Bei Bier ist der Preiskampf im Handel heftig. Premium-Brauer fürchten um die Sogwirkung der Kampfpreise, Marktforscher warnen, dass die Händler sich mit den Rabattaktionen selbst keinen Gefallen tun. 

Woche für Woche servieren große Lebensmittelhändler Pils im Angebot.
Der Kasten mit 20 Halbliter-Flaschen wird für 10,49 oder 9,99 Euro offeriert, manchmal sogar für 8,88 Euro. Dabei winken satte Rabatte in zweistelliger Prozenthöhe.

Der seit fast zwei Jahren tobende Preiskampf mit Bier erreichte 2011 einen neuen Höhepunkt. Noch nie waren die Aktionspreise so tief. Noch nie griffen die Verbraucher so häufig bei Preisaktionen zu. Dieses Bild ergibt sich aus Analysen der Marktforscher von GfK und Nielsen. Trotzdem versuchen einige Brauer, Preiserhöhungen im hartumkämpften deutschen Biermarkt durchzusetzen.

Preiskampf bei den "Fernseh-Bieren"

"Es gibt so viele Aktionen. Die Promotions rücken immer stärker in den Fokus", sagt GfK-Biermarktexperte Horst Zocher. Der Preiskampf tobe insbesondere im Premiumbereich, bei den gehobenen Pils-Marken, die häufig mit TV-Spots beworben werden. In diesem Segment hätten die Verbraucher 2011 im Schnitt zwei Drittel der Bierkästen während einer Preisaktion gekauft.

Nur ein Drittel ging dieser Analyse zufolge ohne Rabatt oder Zugabe über die Kassen. 2004 war dieses Verhältnis noch umgekehrt. Der durchschnittliche Kastenpreis der Aktionen sank laut GfK auf 10,01 Euro - ein neuer Tiefststand. Die Preisreduzierung zum normalen Kastenpreis betrug dabei im Schnitt 2,14 Euro - ein Rekord.

"Sogwirkung" der Kampfpreise auch auf teurere Biere

"Die Entwicklung ist dramatisch", meint der Nielsen-Getränkeexperte Stefan Röse. Die besonders aggressiven Reduzierungen in der oberen Preislage auf Kastenpreise unter 10 Euro hätten Sogwirkung. Zu solchen Kampfpreisen gingen 2008/2009 weniger als 4 Prozent der Premium-Pils-Kästen über die Ladentische. "Dieser Wert hat sich fast versechsfacht."

Jeder vierte Haushalt kaufe die zehn untersuchten Pilsmarken der oberen Preisklasse, die bundesweit vertrieben werden, nur noch in Aktionen. "Jeder zehnte Haushalt kauft sie nur unter 10 Euro je Kasten." Viele Schnäppchenjäger kämen nicht mehr, wenn ein Händler davon abrücke. So heißt Röse's Studie "Der Nächste bitte!"

Händler hoffen auf Großeinkäufe

Bier im Supersonderangebot - da können Händler auf Großeinkäufe hoffen. Bierkästen holt man am besten mit dem Auto. Und dann wandern auch andere Lebensmittel wie Gemüse oder Kaffee mit in den Korb. Das belegt die Auswertung der Kassenbons von Biertrinkern durch Nielsen.

Allerdings lassen jene Verbraucher, die Aktionsbier kaufen, in der Regel auch für andere Dinge weniger Geld im Supermarkt. Nachhaltiges Wachstum sei mit den Preisaktionen nicht zu erzielen. "Das ist eine Sackgasse", betont Röse. Markenpflege und regionale Konzepte seien Ansatzpunkte, die von mittelständischen Brauern unterstützt würden, wie der Bierkongress in Düsseldorf vor wenigen Tagen gezeigt habe.

Keine Anzeichen für eine Entspannung

Geht der Preiskampf 2012 unvermindert weiter? Nielsen sieht keine Anzeichen für Entspannung. Im Handel und der Braubranche sei der Druck durch Überkapazitäten hoch. Preiserhöhungen nimmt dennoch der Marktführer, die Radeberger Gruppe, zum 1. Februar für einen Teil der Produkte in Angriff. Ob die Handelsunternehmen höhere Abgabepreisen selbst "schlucken" oder an die Verbraucher weiterreichen, bleibt abzuwarten.

Einige andere Brauer haben ihre Weizenbier-Abgabepreise erhöht. "Preisaktionen werden mit großen Pilsmarken gemacht, weil Handelsketten Werbung bundesweit schalten", erklärt GfK-Experte Zocher. Spezialitäten stünden nicht im Fokus des Preiskampfes.

Volker Danisch, dpa