Prächtiges Biergartenwetter und die WM-Erfolge der deutschen Mannschaft haben den Bierabsatz deutlich gesteigert. Die Brauereien träumen jetzt von einem langen Sommer - und vom Endspiel.

Für die deutschen Brauereien könnte es im Moment nicht besser laufen: Die Hitzewellen und das Fußball-Fieber treiben den Absatz kräftig in die Höhe. Erste Zahlen aus der Branche zur Nachfrage im Juni erinnern an das "Sommermärchen" 2006, als die Brauereien von der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land kräftig profitierten.

Für Krombacher war der Juni 2010 der beste Monat in der Geschichte der Brauerei. Veltins verkauft an den Tagen vor den Spielen der deutschen Nationalmannschaft so viel Bier wie sonst zu Silvester oder Ostern. Carlsberg Deutschland erwartet unter anderem für die Marken Holsten und Lübzer ein deutliches Absatzplus im Juni.

"Das Sommermärchen ist übergesprungen von der letzen Fußball- Weltmeisterschaft", sagt der Sprecher von Carlsberg Deutschland, Udo Dewies. Die gute Stimmung schlage sich im Absatz nieder. Veltins-Sprecher Ulrich Biene beobachtet, dass insbesondere die Biergärten gut laufen. "Der Frühling ist weggefallen, jetzt möchten die Leute nach draußen und den Sommer genießen", berichtet er.

Weniger Bierdurst im ersten Halbjahr

Ähnlich sieht es Birte Kleppin, Sprecherin des größten deutschen Bierherstellers, der Radeberger Gruppe. Nicht nur bei den Gästen, auch bei den Brauereien gebe es Nachholbedarf. "Im Moment gleichen wir einfach aus, was in den Monaten zuvor aufgrund der Kälte nicht gekommen ist."

Wie schlecht das Geschäft im Branchen-Durchschnitt noch vor kurzem lief, zeigt die jüngste Auswertung des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag. Demnach sank der Bierabsatz im Mai 2010 auf 9 Millionen Hektoliter - den niedrigsten Stand in einem Mai seit 1993. Das sind gegenüber dem Mai 2009 fast 3 Prozent oder 2,4 Millionen Bierkästen weniger.

Im April betrug das Absatzminus sogar 11 Prozent, weil ein Jahr zuvor bei schönem Wetter so viel Bier floss wie lange nicht mehr. Der Juni 2010 war so gut, dass zumindest ein Teil der großen Brauereien für das erste Halbjahr 2010 ein Wachstum ausweisen kann. Krombacher steigerte den Ausstoß um 2,8 Prozent. Veltins hat im ersten Halbjahr 2010 sogar noch stärker zugelegt.

Preiskampf geht weiter

Aber nicht nur so manche Brauerei läuft auf Hochtouren, sondern auch der Getränkefachgroßhandel. "Es gibt locker 100 Prozent mehr Bestellungen als an einem durchschnittlich kalten Tag", sagt Verbandschef Günther Guder. Der Preiskampf bei Bier halte aber trotz der gestiegenen Nachfrage an.

Wie Brauer mit Verweis auf die GfK-Marktforscher berichten, wurde 2009 etwa jedes zweite Premiumpils zu einem Aktionspreis in Supermärkten und Getränkemärkten verkauft. 2003 war es erst jede vierte Flasche. Der durchschnittliche Preisnachlass gegenüber dem Normalpreis hatte sich von 80 Cent auf 1,70 Euro je Bierkasten mehr als verdoppelt.

"Wir brauchen jetzt eine schönen langen Sommer", meint die Sprecherin der Radeberger Gruppe. Das würde der Branche, die seit Jahren einen schrumpfenden deutschen Biermarkt erlebt, richtig gut tun.

22 plus 22 - ideale Kombination fürs Bier trinken

Als ideal gilt die Kombination 22 plus 22, also mindestens noch 22 Grad um 22.00 Uhr. Dann fließe erfahrungsgemäß Bier in Strömen - auch ohne die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Veltins wäre schon zufrieden, wenn es die Nationalmannschaft ins Finale schafft und noch einmal die Kassen kräftig klingeln, weil sich Fans und Gastronomen kräftig eindecken. "Das Endspiel wäre ein Brauer-Traum.

Das "Sommermärchen" wäre perfekt, meint Unternehmenssprecher Biene.
Allerdings würden die Zuwächse im Juni wahrscheinlich nicht bei allen Brauereien reichen, um Rückgänge aus den Vormonaten auszugleichen.

dpa

Sehen Sie hier ein Video über die Bedeutung der WM für die Wirtschaft (MittelstandTV).