Im Garten geht noch was, davon ist man im E-Commerce-Lager überzeugt. Gerade mal 2,4 Prozent des Umsatzes für Pflanzen, Geräte, Gartenmöbel oder Grills werden übers Netz erzielt, wie gerade eine aktuelle IFH-Studie zeigt. Daher strecken vor allem stationäre Baumärkte und Garten-Center die Fühler aus, aber auch Pure Player mischen mit. Alleskönner Amazon, der einem beim Thema Garten nicht als erstes einfällt, ist im Mai mit der Eigenmarke Strathwood in den Gartenmöbel-Markt gestartet. Wie man im schwierigen Gartenmarkt punkten kann, zeigt das Beispiel GartenXXL aus dem Hause Tengelmann.

Der Internet-Shop, der von Plus Online betrieben wird, meldet nach 100 Tagen, dass die Erwartungen trotz der langen Schlechtwetterperiode deutlich überschritten worden seien. Konkrete Absatzzahlen werden noch nicht genannt, aber ein Blick auf den Shop zeigt: Hier hat jemand verstanden, wie Beratung geht und wie man erklärungsbedürftige Produkte präsentiert.


Da ist zum einen ein Online-Magazin, in dem ausführlich dargestellt wird, wie man eine Terrasse baut, eine Outdoor-Küche mit Grillstation installiert oder einen Gartenteich hegt und pflegt. Zum anderen werden die Produkte ausführlichst erklärt, wer will, kann sich bei Interesse auch die Bedienungsanleitung des Rasenmähers als PDF herunterladen. Für ausgewählte Artikel stehen zudem Videos zur Verfügung, in denen Mitarbeiter vorführen, wie ein Gerät eingesetzt wird. Die Videos sind auch auf Youtube abrufbar. Wer darüber hinaus immer noch Fragen hat, kann sich über eine kostenlose Beratungs-Hotline an einen Experten von GartenXXL wenden. Der konsequente Beratungsansatz ist vor deshalb sinnvoll, weil damit vor allem das jüngere, Garten-unerfahrene Publikum (das aber umso online-affiner ist!) Hemmschwellen überwindet. 


Auch bei Baumarkt direkt, dem Joint Venture von Otto Group und Hagebau, hat man den Beratungsgedanken vollständig verinnerlicht. Unter dem Titel Gartenhelden.de wurde im vergangenen Jahr gleich eine ganze Community rund um das Thema Garten gegründet, die bei Facebook bereits 15.000 Fans zählt. Wer der Gemeinschaft der Helden beitritt, kann ein eigenes Profil anlegen, anderen seinen Garten zeigen und sich mit ihnen austauschen. Dazu gibt's Themenbeiträge, die zu eigenen Projekten anregen. Wer sich besonders kompetent fühlt, kann sich auch als Experte positionieren und dann seine "Follower" beraten. Im März 2013 wurde der Shopbereich eingeführt, der sich nahtlos in die Gartenhelden-Welt einfügt. 


Ganz anders verfährt die Gartencenter Gruppe Dehner, die im April den Onlineshop Dehner.de eröffnet hat. Hier sucht man weitgehend vergeblich nach Informationen, die Präsentation der Produkte steht im Vordergrund. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass Dehner sein E-Commerce-Angebot nicht als Stand-Alone-Lösung, sondern eng verzahnt mit den stationären Geschäften sieht. Sehr deutlich wird auf Dehner.de auf die lokalen Märkte aufmerksam gemacht, wo Beratung und Aufbauservice angeboten werden und ein "Pflanzendoktor" konsultiert werden kann. Geliefert wird über DHL, künftig soll es aber auch einen "Click & Collect"-Service geben, der das Zusammenspiel von stationären Geschäften und Internet ebenfalls stärken wird.