Der Springer-Verlag versucht sein Glück als Onlinehändler: Die Bild-Zeitung hat heute einen eigenen Webshop eröffnet - und verkauft nun Fahrräder und Heckenscheren im Netz.

"Hier kauft Deutschland" titelt der neue Webshop der Bild-Zeitung; fünf Euro "Begrüßungsgeld für Neukunden" gibt es zum Start am heutigen Dienstag.

Im Angebot hat die Boulevardzeitung unter anderem Markenprodukte wie Hochdruckreiniger, Handys, Netbooks, Fahrräder und Kaffeemaschinen. Ach, und auch eine hauseigene Bild-Tasse für 5,99 Euro. 

Zum Auftakt präsentiert der Shop dabei die drei Themenwelten Garten, Spielen und Fahrrad  (erinnert stark an Tchibo) sowie "ein buntes Eröffnungssortiment", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Als Live-Shopping-Angebot gibt es zudem ein "Produkt des Tages" - zur Eröffnung ist dies eine Kehrmaschine von Kärcher.

Zielgruppe Bild-Leser

Neben dem "gutem Preis-Leistungs-Verhältnis" und "hoher Benutzerfreundlichkeit" soll sich die neue Einkaufswelt den Unternehmensangaben zufolge "insbesondere durch das klar auf die Zielgruppe der Leser und Nutzer von Bild ausgerichtete Angebot" auszeichnen.

"Wir kennen die Bedürfnisse unserer User und Leser", ist nämlich Donata Hopfen, Geschäftsführerin der Bild digital GmbH, die für den Shop zuständig ist, überzeugt. "Dieses Wissen, das Vertrauen unserer Leserschaft und unsere hohen Reichweiten nutzen wir nachhaltig dafür, den Bild Shop als weiteres attraktives Angebot in der digitalen Welt zu etablieren."

Kerngeschäft floppt im Internet

Der Springer-Verlag verdient zwar mit Ageboten wie dem Marketinganbieter Zanox oder Immo.net im Netz Geld. Allerdings ist es auch diesem Verlag bislang nicht gelungen, mit dem Kerngeschäft, der rein auf Werberlöse angewiesenen Inhalte-Plattform Bild.de, Kasse zu machen.

Der Webshop könnte dies nun ändern, zumal die Artikel der Aktionspartnerschaften mit Markenartiklern für preiswerte "Volksprodukte" im Internet bestens verkauft werden können. Bild brachte beispielsweise schon mal zusammen mit Kodak eine Volks-Kamera heraus, mit Talkline das Volks-Handy und mit Adidas den Volks-Laufschuh.

Händler können sich was abschauen

"Echte" Händler dürften von dem Vorstoß des Verlagshauses nicht sonderlich begeistert sein. Sie können jedoch auch von den Medien lernen.

"Wenn sich Fernsehsender bei anderen Branchen wie dem Handel bedienen, können sich umgekehrt auch Händler Rosinen aus deren Geschäftsmodell picken", rät der Musikproduzent und Internetbeobachter Tim Renner. Neben der persönlichen Ansprache der Medien könne sich der Händler etwa an den redaktionellen Texten orientieren.

"Wer beispielsweise Geschichten zu einzelnen Produkten erzählen kann, begeistert seine Kunden und kann eine eigene Fangemeinde aufbauen", sagte Renner auf dem Europäischen Onlinehandelskongress in Berlin. "Denn mit klugen Texten gewinnt ein Händler nur an Glaubwürdigkeit."