Trotz aller Niedergangsszenarien, die über die Jahrzehnte ausgemalt wurden, präsentiert sich der Berliner Prachtboulevard Ku'damm als Einzelhandelsstandort lebendiger denn je.

Aushängeschild des Berliner Einzelhandels: der Kurfürstendamm. Foto: Jones Lang LaSalle
Aushängeschild des Berliner Einzelhandels: der Kurfürstendamm. Foto: Jones Lang LaSalle
125 Jahre sind eine lange Zeit und hinterlassen normalerweise tiefe Spuren.
Nicht so in einer der bekanntesten und traditionsreichsten Einkaufsstraßen der Welt, dem Berliner Kurfürstendamm.

Trotz aller Niedergangsszenarien, die Kritiker über Jahrzehnte hinweg ausmalten, zeigt sich der Kudamm in der jüngeren Geschichte erstaunlich lebendig.

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Nach der Wiedervereinigung mehrten sich mit dem wachsenden Interesse an der historischen Mitte und der wiederbelebten Friedrichstraße die Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Kurfürstendamms. Dabei hatte zum damaligen Zeitpunkt allein das KaDeWe mehr Verkaufsfläche als die gesamte Friedrichsstraße.

Berlin verträgt mehrere Zentren

Heute weiß man, dass die Metropole Berlin mehrere Zentren verträgt. Der Ku'damm hat nach wie vor die Nase vorn und ist zusammen mit der Tauentzienstraße das Aushängeschild des Berliner Einzelhandels. Darüber hinaus zählt er ohne Zweifel zu den renommiertesten europäischen Prachtboulevards. Nicht umsonst waren die Pariser Champs-Élysées das bauliche Vorbild - auch wenn der Ku'damm am Ende nur halb so breit geraten ist.

Zwar sind im Laufe der Jahre Kinos, Cafés, Restaurants und Galerien verschwunden. Doch Wandel gehört zu jedem guten Einkaufsboulevard, glaubt Andreas Kogge, Leiter Einzelhandelsvermietung bei Jones Lang LaSalle in Berlin.

"Jeder Verlust der nicht selten altbackenen Traditionsmieter wurde als Tragödie beurteilt. Die Cafés Kranzler oder Möhring zogen zwar kaum noch Gäste, dafür aber umso mehr Nostalgiker an", sagt Kogge. "Natürlich hat sich vieles verändert. Niedergangsszenarien sind aber fehl am Platze."

Mehr als 7.000 Passanten in der Stunde

Die Einzelhandels-Eckdaten der Lage sprechen für sich: Mit 75 Geschäftshäusern, insgesamt 127.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und in Spitzenzeiten über 7.000 Passanten pro Stunde ist der Kudamm eine der wichtigsten Einkaufsmeilen Deutschlands.

Mehr als 7.000 Passanten pro Stunde flanieren bisweilen hier entlang. Foto: Jones Lang LaSalle
Mehr als 7.000 Passanten pro Stunde flanieren bisweilen hier entlang. Foto: Jones Lang LaSalle
Laut Jones Lang LaSalle sind die über 200 Ladenlokale im Durchschnitt über 400 Quadratmeter groß und werden zu rund einem Drittel von Textilanbietern genutzt. Bezogen auf die Verkaufsfläche ist der Kudamm fast vollständig in der Hand nationaler und internationaler Filialisten.

Hohe Fluktuation

Seit 2006 hat nach Berechnungen von Jones Lang LaSalle rund ein Drittel der Ladenlokale den Mieter gewechselt. Die Lage ist also höchst vital und zählt mit Monatsmieten bis zu 220 Euro pro Quadratmeter nicht umsonst zu den teuersten Handelsstandorten in Deutschland.

Eine Alleinstellung hat der Ku'damm auch aus architektonischer Sicht. Die in einigen Lagen Berlins intensiv diskutierten Trivialbauten sind hier die Ausnahme. Die Lage macht ihre 125-jährige Tradition erlebbar und bietet eine schöne Altbaustruktur. Ein Pluspunkt, den viele Handelskonzepte bei ihrer Expansion zu schätzen wissen.

Besonders bei internationalen Mietern steht der Ku'damm hoch im Kurs. Hermès renoviert und erweitert seine Bestandsfläche derzeit aufwändig und wird im September 2011 neu eröffnen. Zudem geht das Luxuslabel mit einem zweiten Store im Luxuskaufhaus KaDeWe an den Start. Auch die italienische Luxusmarke Prada hat seit Februar 2011 wieder eine eigene Repräsentanz in der Hauptstadt und wählte ebenfalls den Ku'damm als Standort.

Noch Verbesserungspotenzial

Immobilienfachmann Kogge erhofft sich vom aktuellen Jubiläum auch eine Behebung verschiedener "Problemzonen": "Das Karstadt Warenhaus hätte eine Aufwertung verdient. Die am Ende doch gescheiterte Gloria Galerie sollte überarbeitet werden."

Die alte Mini City am Tauentzien, der für Berliner zum Kudamm gehört, könnte laut Kogge ebenfalls zeitgemäß restrukturiert werden. Und auch das Europa Center weise zwar sehr gute Besucherzahlen auf, könne sein großes Potenzial aber durch eine Modernisierung noch besser ausschöpfen.