Der Nächste, bitte. Bei Karstadt ist René Benko ist jetzt der starke Mann. Was der Österreicher mit dem Warenhauskonzern plant, ist noch unklar. Aber: Die Beschäftigten sollen beim Konzept mitreden dürfen.

Den Vorabmeldungen von Donnerstagabend folgt am Freitag die Bestätigung: Die Signa-Gruppe von René Benko übernimmt Karstadt vom bisherigen Eigner Nicolas Berggruen. "Damit sorgt Signa für nötige Klarheit im Unternehmen", heißt es in einer entsprechenden Mitteilung der Österreicher.

Die Übernahme erfolge zu Beginn nächster Woche, am Donnerstag (21.) kommt dann der Aufsichtsrat von Karstadt zusammen. Grundlage der Übernahme "ist eine neu ausgehandelte Vereinbarung, die im Gegensatz zur bisherigen Call-Option die Übernahme von 100 Prozent der Anteile an der Karstadt Warenhaus GmbH vorsieht", schreibt Signa. Zusätzlich ziehe sich die Berggruen Holdings auch vollständig aus der Karstadt Premium Group mit ihren drei Kaufhäusern KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg sowie aus Karstadt Sports zurück.

"Wir machen den Weg frei für einen Neuanfang", wird Berggruen in einer Mitteilung zitiert. Der Deutsch-Amerikaner hatte Karstadt 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen.

Benko zahlt kein Geld

Der Rückzug betrifft sowohl das operative Einzelhandelsgeschäft als auch die Beteiligung an einzelnen Karstadt-Immobilien. "Signa übernimmt hier ebenso sämtliche Anteile. Es fließt kein weiterer Kaufpreis an die Berggruen Holdings", teilt das Unternehmen mit. Die Übernahme erfolgt vorbehaltlich der Freigabe durch die Kartellbehörde.

"Karstadt braucht Klarheit über die zukünftige Eigentümerstruktur. Deshalb tritt Signa jetzt auch in die operative Verantwortung", sagt Wolfram Keil, Geschäftsführer der Signa Retail GmbH. Benkos Signa-Gruppe hatte 2012 18 Karstadt-Häuser erworben, inklusive dem Berliner KaDeWe. Kaufpreis: 1,1 Milliarden Euro. Im Herbst 2013 übernahm Benko zusätzlich 75,1 Prozent an den Karstadt-Premium und -Sporthäusern. Teil des Geschäfts war eine Geldspritze für die Modernisierung und Stärkung aller Karstadt-Filialen in Höhe von 300 Millionen Euro.

Warenkreditversicherung gewährleistet

Damit habe Signa für die nötige Liquidität im Unternehmen gesorgt. Zudem sei vor kurzem durch eine Garantieerklärung der Signa auch die Warenkreditversicherung für die Karstadt Warenhaus GmbH um ein weiteres Jahr zu unveränderten Konditionen verlängert worden.

Wichtigstes Ziel sei es jetzt, dass Ruhe einkehrt, betonte Keil. Die nächsten Schritte sei eine tragfähige Sanierungsstrategie, die sowohl Aufsichtsratschef Stephan Fanderl als auch die Geschäftsführung von Karstadt bereits mehrfach angekündigt habe. Diese solle auch mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert werden.

Verdi und Betriebsrat sind erst einmal zufrieden

Für den Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates ist Benko keine schlechte Lösung. "Karstadt hätte auch mit einem Eigentümer René Benko eine Zukunft”, sagte Hellmut Patzelt am Freitag der "Textilwirtschaft". "Wir haben Konzepte für mehr Regionalität und Variabilität, die sich ohne große Investitionen umsetzen ließen", betonte der Arbeitnehmervertreter. "Ich werde versuchen, Benko davon zu überzeugen, falls er Alleineigentümer wird", so Patzelt. Freilich wolle er auch wissen, wie "wie es mit den Sanierungsplänen weitergeht".

Auch die Gewerkschaft Verdi begrüßt die Übernahme durch Benko."Im Vergleich zu Herrn Berggruen hat die Signa-Holding in den letzten Monaten über die Garantie für die Warenkreditversicherer ein klares Signal gesetzt", sagte Stephanie Nutzenberger, bei der Gewerkschaft Bundesvorstandsmitglied und zuständig für den Handel. Jetzt müsse Benko zeigen, wie sein tragfähiges Zukunftskonzept für Karstadt aussieht und dass er gewillt ist, in das Unternehmen umgehend und ausreichend zu investieren. "Es geht darum, die Standorte und die Arbeitsplätze und damit die Existenzen der Beschäftigten zu sichern und die Innenstädte durch die Karstadt-Häuser attraktiv zu halten", sagte Nutzenberger.

Beschäftigte sollen am Konzept mitarbeiten dürfen

Verdi und der Gesamtbetriebsrat fordern, dass die Beschäftigten in die Erarbeitung eines Zukunftskonzepts eingebunden werden. "Ebenso ist es notwendig, dass sich die einzelnen Filialen mit einem großen Maß an Eigenständigkeit auf die regional unterschiedlichen Kundenwünsche einstellen können. Auf dieser Grundlage und vor allem unter der Voraussetzung, dass die dringend notwendigen Investitionen erfolgen, stehen wir jederzeit für eine konstruktive Zusammenarbeit zur Verfügung" betonte Nutzenberger weiter.

Signa hat offenbar erst einmal vor, in Ruhe die Zukunft des Warenhausunternehmens zu planen. So kann man Geschäftsführer Keil verstehen: "Karstadt braucht von allen Beteiligten volle Konzentration auf die gemeinsame Sache und muss raus aus den Medien und der zermürbenden öffentlichen Diskussion. Deswegen werden wir auch in nächster Zeit keine Wasserstandsberichterstattung betreiben oder weitere mediale Ankündigungen durchführen, sondern uns innerhalb des Unternehmens ausschließlich auf die Sachthemen wie Sanierung und die Zukunftsfähigkeit von Karstadt konzentrieren."