Mehr Einkaufserlebnis, keine Entlassungen und zur Not frisches Geld aus der eigenen Schatulle: Nicolas Berggruen hat große Pläne für Karstadt. Dass er Besitzer des Warenhauskonzerns wurde, war aber eher ein Zufall.

Die Übernahme von Karstadt durch Nicolas Berggruen ist offenbar einem Zufall zu verdanken. Der Deutsch-Amerikaner hatte über die Krise des deutschen Warenhauskonzerns in der Zeitung gelesen, "und dann habe ich Thomas Fox angerufen", sagte Berggruen in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Mit dem Sanierungsexperten hatte der Investor bereits 2007 erfolgreich bei der Restrukturierung des Möbelherstellers Schieder zusammengearbeitet.

Derzeit ist Fox Interimschef von Karstadt, am 1. Januar 2011 wird ihn Andrew Jennings dauerhaft ablösen. Der 62 Jahre alte Brite wurde von Berggruen persönlich ausgesucht, um das Unternehmen zu modernisieren.

Dass der künftige Karstadtchef weder die deutsche Sprache beherrscht noch den hiesigen Einzelhandel kennt, stört Berggruen nicht. "Man braucht Kreativität und neue Inputs, wenn man Karstadt drehen will. Jennings hat alle Voraussetzungen für den Job, auch wenn nicht deutsch spricht." Der Erfolg des Londoner Kaufhaus Selfridges sei schließlich auch nicht einem Engländer zuzuschreiben.

Zur Not steckt Berggruen eigenes Geld ins Unternehmen

Berggruen hat sich für die Modernisierung von Karstadt keinen strengen Zeitplan gesetzt. Klar sei aber, dass es eine Weile dauern werde, so ein großes Unternehmen "zu drehen".

Klar sei ebenfalls, dass viel Geld in den Warenhauskonzern gesteckt werden müsse, betonte der Investor. Wie schon bekannt, sollen die mehreren Millionen Euro Investitionen aus dem Cash-Flow finanziert werden. Falls das nicht reichen sollte wolle Berggruen zusätzlich eigenes Geld zuschießen. Am Kapitalmarkt werde er sich nicht bedienen. "Das sind nicht unsere Pläne."

Für Berggruen war das Engagement bei Karstadt zunächst nur eine Investitionsmöglichkeit wie viele andere in seinem Leben. Doch schnell hat er erkannt, dass an der Rettung des Unternehmens die deutsche Öffentlichkeit enormen Anteil nimmt. "Und dann habe ich mir gesagt: Karstadt ist ein wichtiges Unternehmen für Deutschland, und ich will verhindern, dass es zerstört wird."

Mehr Einkaufserlebnis

Künftig sollen die Filialen des Warenhauskonzerns mehr Einkaufserlebnis und ein besseres Warenangebot bieten, beschreibt Berggruen die Zukunftspläne. Auch die Vermarktung und das Einkaufsmanagement sollen bei Karstadt besser werden. Er  mische sich nicht ins Tagesgeschäft ein, betonte der Investor. Lediglich alle zwei Wochen telefoniere er mit Fox. "Ich bin nicht wichtig. Es kommt auf die Mitarbeiter und das Management bei Karstadt an." Er liefere Geld und Unterstützung, "aber ich kann nicht sagen, ob Karstadt lange oder kurze Röcke anbieten soll".

Auch für die noch rund 26.000 Karstadt-Mitarbeiter hatte Berggruen eine gute Nachricht: Der Deutsch-Amerikaner erneuerte sein Versprechen, kein Personal zu entlassen. "Darüber wird nicht einmal diskutiert", sagte er. "Mein Vorteil ist: Ich bin kein Fonds, ich muss nicht irgendwann verkaufen, ich kann langfristig denken."

Bis zum Jahr 2012 sind die Jobs auf jeden Fall sicher. Möglich wurde dies durch den Sanierungstarifvertrag zwischen dem ehemaligen Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und der Gewerkschaft Verdi. Laut dem 2009 ausgehandelten Kompromiss müssen die Mitarbeiter dafür für drei Jahre auf Teile ihres Weihnachts- und Urlaubsgelds sowie auf tarifliche Vorsorgeleistungen verzichten. Insgesamt beträgt dieses finanzielle Opfer der Beschäftigten rund 150 Millionen Euro.