Gute Nachrichten für den Handel: Die Tarifbeschäftigten verdienen dieses Jahr im Schnitt fast 3 Prozent mehr - mehr Geld zum Ausgeben. Doch die neuesten GfK-Konsumdaten dürften die Freude trüben.

Deutschlands Tarifbeschäftigte behalten 2015 deutlich mehr im Portemonnaie. Im Schnitt steigen die Löhne und Gehälter um 2,9 Prozent, wie das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung nach der Auswertung zahlreicher Tarifabschlüsse errechnete. Bei einer geschätzten Inflation im laufenden Jahr von 0,5 bis 0,8 Prozent liegt das bereinigte Plus bei gut zwei Prozent. Damit leiste die Tariflohn-Entwicklung einen wichtigen Beitrag zur Binnennachfrage und damit zum deutschen Wirtschaftswachstum, sagte Tarifarchiv-Chef Reinhard Bispinck.

Griechenland drückt die Stimmung

Zwar hat nur noch gut die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer einen Tarifvertrag. Doch die Einkommenserwartung steigt auch bei den restlichen Arbeitnehmern: Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte für den Monat Juli einen Anstieg des entsprechenden Indikators um 5,2 Zähler auf 57,2 Punkte. Seit der Wiedervereinigung war die Einkommenserwartung nicht mehr so hoch.

Die Konjunkturerwartung und die Anschaffungsneigung hingegen gingen zum Teil deutlich zurück. Das Konsumklima gab im Juli von 10,2 im Vormonat auf 10,1 Punkte nach – Grund sei die Griechenland-Krise, schreibt das GfK. Der Aufwärtstrend des Indikators für die Konjunkturerwartung ist gestoppt - er fällt auf 24,9 Punkte. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im Januar dieses Jahres gemessen. Der mögliche Austritt Griechenlands aus dem Euro verunsichere die Verbraucher nun doch, da ein „Grexit“ inzwischen ein durchaus realistisches Szenario und die Folgen nicht absehbar seien, schreiben die Konsumforscher. Deshalb schätzen die Verbraucher auch die Konjunkturaussichten weniger optimistisch ein.

Im Sog des deutlichen Abrutsches fällt auch der Indikator für die Anschaffungsneigung der Verbraucher: Er büßte mit einem Minus von 5,6 Punkten mehr ein, als er im Vormonat gewonnen hatte, und weist nun 57,0 Zähler auf. Doch noch muss der Handel nicht um größere Einbrüche fürchten: Der aktuelle Wert liegt immer noch knapp vier Zähler über seinem entsprechenden Vorjahreswert. Laut statistischem Bundesamt stiegen die realen Umsätze im Einzelhandel in den ersten vier Monaten um etwa drei Prozent. (dpa/mas)