Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane über die Klage gegen Aldi Nord, ihre Zufriedenheit mit Lidl und den Umgang mit Ikea.

Frau Mönig-Raane, Verdi hat Aldi Nord wegen Verdacht auf Bestechung und Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz verklagt.  Hat sich der Discounter seitdem bei Ihnen gemeldet?

Nein.

Ist diese Anzeige der Auftakt für eine grundsätzlich härtere Gangart von Verdi beim Umgang mit Aldi? So wie bei dessen Konkurrenten Lidl?

Die Fälle sind unterschiedlich. Bei Aldi gibt es - außerhalb der Vorgänge, die zur Strafanzeige geführt haben - die üblichen Probleme für die Beschäftigten, wie zum Beispiel ordnungsgemäße Abrechnungen bei Mehrarbeit. Aber wir planen keine Kampagne gegen Aldi, vergleichbar mit unserer Lidl-Kampagne.

Warum nicht?

Aldi Nord hat immerhin Betriebsräte. Zwar mehrheitlich von der Art, die beim Unternehmen beliebt sind, weswegen ihre Vereinigung ja auch von Aldi geschmiert wurde. Aber es gibt auch engagierte Betriebsräte. Viele davon sind Verdi-Mitglieder. Es bleibt aber grundsätzlich zu klären, wie Aldi mit der AUB umgeht. Schließlich haben wir Informationen, dass die Zahlungen von Aldi an die AUB höher waren, als das Unternehmen vor einiger Zeit eingeräumt hatte.

(Anm. d. Red: AUB ist die arbeitgeberfreundliche Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsräte. Damit will Aldi ein Gegengewicht zu Verdi-Betriebsräten bilden. Derzeit steht im Raum, dass Aldi Nord die AUB mit 350.000 Euro unterstützt haben soll. Das Unternehmen hat diese Summe nicht bestätigt.)

Wie bewerten Sie die „Reparaturarbeiten” von Lidl am eigenen Image, seitdem die Bespitzelung der eigenen Mitarbeiter bekannt geworden ist?

Lidl hat durch Verdi viel gelernt. Der Discounter macht mittlerweile eine interessante PR-Arbeit und versucht, diesen schwarzen Fleck von seinem Image zu beseitigen. Aber die Menschen, Journalisten wie Kunden, haben kein kurzes Gedächtnis. Bei neuen Verfehlungen des Unternehmens sind die Erinnerungen schnell wieder präsent.

Nicht nur Lebensmitteldiscounter sorgen für Negativschlagzeilen ...

... sondern auch H&M und Ikea.

Dort sollen Betriebsräte behindert worden sein, auch von Mitarbeiterbespitzelung ist die Rede. Werden auch diese Betriebe stärker von Verdi beobachtet?

Mit der deutschen Ikea-Leitung besteht weiterhin Gesprächsbedarf. Wenn das Unternehmen behauptet, dass die Bespitzelungsfälle aus der ZDF-Sendung nur alte Fälle seien, ist mir das zu kurz gesprungen. Das waren nicht nur alte Fälle. Denn wenn Ikea-Führungskräfte derart schulen lässt, hat das Unternehmen auch ein ganz bestimmtes Ziel.

Ihre Gespräche mit Zara waren schon erfolgreich. Die Modekette will Tariflöhne zahlen und die Zahl der befristeten Arbeitsverträge stark einschränken. Ist dieser Verhandlungserfolg eine Motivation für Verdi, das in anderen Unternehmen auch zu schaffen?

Hoffentlich ist bei allen Beschäftigten im Einzelhandel, die zu skandalösen Bedingungen arbeiten müssen, jetzt der Groschen gefallen. Sie sollten erkennen, dass man gewerkschaftlich aktiv werden muss, um Bedingungen zu ändern.

Fürchten Sie durch die Krise der Warenhäuser wie zum Beispiel bei Karstadt eine Entlassungswelle?

Ich gehe davon aus, dass niemand im Arcandor-Vorstand auf die wahnwitzige Idee kommen wird, Beschäftigte aus dem Verkauf oder verkaufsnahen Bereich zu verabschieden. Allerdings müssen die Pläne für die gesamte Führungsstruktur des Konzerns noch einmal überprüft werden.

Halten Sie Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff für den richtigen Mann, um die Karstadtkrise zu meistern?

Nennen Sie mir einen besseren.

Interview: Steffen Gerth