch gehört Karstadt dem Deutsch-Amerikaner Nicolas Berggruen. "Wir wurden zu Hilfe gerufen, um Berggruen als Gesellschafter abzulösen", sagte Benko dem österreichischen Wirtschaftsmagazin "Format". "Es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen", betonte er auch. Laut "Format" hatte Berggruen Schwierigkeiten, eine Warenkreditversicherung zu bekommen, weswegen Signa eine Haftung über 150 Millionen Euro übernommen habe, damit Karstadt das Geschäft bis Weihnachten sichern konnte.

Benkos Signa-Gruppe hatte 2012 18 Karstadt-Häuser erworben, inklusive dem Berliner KaDeWe. Kaufpreis: 1,1 Milliarden Euro. Im Herbst 2013 übernahm Benko zusätzlich 75,1 Prozent an den Karstadt-Premium und -Sporthäusern. Teil des Geschäfts war eine Geldspritze für die Modernisierung und Stärkung aller Karstadt-Filialen in Höhe von 300 Millionen Euro.

Für Arno Peukes sind die aktuellen Entwicklungen um Benko und Berggruen keine Überraschung. "Das ist altbekannt", sagt der Gewerkschafter, der für Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat sitzt, zu derhandel.de. Ob der Österreicher jetzt tatsächlich auch Berggruen als Karstadt-Besitzer ablöst, will Peukes aber abwarten. Ohnehin ist für den Gewerkschafter zweitrangig, wem das Warenhausunternehmen gehört. "Für uns ist wichtig, welches Konzept uns vorgelegt wird." Und Peukes mahnt abermals genügend Investitionen an, um auch die Arbeitsplätze bei Karstadt zu retten. Vielleicht hat er schon an diesem Wochenende einen neuen Adressaten für seine Forderungen.