Die Verbraucher greifen immer mehr zu Bio-Lebensmitteln. Doch die Branche beklagt, dass die Kundennachfrage schneller wächst als die heimische Anbaufläche.

Aus der kleinen Liebhabernische sind sie längst heraus: Ökologisch produzierte Lebensmittel von Tomaten über Joghurts bis zu Brot und Kuchen sind zu einem Milliardengeschäft geworden. Das Tempo, in dem der Bio-Anteil in Handel und Landwirtschaft wächst, ist vielen in der Branche aber bei weitem nicht schnell genug.

Dabei hat sich das Verbraucherinteresse auf hohem Niveau eingependelt. Schonend hergestellte Produkte können zudem vom Trend zu Regionalität profitieren. Doch die Bio-Welle rollt in zwei Geschwindigkeiten.

Bio- Supermarktketten in Großstädten expandieren

Da sind zum einen die Kunden. Immerhin knapp drei Viertel der Bundesbürger greifen nach eigenem Bekunden inzwischen wenigstens gelegentlich zu Ware aus ökologischem Landbau. Dabei gewann der Trend bei jungen Konsumenten unter 30 Jahre nun sogar an Schwung, wie eine aktuell vom Bundesagrarministerium vorgelegte Studie ergab.

Der Bio-Umsatz durchbrach nach Branchenangaben im vergangenen Jahr erstmals die Schwelle von sieben Milliarden Euro. Gemessen am gesamten deutschen Lebensmittelmarkt bedeutete das allerdings nur eine Verbesserung um 0,2 Punkte auf einen Anteil von 3,9 Prozent.

Zum anderen ist da aber die Entwicklung auf den heimischen Äckern und Höfen. Der Anteil der biologisch bewirtschafteten Felder erhöhte sich nach amtlichen Daten im vergangenen Jahr gerade einmal um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent der gesamten Nutzfläche. Das Wachstum der Öko-Äcker sei schon seit Jahren deutlich langsamer als das Plus beim Handelsvolumen, moniert der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft.

Die Folge: Ein großer Teil der wachsenden Nachfrage muss durch Importe gedeckt werden. Zumal längst auch in den Regalen von Discountern und normalen Supermärkten Bio-Produkte zu finden sind und Bio-Supermarktketten in Großstädten expandieren.

Bio-Verbände kritisieren Ministerin Aigner

Auch um weite Transportwege zu vermeiden, sollten Landwirte stärker auf Bio setzen, wirbt Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU). "In den regionalen Märkten steckt ein großes Potenzial, das gerade auch die heimischen Biolandwirte für sich nutzen sollten." Warum es nicht schneller vorangeht, ist umstritten. Der Bund ruft die Länder auf, ihren Anteil zu Fördermöglichkeiten beizutragen.

Dagegen kritisieren Bio-Verbände und die Grünen, der Bund engagiere sich zu wenig, etwa auch bei der Unterstützung der Forschung und dem Ausbau des Biolandbaus. "Erst erhöht Aigner die Bioprämie nur in Größenordnung des Inflationsausgleiches. Dann nimmt sie den Bundesländern das Geld weg, mit dem diese den Ausbau des Biolandbaus finanzieren könnten", kritisiert Bioland-Präsident Jan Plagge "Und jetzt lässt sie sich als Trendsetterin für Deutsches Bio feiern." Statt die Biobranche auf ihrem Wachstumskurs zu unterstützen, vernachlässige der Bund die Förderung des Biolandbaus: "Nie gab es sowenig Flächenzuwachs wie unter Bundesministerin Aigner, 2012 waren es nur 1,8 Prozent", so Plagge.

Differenz zwischen Bio- und Normalware schrumpft

Spuren hinterlässt die wachsende Rolle von Bio-Produkten teils bei den Preisen. Da neben dem Fachhandel mittlerweile auch Handelsriesen im Geschäft mitmischen, schrumpft bei den Erzeugerpreisen zusehends die Differenz zwischen Bio- und Normalware, wie der Bauernverband beobachtet hat. Was die Kalkulation von Landwirten belastet, die in der Bio-Produktion einen höheren Aufwand haben, könnte manchen Normal-Käufer im Supermarkt allerdings auch einmal zu «bio» greifen lassen.