Wer den Zuschlag für Kaufhof bekommt, bleibt noch einige Zeit offen. Der Mutterkonzern Metro ist "auf niemanden festgelegt", sagt der scheidende Vorstandschef Eckhard Cordes.

Die Zukunft der mehr als 100 Kaufhof-Warenhäuser mit ihren mehr als 20.000 Beschäftigten ist völlig offen. Im Bieterwettstreit um Kaufhof ist der Mutterkonzern Metro "auf niemanden festgelegt", sagte der scheidende Metro-Chef Eckhard Cordes in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Ich gehe davon aus, dass der Verkauf voraussichtlich noch einige Zeit dauern wird", betonte Cordes. Es gebe eine Fülle von Details, die neben dem Preis zu klären seien. "Solche Transaktionen dauern. Nur Kaufpreis, zack, that's it - so einfach läuft das nicht."

Cordes machte deutlich, dass Metro nicht unter Verkaufsdruck stehe, und sich deshalb Zeit nehmen könne, eine Lösung zu finden, die auch im Interesse der Beschäftigten stehe.

"Wir verkaufen nicht um jeden Preis, sondern nur zu angemessenen Bedingungen. Wir stehen nicht mit dem Rücken zur Wand", sagte der Manager, der Anfang 2012 vom bisherigen Finanzchef Olaf Koch abgelöst wird. "Wir machen den Deal, der für Metro und die Kaufhof-Mitarbeiter der Beste ist."

Cordes kommentiert Unternehmenswert nicht

In der Branche wird der Unternehmenswert von Kaufhof auf zwei bis drei Milliarden Euro taxiert. Cordes wollte das nicht kommentierten: "Dazu darf ich nichts sagen, und ich kann es derzeit auch noch gar nicht."

Besonders werthaltig sind dabei die Immobilien in den deutschen Innenstädten. Kaufhof erzielte 2010 einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro und einen um Sonderfaktoren bereinigten operativen Gewinn von 138 Millionen Euro.

Die Metro veröffentlicht nicht, was ihre Töchter unter dem Strich verdienen. Neben mehr als 100 Warenhäusern und 16 Sporthäusern in Deutschland betreibt Kaufhof 15 Filialen in Belgien unter der Marke "Inno".

Weitere Gespräche mit Signa und Berggruen

Angebote für Kaufhof haben die österreichische Immobilienfirma Signa und der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen vorgelegt. Mit beiden Interessenten sollen weitere Gespräche geführt werden, um technische Details und offene fragen zu klären, hatte ein Sprecher der Metro AG nach einer Aufsichtsratssitzung am Freitag mitgeteilt.

Berggruen und der Finanzinvestor Blackstone hatten ihr Angebot vor der Aufsichtsratssitzung nachgebessert. Laut Cordes hat dies allerdings nicht den Ausschlag für die Verzögerung im Verkaugsprozess gegeben. "Ob mit oder ohne Herrn Berggruen, der Aufsichtsrat hätte am Freitag nicht über den Verkauf des Kaufhofs entschieden."

Zu den Plänen von Berggruen sagte Cordes: "Ich kenne nicht mehr die aktuellen Zahlen, kann also nicht beurteilen, ob ein Zusammengehen noch sinnvoll ist." Kaufhof brauche Karstadt aber nicht, "um weiter erfolgreich zu sein".

Nach der Karstadt-Insolvenz hatte Cordes Interesse für Teile des Essener Konzerns angemeldet. Er kam aber nicht zum Zug, weil der Insolvenzverwalter Karstadt nur als Ganzes verkaufen wollte.