Mobiltelefone haben heute eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten. Doch welche Funktionen werden sich in Zukunft durchsetzen?

Was für ein tolles Ding ein Handy doch ist: Händler Mustermann checkt mobil seine E-Mail, schaut sich TV-Nachrichten an, überweist eine fällige Rechnung, fragt den Orderstatus beim Lieferanten ab, lässt sich im Auto den richtigen Weg weisen und telefoniert auch noch mit seinem „Smartphone”, wie die Alleskönner neudeutsch heißen.

Das Mobiltelefon kann heute eigentlich fast alles. Die Frage ist nur: Wer nutzt davon was genau in Zukunft?

Anbieter suchen Heilsbringer

Diese Frage wird nicht zuletzt deshalb rege diskutiert, weil die Telekommunikationsbranche einen neuen Heilsbringer sucht: Der Verfall der Preise für Sprachdienste und die Diskussion um die Gebühren für die Internetnutzung setzen die Branche unter Druck.

Einige Entwicklungen deuten bereits, wohin die Reise gehen könnte. Internetgrößen wie Google und Yahoo entdecken zum Beispiel die lokalen Anzeigenmärkte: Landkarten und Stadtpläne sollen Nutzer und Werbekunden locken.

Das Telefonverzeichnis „DasÖrtliche” setzt ebenfalls große Hoffnung auf das lokale Marketing im Mobilfunk: Handybesitzer können sich im Internet beispielsweise seit Neuestem kostenlos die Navigationssoftware „Ö-Navi” herunterladen (www.oe-navi.de). Wo immer der Nutzer gerade ist, kann er die Telefonnummer oder Adresse eines Freundes oder eines gewerblichen Eintrags suchen.

Neustart für Mobile Marketing

Grafik Mobile Dienste
Grafik Mobile Dienste
Unterdessen ist Ulf Richter, Geschäftsführer des E-Mail-Marketingspezialisten optivo, überzeugt, dass das Mobile Marketing nun bald endlich durchstartet: „Mobilgeräte wie das Handy setzen sich mehr und mehr als zentrale Kommunikationskonsolen durch. Ganz besonders im B-to-C-Bereich hat Mobile Marketing ein enormes Potential”, ist Richter überzeugt.

„Mögliche Anwendungen sind SMS-Mailings mit personalisierten Gutscheincodes, individuelle Download-Angebote auf die Mobilgeräte oder abgestufte Nachrichten abhängig von den unterschiedlichen Umsatzklassen der Empfänger”, nennt er Beispiele.

„Zugleich besteht natürlich die Möglichkeit, dass die Unternehmen die Kommunikation auf die Mobilgeräte dazu nutzen, um auf Angebote und Informationen auf ihrer Website oder in ihrem Onlineshop zu verweisen."

Mobile Kommunikation wird sich laut Richter sowohl als wichtiger eigenständiger Vertriebsweg und auch als komplementärer Kommunikationsweg fest etablieren: „Zielgruppen wie Geschäftskunden, Vielreisende und jüngere Konsumenten verwenden für ihre Kommunikation inzwischen vorrangig Mobilgeräte. Zudem nutzen immer mehr Endverbraucher mobile Geräte ergänzend zu anderen Empfangsgeräten.”

Die Grenzen der Technologie

Bei allem was möglich ist, bleibt aber immer noch die Frage, ob alles so kommt, wie es sich die Mobilbranche wünscht. Der Leiter des Arbeitskreises Mobile Internet & Entertainment des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW), Olav A. Waschkies, ist vom Durchbruch des Mobile Internets fest überzeugt.

Zum einen verfügten die UMTS-Betreiber in Deutschland mittlerweile über belastbare Netze, die auch für die Datenkommunikation ausgerichtet sind und sich von den Übertragungsraten her mit den bekannten Geschwindigkeiten von DSL aus dem Festnetz messen lassen können. Zum anderen haben sich die Handys weiterentwickelt.

Darüber hinaus hat die Branche bei den digitalen Inhalten dazugelernt und Erfahrung gesammelt: „In den letzten Jahren haben Anbieter die Zeit systematisch genutzt, ihre Infrastrukturen auszubauen, Inhalte zu digitalisieren und sich in die Lage versetzt, heute den Nutzern Inhalte in einer bisher nicht da gewesenen Quantität und Qualität anbieten zu können,” sagt Waschkies.

Last, but not least tritt dieser generelle Lerneffekt auch bei den Anwendern ein, die zusehends technikaffiner werden: „Menschen ändern ihr Verhalten nicht von heute auf morgen, nur weil es technisch möglich ist”, so Waschkies.

„Die Nutzer haben in den letzten Jahren sehr viel gelernt und sich so eine digitale Kompetenz erworben, die sie in die Lage versetzt und vor allem das Bedürfnis hervorruft, digitale Inhalte und Services auch mobil zu nutzen.”

Die zeitgleich gestiegene Mobilität der Menschen werde dieses Bedürfnis noch verstärken.