Die Biobranche möchte raus aus der Ökonische und stärker als Innovationsmotor wahrgenommen werden. Beim Thema gentechnikfreie Babynahrung muss sie aber noch einiges tun.

Gentechnik, Ökomode und das Verhältnis der Bio-Landwirtschaft zur Politik stehen im Fokus der Leitmesse Biofach in Nürnberg. Die Mehrheit der in Deutschland angebotenen Babymilchnahrung komme von Kühen, deren Futter gentechnisch verändert sei, sagte der Agrarexperte der Umweltorganisation Greenpeace, Alexander Hissting.

"Allerdings gibt es einen klar positiven Trend." Bis Ende des Jahres werde etwa ein Viertel der Babymilchnahrung gentechnikfrei sein, wie eine Umfrage unter den Anbietern ergeben habe.

Ökomode wird schlecht präsentiert

Auch bei Ökomode gibt es eine positive Entwicklung, auch wenn die Kleidung aus Bio-Baumwolle oder recycelbaren Materialien noch immer selten in den Kleiderschränken der Verbraucher landet.

Der Umsatz wachse stetig, sagte Branchen-Expertin Jana Kern. Der Anteil am Modegesamtmarkt liege derzeit aber noch bei unter einem Prozent. Im Jahr 2009 hätten die weltweiten Erlöse mit Ökomode geschätzt bei vier Milliarden US-Dollar (2,9 Milliarden Euro) gelegen. Für das laufende Jahr gingen Experten von rund 5,3 Milliarden US-Dollar Umsatz aus. Grund für den schleppenden Absatz sei vor allem die schlechte Präsentation in den Geschäften, sagte Kern. "Man hat fast den Eindruck, die verstecken sich."

Kritik an der Politik

Zugleich will die Bio-Branche von der Politik stärker als Innovationsmotor statt als Nischenmarkt wahrgenommen werden. "Die Diskrepanz zwischen dem Votum der Bürger - die Mehrheit in Deutschland hat ein Interesse an gesunder Ernährung, einer lebendigen Natur und einer guten Zukunft - und der Politik, die nicht diese Riesenchance zu einem radikalen Paradigmenwechsel ergreift, ist eklatant", sagte der Geschäftsführer der Bio-Supermarktkette Alnatura, Götz Rehn, bei einer Podiumsdiskussion.

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands können sich rund elf Prozent der Landwirte eine Umstellung des eigenen Betriebs auf ökologischen Landbau vorstellen, 1,4 Prozent wollen den Schritt sicher vollziehen.

Dass Bio bei den Verbrauchern ankommt, zeigt die Entwicklung des Fachhandels im vergangenen Jahr. "Der Naturkostmarkt ist sehr viel positiver gewesen als die Gesamtbranche, der Umsatz hat sich weiterentwickelt von 1,85 auf 1,95 Milliarden Euro", sagte die Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren Herstellung und Handel (BNN), Elke Röder. "Die Kunden honorieren glaubwürdige Unternehmenskonzepte."