Mit dem Bikini Berlin hat Deutschland seit Neuestem seine erste Concept Mall. Der Handel sprach mit Dr. Jürgen Büllesbach, Vorstand des Eigentümers Bayerische Hausbau, über das Einkaufszentrum eigener Art.

Herr Dr. Büllesbach, Sie haben zwischen KaDeWe und Zoologischem Garten eine Concept-Mall unter der Marke "Bikini Berlin" eröffnet. Was unterscheidet aus Ihrer Sicht eine Concept-Mall von einem herkömmlichen innerstädtischen Shoppingcenter?
Bikini Berlin ist inhaltlich keine herkömmliche Shopping Mall mit den vielerorts bekannten großen Filialisten. Wir präsentieren besondere internationale Modelabels, Concept-Stores, Galerien und Berliner Designer, die es zum großen Teil in Berlin und Deutschland noch nicht mit einem eigenen Geschäft gibt. Wir haben auch keinen klassischen Ankermieter, wie die meisten Malls.

Wie wollen Sie denn eine große Anzahl von Verbrauchern dann dauerhaft in Ihre Mall führen?
Mit Concept-Stores und sogenannten Boxes - und einem Sortimentsmix aus Fashion, Design, Beauty, Home und Food.

Worauf haben Sie bei der Zusammenstellung der Stores im Bikini Berlin besonders geachtet?
Wir haben nicht den klassischen Vermietungsweg eingeschlagen und die Mieteinheiten mit großen Filialisten gefüllt. Wir wollten neuartige, besondere Retail- und Gastronomiemieter, junge Designer, die für Berlin oder gar Deutschland ein Novum darstellen. Zudem haben wir viel Wert darauf gelegt, dass die Produkte der Mieter hochwertig sind. Wir haben Mieter, die man normalerweise in einer Shopping Mall nicht antrifft. Etwa Andreas Murkudis, der einen Concept-Store betreibt, Mykita oder auch der Einrichtungs-Konzept-Store Gestalten. Die italienische Fashionmarke Aspesi eröffnet beispielsweise bei Bikini Berlin ihren ersten Shop außerhalb Italiens.

Foto: Santiago Engelhardt
Foto: Santiago Engelhardt
In Ihrer Mall haben Sie sogenannte Boxes etabliert. Was hat es damit auf sich?
Unsere Bikini-Berlin-Boxes sind Modulsysteme aus Holz, zwischen 19 und 39 Quadratmetern groß. Hier können junge Designer, Manufakturen oder bekannte Labels, die neue Zielgruppen oder Produkte testen wollen, ihre Waren präsentieren. Die Boxes sind nur begrenzt mietbar, maximal bis zu einem Jahr. Dadurch entsteht ständig Bewegung und Innovation.

Reicht der Mehrwert aus Concept-Stores und Boxes aus, um Verbraucher dauerhaft zu überzeugen?
Sie sind ein Teil unseres Konzeptes. Wir bieten zudem eine besondere Aufenthaltsqualität. Dies erreichen wir unter anderem mit unserer 7.000 Quadratmeter großen Dachterrasse auf der Rückseite des Bikini-Hauses. Hauptinspirationsquelle hierfür war der Highline Park in New York. Hier wurde auf alten stillgelegten Bahngleisen über der Stadt eine grüne Oase, ein Park für die Bevölkerung geschaffen. Dies wird auch unsere Dachterrasse für die Berliner und Touristen in Zukunft bieten. Ein Ort zum Rückzug, wo man in Ruhe eine Kaffee oder einen Snack zu Mittag genießen kann.

Warum haben Sie nicht einfach ein von den Verbrauchern gelerntes Shoppingcenter etabliert?
Klassische Shopping Malls gibt es in Berlin genug. Es sind inzwischen fast 60. Berlin braucht keine weitere.

Was haben Sie bei der Gestaltung Ihrer Concept-Mall beachtet?
Bei herkömmlichen Malls erschließen sich die Geschäfte meist nur von innen. Wir verschließen unseren Gebäudekomplex nicht nach außen. Die Geschäfte und Restaurants im Erdgeschoß, welche zur Budapester Straße liegen, präsentieren Schaufensterfassaden und können direkt von der Straße durch Ladentüren erreicht werden. Bikini Berlin ist mit seiner Architektur und Ausrichtung ein Teil der Stadt, ein Teil des Breitscheidplatzes.

Foto: Santiago Engelhardt
Foto: Santiago Engelhardt
Warum haben Sie die Mall "Bikini Berlin" genannt?
Der Name geht auf die ursprüngliche Bezeichnung "Bikinihaus" zurück, den die Berliner dem ehemaligen Zoobogen gegeben haben. Früher teilte ein von Säulen eingefasstes Luftgeschoss, welches heute voll verglast ist, das Bauwerk in eine obere und untere Hälfte. Dies erinnerte den Berliner der 50er-Jahre an einen Bikini.

Was machen Sie mit dem Bikini Berlin anders als das KaDeWe?
Das KaDeWe präsentiert die klassischen Fashion- und Beauty-Marken. Hier findet man als Kunde nahezu alle bekannten hochwertigen Labels. Bikini Berlin steht auch für einen hochwertigen Mietermix, allerdings finden die Kunden bei uns Flagship-Stores von internationalen oder nationalen Labels, die zum Beispiel im KaDeWe nicht als Monomarke auftreten. Darüber hinaus trauen wir uns auch an weniger angepasste oder kleine Newcomer-Labels heran. Unser Vermietungsteam geht aktiv auf die Suche nach Neuheiten.

Sie sprechen von Deutschlands erster Concept-Mall. Planen Sie weitere "Bikinis" in München, Hamburg und Düsseldorf?
Nein, eine weitere Concept-Mall ist noch nicht in Planung.

Interview: Klaus Mehler