Karstadt-Investor Berggruen attackiert die Deutsche Bank. Im Verhandlungspoker um die Warenhausmieten seien Motive des Instituts undurchschaubar. Die Bank gibt sich empört und unschuldig zugleich.

Im Ringen um die Zukunft von Karstadt hat Investor Nicolas Berggruen die Deutsche Bank scharf kritisiert. "Ich kann nicht überblicken, welche kommerziellen Interessen Borletti und die Deutsche Bank verfolgen", sagte Berggruen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Der Karstadt-Investor kritisierte die Art und Weise, wie die Frankfurter Großbank den lange nach Abschluss des eigentlichen Bieterprozesses als Interessent aufgetretenen italienischen Warenhausbetreiber Maurizio Borletti unterstützt. Er könne das überhaupt nicht verstehen.

Die Deutsche Bank spielt mit dem Feuer

"Ich kann nur sagen, die spielen mit dem Feuer und der Zukunft von Karstadt", kritisiert Berggruen. "Wir hatten ja zunächst die Unterstützung der Deutschen Bank. Glauben Sie mir, die hinterlassen auf unserer Seite extrem verblüffte Vertragspartner."

Scheinbar nebenbei verweist Berggruen darauf, dass der Deutschland-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen im Aufsichtsrat des Karstadt-Konkurrenten Metro sitzt. Der Düsseldorfer Handelskonzern bekundete mehrfach ein vitales Interesse an 60 Karstadt-Häusern.

Die Gespräche mit Goldman Sachs als dem zweiten großen Partner hinter dem Vermieterkonsortium Highstreet funktionieren laut Berggruen inzwischen etwas besser. Auch hinsichtlich der Verhandlungen mit der Essener Valovis-Bank sieht er sich so gut wie am Ziel.

Auch die Verdi setzt die beiden Banken, denen Highstreet gehört, mittlerweile öffentlich unter Druck. Die Gewerkschaft warnt vor Zerschlagung des Warenhauskonzerns. "Keine Bank in Deutschland kann es sich leisten, für den Verlust einer solchen Menge an Arbeitsplätzen mitverantwortlich zu sein", sagte Sprecherin Cornelia Haß zu derhandel.de

Deutsche Bank will nicht Herr des Verfahrens sein

Die Deutsche Bank ihrerseits zeigte sich "sehr verwundert über die Vorwürfe von Herrn Berggruen" und erklärte: "Herr Berggruen spielt hier mit der Angst der Karstadt-Mitarbeiter um die Zukunft des Unternehmens und versucht, politischen Druck auf die Deutsche Bank auszuüben, um seine geschäftlichen Ziele zu erreichen. Dieser Weg führt definitiv nicht zum Ziel."

Berggruen wisse sehr genau, dass "die Deutsche Bank von Anfang an alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt hat, um eine gedeihliche Lösung für Karstadt zu erreichen". Er verschweige, "dass die Deutsche Bank hier nicht Herr des Verfahrens ist, sondern andere dies sind". Die Deutsche Bank werde weiter "alles in ihrer Macht Stehende" tun, "um eine gute Zukunft für Karstadt und die Arbeitsplätze dort zu erreichen".

Die Zeit für Karstadt wird knapp

Berggruen machte deutlich, dass die Zeit für die Rettung von Karstadt sehr knapp wird. "Wenn wir bis Anfang September nicht durch sind, wird es das Unternehmen nicht mehr als fortzuführenden Geschäftsbetrieb geben." Am 2. September wollen sich die Highstreet-Gläubiger in London treffen, um über die neuen Mietkonditionen abzustimmen.

Einen Tag später will das Amtsgericht Essen über die Annahme des Insolvenzplans entscheiden. Zwar liegt nach den Worten Berggruens ein fertig ausverhandelter Mietvertrag schriftlich vor, es seien aber noch einige technische Details zu klären. Um nicht das Risiko einzugehen, erst am letzten Tag auf den Punkt zu kommen, habe er die Vertreter Highstreets frühzeitig für den 31. August zu einem Treffen einladen wollen. Diesem Wunsch sei aber nicht entsprochen worden.

Im Interview mit der FAZ verspricht Berggruen den Warenhauskonzern nicht zu zerschlagen, drei Jahre brauche er in jedem Falle, um die ersten guten Resultate der Sanierung präsentieren zu können. "Karstadt wird hoffentlich sehr bald wieder die Sonne sehen", erklärt der Unternehmer.

DH,  dpa

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.