Wenn Online-Shopper mit vollem Warenkorb den Einkauf in letzter Sekunde abbrechen, liegt das in den meisten Fällen an den Bezahlarten. In einer Studie geben 48,7 Prozent der Befragten an, dass sie einen Online-Einkauf schon einmal abgebrochen haben, weil die gewünschte Bezahlart nicht angeboten wurde. Überraschenderweise sind die jungen Einkäufer besonders fix mit dem Klick auf „Abbrechen“, auch das zeigt die Studie. Frank Breuss, Director International Sales beim Payment-Lösungsanbieter PPRO Group, sagt, welche Trümpfe Händler gegen eine hohe Abbruchquote beim Checkout in der Hand haben und wie sich selbst klassische Zahlarten noch optimieren lassen. 
Frank Breuss, PPRO Group
Frank Breuss, PPRO Group

 

Tipp 1: Passenden Zahlarten anbieten

Bieten Sie nicht einfach „irgendwelche“ Bezahlarten an und auch nicht nur die, die für Sie als Händler die meisten Vorteile bringen. Wählen Sie vielmehr die passenden Bezahlarten aus, also auch unbedingt die Wunsch-Zahlarten Ihrer Zielgruppe. Unsere Erfahrung sagt, dass die Minimalausstattung an Zahlungsarten die Top 3 in jedem Land ist, in dem aktiv verkauft wird. Damit erschlägt man den größten Teil der Käuferwünsche. Eine bessere Quote erreicht man aber mit den Top 5 bis 7 Zahlarten. Berücksichtigt man keine anderen Faktoren, sollte ein Onlineshop seinen deutschen Kunden folgende Bezahlarten anbieten: SEPA-Lastschrift, Rechnung, Vorkasse, Sofortüberweisung, giropay, Kreditkarte und PayPal. Für Österreich sollte man unbedingt eps, das dortige weitverbreitete online-Überweisungs-Verfahren, einplanen und dafür das rein deutsche giropay weglassen. Verkauft man auch in Holland, kommt man nicht um iDEAL herum, dazu SEPA-Lastschrift, Rechnung, Kreditkarte und PayPal. Für Polen sollte unbedingt das Bezahlverfahren Przlewy24 ins Portfolio aufgenommen werden. Weitere Tuning-Möglichkeiten gibt es bei genauerer Analyse von Bezahlvorlieben bestimmter Zielgruppen oder Branchen.

Tipp 2: Payment-Dienstleister helfen

Das Thema Bezahlarten ist wichtig und kann vor allem dann komplex werden, wenn man einen internationalen Web-Shop betreibt. Aber auch wenn Sie nur in Deutschland verkaufen kann die technische Anbindung Ihres Shops an Zahlartenanbieter viel Zeit in Anspruch nehmen. Wer diese Zeit selbst nicht aufbringen will und sich lieber auf das Kerngeschäft konzentriert, kann mit einem Payment-Dienstleister (Payment Service Provider, PSP) Profis ins Boot holen. Die kennen die bevorzugten Bezahlarten in fast jedem Land und übernehmen auf Wunsch auch den Papierkram für das sogenannte Acquiring und die technische Anbindung. Zentrale Abrechung, das Einsammeln von Einnahmen aus verschiedenen Ländern und auch weiterführende Dienste wie Risiko-Management haben viele PSPs im Angebot.

Tipp 3: Auf Push-Payments setzen

Natürlich ist es ratsam, die klassischen Pull-Payments anzubieten, denn Kreditkarten und Lastschrift sind weit verbreitet und bei den Kunden beliebt. Doch behalten Sie den Mix im Auge: Push-Payments wie etwa Direktüberweisungen sind für Sie als Händler vorteilhafter, weil Sie sich keine Gedanken um Zahlungsausfälle durch Rücklastschriften machen müssen. Darüber hinaus müssen Sie sich nicht mit dem sicheren Aufbewahren von Bezahldaten herumschlagen und sich auch nicht mit Zahlungsausfällen beschäftigen.

Tipp 4: Klassische Zahlarten optimieren

Vorkasse ist ein rotes Tuch für Kunden. Aber oft nicht, weil vorab bezahlt werden muss, sondern will man bei Vorkasse-Zahlung meist sehr lange auf die bestellten Waren wartet. Lastschriften fallen dagegen bei den Händlern durch, denn hier ist die Wahrscheinlichkeit von Rückbuchungen sehr viel höher. Doch diese Zahlarten lassen sich optimieren, wie einige am Markt erhältliche Varianten der klassischen Zahlarten zeigen. So kann man beispielsweise per SEPA Lastschrift ein mobiles One-Click-Payment realisieren, perfekt für die Integration in den mobilen Web-Shop. Es gibt auch eine „verbesserte Vorkasse“, mit der Sie den Klassiker beschleunigen und so für mehr Kundenzufriedenheit sorgen. Auch an dieser Stelle helfen PSPs weiter, denn sie haben immer den Überblick, was bei Bezahlarten alles möglich ist.

Tipp 5: Mobil werden, aber richtig

Der Anteil der Online-Shopper, die via Smartphone oder Tablet einkauft, variiert zwar von Land zu Land, grob gesagt läuft aber jeder fünfte Kauf heute mobil ab. Damit hinkt der M-Commerce hinterher, denn jeder dritte Internet-Zugriff läuft heute über ein mobiles Gerät. Neben einem für mobile Einkäufer optimierten Web-Shop braucht es auch passende Bezahlsysteme, etwa ein One-Click-Payment, denn wer will schon ganze Webforumlare mit SEPA-Bezahldaten auf dem Smartphone ausfüllen? Dass viele Shops die richtige mobile Strategie noch nicht gefunden haben, zeigen die im Vergleich zu PCs und Notebooks niedrigeren Konversionsraten.

Tipp 6: Lokal wirken

Internationale Shops sollten Kunden nicht verwirren, indem sie ihnen sämtliche Bezahlarten auf einer generischen Auswahlseite anzeigen. Das verunsichert nur und führt zu Kaufabbrüchen. Ziel muss es vielmehr sein, den Kunden über Geotargeting richtig anzusprechen. Das bedeutet, der Shop erkennt, woher der Kunde kommt und schneidet nicht nur das Angebot sondern die Bezahlarten darauf zu. So haben Kunden das Gefühl, sie kaufen in einem lokalen Shop ein. Für die Bezahlarten bedeutet das, dass nur die fünf bis sieben relevantesten Bezahlarten für das jeweilige Land angezeigt werden sollten - und das im optimalen Fall in fehlerfreier Landessprache.

Tipp 7: Automatisieren

Nutzen Sie rund ums Bezahlen so viele Automatiken wie Sie kriegen können. Viele Shops ordnen Transaktionen heute noch händisch den Bestellungen zu. Was mit zehn Bestellungen pro Tag vielleicht noch funktioniert, ist aber zum Scheitern verurteilt, wenn das Geschäft richtig los geht. Umständliche Prozesse im Backend verzögern die Bestellung unnötig und Kunden ärgern sich über lange Wartezeiten. Setzen Sie deshalb auf Tools zur Automatisierung.

Tipp 8: Sicherheit gewährleisten

Händler müssen den Spagat zwischen Sicherung der eigenen Interessen und der Sicherheit für Kunden schaffen. Es gilt also, Betrugsmöglichkeiten zu minimieren und trotzdem schnell zu arbeiten. Auch hier bieten viele Payment Service Provider nützliche Dienste rund um Betrugsprävention an.

Tipp 9: Statistiken lesen

Das Thema Bezahlarten muss immer wieder hinterfragt werden, denn die Gewohnheiten der Menschen ändern sich. Hier helfen detaillierte Statistiken zum eigenen Shop, sowohl über die Umsätze als auch über Abbruchquoten. So kann man Trends früh erkennen und beispielsweise Bezahlarten substituieren.

Tipp 10: Trends in Augen behalten

Sie müssen nicht jeden Tag die Payment-Optionen in Ihrem Shop über den Haufen werfen, aber sie sollten die Trends im Auge behalten. Was wird das nächste große Ding? Warten Sie nicht, bis die Konkurrenz es ausprobiert, sondern bewerten Sie die Trends selbst und seien Sie vorne mit dabei.